VERHANDLUNG AM 17. JULI ABGESAGT: „DAUERGAST“ HEINRICH TRAUMÜLLER MUSS WARTEN.

 

Selbst ihm nicht so gut Gesinnte haben ihn vor Gericht als „aufrechten Beamten alten Zuschnitts“ bezeichnet, der „mit einem hervorragenden Gedächtnis ausgestattet und sehr detailorientiert“ agiert. Ein Manager des damaligen Lehman-Teams sagte kürzlich über Traumüller: „Verlässlicher, korrekter und rasch agierender Mann mit viel Enthusiasmus“. Und er wurde von vielen, die wiederum dem Hauptangeklagten Karl-Heinz Grasser nicht so gut gesinnt sind, als einer der „Hauptbelastungszeugen“ abgefeiert. Nach seinem Auftritt bei Parlamentarischen Untersuchungsausschuss 2012 hatte man sich da entsprechende „Hoffnungen“ gemacht. 

Doch es kam anders, und Heinrich Traumüller, von dem hier die Rede ist, beginnt das zusehends zu spüren. „Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss hat nicht rechtstaatlich agiert, er war ein reines Tribunal. Das Ganze war inszeniert, eine Farce von A bis Z, die entglitten ist. Ich habe dabei gröbste Missachtung meiner Menschenrechte empfunden!“, hat er kürzlich resümiert. Im Internet wird ihm mittlerweile sehr übel genommen, dass er bei der Wahrheit bleibt, sich halt an Details von vor fünfzehn Jahren erinnern kann – und dies auch zu Protokoll gibt. 

 

So wirft ihm ein Poster unter dem Decknamen „shlominus“ auf standard.at Bestechlichkeit vor. Wortwörtlich ist hier zu lesen: „die einzige frage, die mich in dem zusammenhang beschäftigt, ist die, ob traumüller etwas dafür bekommt, grasser's haider-theorie aktiv zu stützen, oder ob er nur aus loyalität handelt…“. Das Mediengesetz in Österreich lässt solche Anwürfe zu. Und so manche Medien haben ohnehin nie ein Problem gehabt, trotz angeblicher Kontrolle, sowas zu veröffentlichen. Soweit so gut, oder in diesem (exemplarischen) Fall peinlich für jene, die es zulassen...

 

Traumüller wäre am 102. Verhandlungstag erneut als Zeuge geladen gewesen, bereits zum fünften Mal. Doch der heutige Verhandlungstag musste wegen Erkrankung der Ersatz-Richterin abgesagt werden. Ein neuer Termin für die weitere Befragung Traumüllers steht logischerweise noch nicht fest.

 

Bei seiner letzten Befragung am 15. Mai (Tag 96) gab Traumüller unter anderem zu Protokoll:

 

„Seit längerer Zeit, insbesondere nach dem U-Ausschuss habe ich versucht, die Staatsanwaltschaft auch auf andere Möglichkeiten aufmerksam zu machen, weil ich nicht verstanden habe, dass nur völlig einseitig in Richtung Grasser ermittelt wurde. Jedenfalls war für mich klar, dass das Vorkaufsrecht des Landes Kärnten der Schlüssel zum Zuschlag war. Und es war auffällig, dass nach der ersten Runde eine deutliche Korrektur bei der Bewertung der ESG (Anmerkung: Jene Villacher Gesellschaft, auf die das Land Kärnten eine Option hatte) durch das schließlich erfolgreiche Österreich-Konsortium stattfand. Dazu kam, dass bei der Informationssitzung am 7.6.2004 verschiedene Teilnehmer dabei waren, welche die ‚heiße Zahl 960‘ weitergegeben haben könnten. Und es gab auch außerhalb des Ministeriums andere Kanäle. Andererseits ist mittlerweile klar, dass es im Vorfeld intensive Kontakte zwischen Klagenfurt (Anmerkung: Landeshauptmann Haider bzw. Landesrat Pfeifenberger) und Linz (Anmerkung: Sitz des Konsortiumpartners RLB OÖ und dessen Generaldirektor Scharinger) gegeben hat. Dazu gibt es auch die Aussage seitens Meischberger, dass er die Info ‚über 960 bzw. in Richtung 1 Milliarde‘ telefonisch von Haider erhalten habe. Es wäre ja durchaus möglich gewesen, dass jemand wusste, dass das Land Kärnten das Vorkaufsrecht mit Sicherheit nichtausüben werde. Kärnten hatte so in der Hand, den Bestbieter zu küren…“

 

Wie schaut das weitere Prozessprogramm aus?

 

Für nächste Woche sind drei Verhandlungstage vorgesehen. An den beiden ersten steht die Befragung von Willibald Berner auf der Tagesordnung. Berner ist bekanntlich jene Person, die den so genannten Tatplan ins Spiel gebracht hat. Ominöserweise viele, viele Jahre später, als er erstmals davon gehört haben will (von Peter Hochegger, der das im Übrigen vehement bestreitet, so wie auch alle anderen Personen, die auf diesem Zettel, den Berner nachgezeichnet hat, genannt werden). Und Berner ist nach Aussagen eines weiteren „Belastungszeugen“, nämlich von Michael Ramprecht, im Zuge der ganzen Buwog-Causa zum besten Freund von ebendiesen geworden. Und Ramprecht darf dann am dritten Tag, also am Donnerstag nächster Woche, erneut vor Richterin Hohenecker Platz nehmen…