Das Konto „KARIN“: Des Rätsels Lösung

 

Am 32. Verhandlungstag ging es um die penible Aufarbeitung der Kontenzuordnung. Walter Meischberger wusste immer, dass die beiden im Fokus des Prozesses stehenden Konten „WALTER“ und „NATALIE“ in seinem Besitz bzw. das Konto "KARIN" insofern in seinem Einflussbereich steht, als darüber seine Gelder treuhändig für Investitionen in Immobilien verwaltet werden. 

 

Wobei bis dato die Erklärung für die Funktionsweise des Kontos „KARIN“, das im Oktober 2005 eröffnet wurde, für Außenstehende nicht so einfach war, wie auch Walter Meischberger betonte. Denn tatsächlich war das Konto von Plech gegründet worden, allerdings um seinerseits auf dem Konto eingegangene Geld treuhändisch für Walter Meischberger in Immobilien zu investieren. Die Idee dahinter war eine langfristige, sichere Veranlagung des Vermögens, das einerseits als Altersvorsorge, andererseits als Vorsorge für Partnerin und Kinder dienen sollte. 

 

Die Staatsanwaltschaft behauptet, „KARIN“ sei gegründet worden, um Ernst Plech „einen Drittel Anteil an der Buwog Provision zukommen zu lassen“. Die „Schwachstelle“ bisher: Walter Meischberger ging zwar davon aus, dass er bei der  Kontogründung dabei war bzw. diese initiiert hatte, um seinen privaten Vermögensplan umzusetzen, konnte dies aber nicht mehr anhand von Fakten darstellen. 

 

Das Missing Link fehlte also bisher, und genau dieses Missing Link wurde bei der Hauptverhandlung am 26. April - zum Leidwesen der Anklagevertreter -  gefunden: 

 

  • Anhand  der Kontoeröffnungspapiere stellte sich nämlich heraus, dass Plech zwar offiziell Kontogründer war (und auch dessen Frau im Falle seines Ablebens zeichnungsberechtigt war), dass aber tatsächlich Walter Meischberger bei der Kontogründung nicht nur anwesend war, sondern selbst auch handschriftlich den Namen „KARIN“ eingetragen hatte und die Bezeichnung „KARIN“ notabene auch seine Idee war. Genau diese eine Seite mit dem von Meischberger getätigten handschriftlichen Eintrag „KARIN“ fehlte, aus welchen Gründen auch immer, in den zur Verfügung stehenden Unterlagen.
  • Argumentation Meischbergers war es über die Jahre immer, dass die Bezeichnung KARIN nicht auf den Namen der Ehefrau von Ernst Plech, die im Übrigen Karina heißt, zurückgeht, sondern auf eine frühere Bekannte namens Karin Landauer. Der erste Namensteil habe ihm quasi als „Eselsbrücke“ gedient: Land=Immobilien. Der nun direkt im Gerichtssaal aufgedeckte Namenseintrag durch Meischberger selbst ist ein klares und schlüssiges Indiz dafür.  
  • Wirtschaftlicher Berechtigter dieses Kontos war unbestritten Ernst Plech, der für Meischberger treuhändisch als väterlicher Freund und Immobilien-Experte Investments vornahm. Eigentümer des Geldes bzw. der daraus getätigten Investments war allerdings ausnahmslos Walter Meischberger.
  • Ein Beweis mehr, dass somit sämtliche Überweisungen völlig rechtmäßig über die Bühne gingen und die so genannten Buwog-Provisionen – in insgesamt fünf Teilzahlungen - zu 100% in den Besitz von Walter Meischberger gelangten. 

Zum Konto „WALTER“ (400.185)

Die Staatsanwaltschaft behauptet: Das Konto „WALTER“, in der Öffentlichkeit als „400.185“ bekannt geworden, gehörte in Wirklichkeit Karl-Heinz Grasser. Tatsächlich war dieses Konto, wie sich in der HV vom 26. April herausstellte, von Walter Meischberger bereits im Jahr 2001 gegründet worden. Und ebenso tatsächlich fanden auf diesem Konto lange vor den „Buwog-Provisionen“ bereits zahlreiche Transaktionen statt, wie ebenfalls bei der Hauptverhandlung Transaktion für Transaktion, Datum für Datum aufgelistet wurde. Versteuertes Geld, das Meischberger von den Erlösen diverser Geschäftsfälle auf diesem Konto anlegte. Und das auch nach Einlangen der fünf Tranchen der Buwog-Provision auf eben diesem Konto blieb. 

  • Wie logisch wäre es denn, mehrere Hundertausende Euro an Meischberger Geld auf einem Konto zu belassen, das Karl-Heinz Grasser gehören würde? Von 2001 bis 2005 hat es auf dem Konto 400.815 keine einzige Behebung gegeben. Hätte Meischberger Karl-Heinz Grasser dieses Konto übertragen, hätte wer wohl seine EUR 236.477,00 vorher abgehoben.
  • Wie logisch wäre es gewesen, ein zum angesprochenen Zeitpunkt schon mehrere Jahre altes Konto für einen Geldfluss zu verwenden, wenn 2005 neue Konten eröffnet wurden? 
  • Auch in weiterer Folge kam es zu mehreren Einzahlungen, Querüberweisungen und Abhebungen die eindeutig darauf hinweisen, dass es sich bei diesem Konto nur um Kapital von Meischberger handeln konnte. Dies hat der Sachverständige Dr. Keppert in seinem dem Akt beiliegendem Gutachten untersucht und so befunden und beurteilt.
  • Und besonders interessant: Auch die Finanzverwaltung hat das Konto 400.815 nach äußerst intensiver Prüfung durch Fachleute, die der Staatsanwaltschaft gar nicht zur Verfügung stehen, mit rechtsgültigen Bescheiden ausschließlich Walter Meischberger zugeordnet - und Meischberger die Steuern vorgeschrieben, die er auch dafür bezahlt hat.
  • Das bedeutet, dass die Finanz anlässlich der Prüfung sämtlicher Zahlungsflüsse dieses Kontos es als Meischberger-Konto (!) identifiziert hat!

Konto „NATALIE“

Das dritte Konto „Natalie“, das im Dezember 2005 gegründet worden war, stand ohnehin nicht einmal bei der Staatsanwaltschaft „im Verdacht“, nicht Meischberger zu gehören.