.... zum thema "Das Gespräch Wirnsperger im September 2005"


" ... Zu diesem Gespräch kann ich naturgemäß nicht allzu viel sagen. Denn ich war nicht dabei. Nur soviel. Wirnsperger kann das, was Hochegger hier behauptet, aus vielen verschiedenen Gründen so weder gedacht noch gesagt haben.

1) Das Konto „Walter“, hier besser bekannt unter der Nummer 400.815, war immer mein Konto, wurde mit Hilfe von Wirnsperger von mir gegründet, und ausnahmslos von mir bewirtschaftet. Im gesamten Akt gibt es keinen einzigen, auch nicht den kleinsten Hinweis darauf, dass eine andere Person in all den Jahren seit der Gründung 2001 bis in das Jahr 2009 auch nur den geringsten Einfluss auf dieses Konto genommen hätte. Dies wird ausnahmslos von allen seitens der betreuenden Bank damit beschäftigten Personen bestätigt.


2) Ganz besonders bestätigen das aber die bisher über die Jahre gemachten Aussagen von Christoph Wirnsperger selbst. Folglich würde die jetzt gemachte Aussage Hocheggers nicht nur gegen alle dessen eigenen, bisher in der Öffentlichkeit, vor den Ermittlern, vor dem Parlament und vor Gerichten unter Wahrheitspflicht gemachten Aussagen widersprechen, sondern auch sämtlichen, bis heute gemachten eindeutigen Aussagen von Christoph Wirnsperger.

3) Hochegger gibt vor, auf einem Notizzettel Wirnspergers drei Konten mit Namen und Kontonummern gesehen, und sich diese auch in Sekundenschnelle über Jahre gemerkt zu haben. Hochegger stellte eindeutig klar, dass dieses Gespräch stattgefunden hatte, als Wirnsperger ihm ohne mein Beisein die Funktion der Omega erklärte, und mit ihm besprach, wie der Joint Venture Vertrag, der so genannte Gewinnabschöpfungsvertrag, zwischen der Astropolis Hocheggers und der Omega errichtet werden soll. Ein solches Gespräch musste jedenfalls vor dem 23.9.2005 stattgefunden haben. Denn ab diesem Datum war der Gewinnabschöpfungsvertrag zwischen der Astropolis und Hochegger, zwischen Hochegger und Wirnsperger bereits soweit ausverhandelt, dass Hochegger an diesem Tag im Wege eines Emails an seinen zypriotischen Partner Wirnsperger avisierte, um nur noch die Details und Unterlagen auszuarbeiten und das Konstrukt in Umsetzung zu bringen.

4) Wie schon im Prozessverlauf dargelegt, kann Wirnsperger von den Gründungen der Konten zum vorgegebenen Zeitpunkt keine Ahnung gehabt haben. Das Konto „Karin“ wurde erst am 27.10.2005, also mindestens ein Monat später und nicht einmal von Wirnsperger selbst, sondern von einem seiner Kollegen eröffnet. Das Konto „Natalie“ wurde überhaupt erst zweieinhalb Monate später von mir mit Christoph Wirnsperger gegründet.

Erst anlässlich der Gründungen der Konten konnten die dazugehörigen Kontonummern feststehen, die Hochegger schon viele Wochen vorher gesehen haben will. Auch die Namen der Konten, die Hochegger damals gesehen haben will, wurden erst bei der Gründung selbst angelegt. Es ist somit praktisch und auch theoretisch unmöglich, dass Wirnsperger zu einem Zeitpunkt vor der Erstellung des Gewinnabschöpfungsvertrages überhaupt von diesen Konten wissen und darüber sprechen konnte. Schon gar nicht konnte er zugeordnete Nummern und Namen dieser Konten kennen, wie Hochegger behauptete.

Und noch etwas ist dabei erwähnenswert: Hochegger verwechselt in seinen Aussagen bezüglich dieses für ihn so eindrucksvollen Gespräches ständig alles. Die Jahre 2004 und 2005, wann dieses Gespräch stattgefunden haben soll, er kann sich auch nicht mehr an den Gesprächsort erinnern, d.h. ob das Gespräch in seiner eigenen Wohnung oder im Hotel am Stephansplatz stattgefunden hat, er schreibt den Namen Natalie auf seiner,„Erinnerungsskizze“ der drei Konten falsch, erinnert sich auf Nachfrage nicht einmal an seine eigene Kontonummer, geschweige denn, an jene des Kontos Karin oder des Kontos Natalie.

Aber die sechsstellige Kontonummer, die er nach eigenen Angaben nur wenige Sekunden gesehen hat, weil er dem Wirnsperger ja sofort ins Wort gefallen sein will, an diese sechsstellige Kontonummer erinnert er sich heute noch ganz genau. Wer das glaubt, der würde dem Hochegger auch glauben dass das Christkind mit dem Osterhasen ein Verhältnis hat, falls ihm das von ihm erzählt würde.

Das sind die klaren Daten und Fakten bezüglich der Konten. Jene klaren Daten und Fakten die die vorsitzende Richterin zu Recht einfordert. Und es wird spannend sein, was der Betroffene selbst, nämlich Christoph Wirnsperger hier vor diesem Gericht unter Wahrheitspflicht dazu aussagen wird.

5) Wie gesagt, ich war bei dem von Hochegger angesprochenen Gespräch nicht dabei. Aber ich kenne Christoph Wirnsperger. Er war damals ein ehrgeiziger, verantwortungsvoller Bankangestellter, der mein ganzes Vertrauen hatte. Ein Banker aus Fleisch und Blut, ausgestattet mit der Vorarlberger Gründlichkeit und der sprichwörtlichen Verschwiegenheit der Schweizer und Liechtensteiner Bankkultur.

Seine Tätigkeit unterlag dem sehr strengen Liechtensteiner Bankgeheimnis. Und das sollte er ungefragt und ohne irgendeinen Anlass brechen? Er sollte sich einfach so und von Hochegger ungefragt selbst in eine rechtlich katastrophale Situation bringen? Denn eine solche Aussage hätte ihn – wenn es wahr wäre, was Hochegger ihm hier unterstellt – seinen Job kosten können und für alle Zukunft vom Liechtensteiner Finanzplatz, seinem Arbeitsplatz bis heute, ausschließen können.

Dagegen spricht auch ein abgehörtes Telefongespräch am 5.2.2010 von Christoph Wirnsperger mit seinem Partner Ludescher, indem er sich über Hochegger beschwert, ihn als „Arschloch“ betitelt, weil er sich von Hochegger hintergangen fühlt. Und dann Wirnsperger wörtlich: „ … Das ist eine Frechheit. Die lügen, die sagen Osteuropa, keine Politiker drinnen, also weder osteuropäische noch österreichische Politiker.“ – Zitatende. Also offensichtlich war Wirnsperger von den Socken, als er in der Zeitung oder woher auch immer nach dem Aufpoppen der Affäre „BUWOG“ erfahren hatte, es wäre doch ein Politiker involviert. Er hatte offensichtlich die Information von Hochegger und mir, dass keine Politiker involviert wären. Was ja auch der Wahrheit entspricht.

Aber wie passt das, was Wirnsperger anlässlich dieses abgehörten Gesprächs seinem ihm vertrauten Partner gesagt hat, mit der Behauptung Hocheggers vom 20.12.2017 hier in diesem Gerichtssaal zusammen, als dieser sagte, dass es Wirnsperger selbst gewesen wäre, der ihn Hochegger bereits im September 2005 – also inmitten dessen zweiter Funktionsperiode Grassers als Finanzminister – einen Teil der Überweisung bekommen sollte? Nämlich überhaupt nicht."

 

Walter Meischberger, 12.04.2018