... ZUM THEMA "EINE GROSSE UNKENNTNIS, WAS EIN ´STRATEGISCHER BERATER´ LEISTET"

 

" ... Die Berufsgruppe der strategischen Berater oder Kommunikatoren, ist eine wichtige Stütze für Industrie, die Wirtschaft und die Börsen dieser Welt. Überall auf der Welt. Zur Verdeutlichung ein paar konkrete Zahlen: Alleine in Berlin, im Zentrum der deutschen Regierungsmacht, gibt es mehr als 5.000 sogenannter Lobbyisten oder strategischer Berater. Im Zentrum der europäischen Regierungsmacht, in Brüssel, sind inzwischen mehr als 25.000 Lobbyisten und Berater aus diesem Umfeld gemeldet.

Spannend sind auch folgende belegte Zahlen: Rund ein Drittel sämtlicher Ex-Parlamentarier auf europäischer Ebene und ein Drittel aller früheren Mitglieder der EU Kommission sind nach ihrer politischen Karriere direkt oder indirekt an Lobbying Agenturen angebunden oder als selbstständige Berater tätig. Alleine in Brüssel beläuft sich der Markt der Berater auf einem Jahresumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro. Das ist nichts Geheimnisvolles, nichts Mystisches, das ist eine seit Jahrzehnten etablierte Industrie!

Ich habe - wie hunderte andere Politiker - auch diesen Berufsweg gewählt. Meine Kernkompetenz ist „strategische Kommunikation mit politischem Hintergrund. Ich lebe davon als selbstständiger Berater mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Kontakte zu nutzen um strategische Aufgaben für Auftraggeber zu erfüllen und diese Ableitungen weiterzugeben. Ich lebe davon, Menschen und Interessen zu verbinden, damit diese ihren jeweiligen wirtschaftlichen Nutzen daraus ziehen können.


Die Staatsanwaltschaft bringt in der Anklageschrift vor, ich hätte gegenüber der PORR AG im Faktum Terminal Tower und gegenüber dem Österreich-Konsortium im Faktum Bundeswohngesellschaften, nur die Forderung nach Bestechungsgeld des Erstangeklagten Karl-Heinz Grasser überbracht. Dieser Vorwurf impliziert aber auch, dass ich gegenüber diesen meinen Kunden KEINE EIGENE, verrechnungsfähige Leistung erbracht hätte. Das ist schlicht falsch und es ist aktenwidrig.

Richtig ist vielmehr, dass ich gegenüber dem Österreich-Konsortium im Wege über Peter Hochegger, und gegenüber der PORR AG eigene, werthaltige Leistungen als strategischer Kommunikator angeboten, erbracht und AUSSCHLIESSLICH diese verrechnet habe. Dies entspricht auch der Aktenlage. Dies wird in den Aussagen von Dr. Petrikovics, dem leider verstorbenen Dipl. Ing. Pöchhacker, und sogar von Dr. Hochegger selbst bestätigt, jenen Herren, mit denen ich in dieser Sache jahrelang zusammenarbeitete. Es gibt keinen einzigen Beweis und kein einziges Indiz im gesamten Akt, das auf etwas anderes hinweisen würde.

Der Umstand der vollkommen falschen Einordnung der werthaltigen Tätigkeiten eines strategischen Kommunikators für Unternehmen entsteht vor allem deshalb, weil es sich um ein nicht klassisches Berufsbild handelt, das sehr komplex und vielfältig, in viele Bereiche spezialisiert und für Außenstehende deshalb nur schwer fassbar ist.

Wenn man den bisherigen Prozessverlauf genau verfolgt hat, kommt man zur Feststellung, dass betreffend des Berufsbildes des „Strategischen Kommunikators“ in diesem Gerichtssaal wenig bis keine Kenntnis vorhanden ist.

Die werthaltigen Tätigkeiten eines strategischen Kommunikators sind weder geheim noch haben sie etwas mit dem Bild einer „dubiosen Agententätigkeit“ zu tun, auch wenn diese nicht einem allgemein bekannten, klassischem Berufsbild entsprechen und diese aus strategischer Vorsicht - oder vielleicht deshalb - meist im Hintergrund getätigt werden. Ich halte diese Unkenntnis bezüglich des gesamten Berufsbildes des strategischen Kommunikators, seiner Tätigkeiten und Leistungen, für einen der großen Knackpunkte in diesem Verfahren."

 

Walter Meischberger, 12.04.2018