... zum thema "Immofinanz ALS PARTNER"

 

" ... Die Immofinanz war in dieser Zeit der absolute Shooting Star der österreichischen Immobilienszene und hatte gerade eine kräftige Kapitalerhöhung hinter sich. Über einen dritten Lobbyisten, der vorab auch versuchte mit der Immofinanz ins Geschäft zu kommen, hatte ich schon einige Informationen über die konkreten Interessen der Immofinanz bezüglich der Immobilienmasse.

 

Damals war ich mit Dr. Hochegger aufgrund verschiedener gemeinsamer geschäftlicher Tätigkeiten praktisch in täglichem Kontakt. Ich wusste auch davon, dass die Immofinanz bereits seit einigen Jahren zufriedener Kunde der PR Agentur Hochegger gewesen ist. Es lag also nichts näher, als (nach dem Abbruch meiner diesbezüglichen mündlich vereinbarten Partnerschaft mit Senator Kallinger) Peter Hochegger einzuladen, das Projekt noch rechtzeitig in Umsetzung zu bringen. Dr. Hochegger hatte zu diesem Zeitpunkt ein gutes „standing“ in der österreichischen Wirtschaft und hatte den Ruf eines erfolgreichen strategischen Beraters.“

„Hochegger sagte zu und nahm umgehend Kontakt mit der Immofinanz AG auf. Dr. Hochegger, der Dr. Petrikovics als Kontaktmann und PR-Berater bereits seit Jahren bekannt war, wusste über dessen guter Vernetzung in Wirtschafts- und politischen Kreisen Bescheid und erkannte den Nutzen einer Begleitung des Bieterverfahrens durch ihn und sein Umfeld.

 

Da ich selbst über Senator Kallinger bereits indirekt in Verbindung mit der Raiffeisen OÖ war, wusste ich auch über deren Interessen Bescheid und darüber, dass von Linz aus versucht wird, ein tragfähiges Konsortium auch mit der Immofinanz aufzubauen. Da beide Unternehmen nur an Teilbereichen der Immobilienmasse interessiert waren, war die Idee eines „Österreich-Konsortiums“ relativ schnell geboren und wurde von Hochegger in die Wiener Bankgasse, der Zentrale der Immofinanz, kommuniziert.“

 

Die Raiffeisen Landesbank Oberösterreich, ein erfahrener Player im Geschäft mit der öffentlichen Hand, hat dann in der Folge ein adäquates, der österreichischen „Farbenlehre“ entsprechendes Konsortium aufgebaut. Mit der Wiener Städtischen Versicherung und dem Immobilien Shootingstar Immofinanz AG gemeinsam war das ein geradezu ein ideales Konsortium um in das Bieterverfahren zu gehen. Auch die drei Herren, die damals, vor nunmehr 14 Jahren, diese Unternehmungen repräsentierten, Dr. Ludwig Scharinger, Dr. Günther Geyer und Dr. Karl Petrikovics, verströmten gemeinsam mit dem Namen „Österreich-Konsortium“ österreichisches, institutionelles Flair. Eine gute Basis für die politisch heikle Vergabe dieser Immobilienmasse.

 

Während ich mich im Hintergrund um die strategischen Zusammenhänge und den Fluss von Informationen aus dem Interessentenmarkt kümmerte, übernahm Hochegger die Aufgabe der Verhandlung der Bedingungen der Zusammenarbeit, der vertraglichen Absicherung unserer Tätigkeiten, der Informationsübermittlung von und an das Konsortium - und im Falle eines gemeinsamen Erfolges - die Abwicklung der zu erwartenden beträchtlichen Erfolgshonorierung.

 

Hocheggers Ansprechpartner war hauptsächlich Dr. Petrikovics. Die mündlich vereinbarte Zusammenarbeit und der Informationsfluss zwischen Hochegger und mir startete in den frühen Tagen des April 2004. Genau gesagt am 04–04–04. Dieses markante Datum blieb mir in Erinnerung. Dies ist auch deswegen wichtig zu erwähnen, weil der eigentliche Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen Dr. Hochegger und der Immofinanz AG zwar erst im Juni 2004 unterschrieben wurde, obwohl die Zusammenarbeit schon Monate vorher auf mündlich vereinbarter Basis begonnen hat und diese nur möglich war, weil sie auf meiner inzwischen jahrelangen Vorarbeit aufbauen konnte.

 

Meine Informationsbeschaffung - und die damit zusammenhängende strategische Aufarbeitung - drehte sich um Informationen aus dem Interessentenmarkt einerseits und dem politischen Umfeld andererseits. Die politischen Interessen um diese Wohnungsmasse waren vielfältig.

 

Sie wissen vielleicht, dass die Bewohner der Bundeswohnungsgesellschaften in der Hauptsache Voest-Mitarbeiter, Eisenbahner, Bundesbedienstete, Angestellte, Arbeiter als Wählersegmente vor allem in Kärnten und in Oberösterreich für die Politik hoch interessant gewesen sind.

 

Im Vorfeld und im Umfeld der Vergabe spielten sich damals auch Landtags- und Gemeinderatswahlen ab. Immer wieder wurde die Vergabe deshalb politisch diskutiert und so Einfluss auf die öffentliche Meinung ausgeübt. Die Öffentlichkeit in OÖ war noch sensibilisiert aufgrund der VOEST Privatisierung aus 2003. Im Zusammenhang mit den dortigen Landtagswahlen war die OÖ Landespolitik grundsätzlich gegen Privatisierungen eingestellt.

 

Besonders das Kärntner Wählersegment sollte in der Vergabe später noch eine große Rolle spielen. Für den Kärntner Landeshauptmann standen im April 2004 ganz schwierige Landtagswahlen ins Haus. Haider selbst führte die politische Debatte in Kärnten aktiv und setzte diese strategisch in drei Wahlgängen ein.

Der Gemeinderatswahl 2003, vor allem in Villach, in der Landtagswahl und in der Europawahl. Er gab sich gegenüber den Bewohnern der 12.000 Wohnungen - das ist eine für Kärntner Verhältnisse bedeutende Wählermenge - stets geschickt als deren Beschützer gegen feindliche Übernahmen ihrer Wohnungen durch amerikanische „Heuschreckenfonds“ aus.

 

Er selbst stand mit der damaligen Wiener Koalition ständig auf Kriegsfuß. Deshalb hat das seit 2002 bestehende Vorkaufsrecht des Landes Kärnten und damit auch der Landeshauptmanns selbst, eine viel wichtigere Rolle im Hintergrund gespielt, als dies im Verkaufsprozess im Vordergrund, vor allem in Wien, wahrgenommen wurde.

 

Der Landeshauptmann war auch ein ständiger Unruheherd in der Koalition und deshalb ständig beobachtet. Er war ein hervorragender Spieler zwischen der Politik- und Finanzwelt. Er war bestens vernetzt, bestens informiert, höchst anerkannt und wusste genau, wie er etwas dort umsetzt. Deshalb war er auch für mich ein wichtiger Ansprechpartner. Insgesamt führte ich mit ihm drei inhaltlich erhellende Gespräche.

Auch das Land Wien, und damit auch die SPÖ, spielte im Vorfeld eine große Rolle. Die Herauslösung der WBG im Vorfeld des Bieterprozesses kann man absolut als politische Handlung zur Beruhigung der Interessen der SPÖ darstellen. Das man diese Genossenschaft an die Eisenbahnergewerkschaft für 55 Mio. verkaufte und das Angebot der Genossenschaften auf vier reduzierte, ließ die SPÖ Kritik gegen diese Privatisierung fast verstummen und veränderte natürlich auch die Interessentenlandschaft.

 

Das alles - alle diese Umfelder - hatten auf den Verkaufsprozess eingewirkt. Auch sie waren Teil der Beeinflussung des Marktes. Sie galt es aus Sicht der strategischen Begleitung zu beobachten, zu analysieren und in die Überlegungen einzubauen.

 

Außerhalb der reinen Immobilienbewertung gab es noch andere, ökonomische Bewertungen für das Konsortium. Es war logisch, dass all diese Tausenden Mieter auch andere Potenziale hatten. Sie waren wie gesagt Mieter, sie waren vielleicht aber auch zukünftige Versicherungskunden und vielleicht auch zukünftige Bankkunden.

Auch aus dieser Sicht galt es Ruhe im Verkaufsprozess zu erhalten und kein politisch geschürtes Misstrauen zwischen den bestehenden Mietern und möglichen zukünftigen neuen Eigentümern aufkommen zu lassen. Dies galt es zu beobachten, um bei eventuell auftretenden Gefahren notwendige Maßnahmen zu empfehlen. Das waren so die Aufgabenstellungen denen ich mich damals im Vorfeld des eigentlichen Vergabeprozesses widmete.

 

Die daraus abgeleiteten Informationen und Empfehlungen habe ich ständig an Dr. Hochegger weitergegeben. In dieser Zeit traf ich mit Hochegger ca. dreimal wöchentlich zusammen und hatte fast täglich telefonischen Kontakt. Nicht nur wegen diesem Projekt. Wir hatten zu dieser Zeit auch andere gemeinsame Projekte. Die Informationsweitergabe zum Thema Bundeswohnungen funktionierte praktisch nebenbei. Es oblag dann Hochegger, was er wie im Wege von Dr. Petrikovics an das Österreich-Konsortium weiterleitet. Was er davon wirklich weitergeleitet hat, entzieht sich meiner Wahrnehmung, da ich bei solchen Gesprächen nicht anwesend gewesen bin.

 

Der Versuch der Staatsanwaltschaft, meine Tätigkeiten und den Provisionsanspruch auf die wenigen Tage des Bieterverfahrens selbst und die Übermittlung einer einzigen Summe zu reduzieren, ist objektiv ganz einfach falsch!"

 

Walter Meischberger, 12.04.2018