„DENKEN SIE DOCH NACH ÜBER DAS ‚ANGEBOT‘ DES HERRN STAATSANWALTS…“

 

Im Rahmen einer Befragung des Angeklagten Dr. Toifl durch Rechtsanwalt Norbert Wess kamen neuerlich interessante Details ans Tageslicht, wie seitens der Ermittlungsbehörden bzw. der Staatsanwaltschaft agiert wurde.

 

Aufhorchen ließ Toifl, als er davon erzählte, dass es im Jahr 2012 („Es war das Jahr der Einvernahmen!“) im Sommer auch eine „Einladung“ der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu einer Einvernahme gegeben habe, die allerdings bis heute nirgends aufscheint.

 

„Das war ein Gespräch bei Oberstaatsanwalt Gerald Denk und Oberstaatsanwältin Beatrix Winkler (stellvertretende Leiterin der WKStA – Anmerkung), diesmal ohne Kriminalbeamte dabei. Es hat ganz klar das ‚Angebot‘ gegeben, das Verfahren gegen mich unter Wahrung der gesetzlichen Möglichkeiten, etwa Diversion, einzustellen. Voraussetzung dazu wäre gewesen, dass ich mehr sage, als ich bisher gesagt habe. Denken Sie doch darüber nach über das Angebot des Herrn Staatsanwalts, wurde mir einmal gesagt. Ich war aber selbstverständlich nicht bereit, um meine Lage zu verbessern, eine Unwahrheit zu sagen…“

 

Bestätigt wurde diese durchaus interessante Vorgangsweise der Staatsanwaltschaft am Verhandlungstag 158 durch einen weiteren Angeklagten („Terminal Tower“), nämlich Josef Wailzer. Dieser bestätigte vor dem Gericht, dass er ebenfalls ein „Angebot“ erhalten habe.

 

Wailzer: „In einer Kaffeepause hat mich Oberstaatsanwalt Denk angesprochen und gemeint: ‚Liefern Sie mir den Herrn Grasser, Sie sind mir eh wurscht!“

 

Die heutigen Aussagen wecken auch Erinnerungen an eine Aussage von Karl Petrikovics zu Beginn des Prozesses, im Februar 2018. 

 

Karl Petrikovics, als damaliger Immofinanzchef einer der Repräsentanten des so genannten Österreich-Konsortiums, sagte, dass der frühere Staatsanwalt im Verfahren, Norbert Haslhofer, ihn bei seiner ersten Vernehmung im Herbst 2009 aufgefordert habe: "Liefern Sie mir den Magister Grasser, es wird Ihr Schaden nicht sein."

 

„Ich bin selten sprachlos, damals war ich es aber…“, so Karl Petrikovics. Seine beiden ihn damals begleitenden Verteidiger, Professor Wolfgang Brandstetter (der spätere Justizminister) und Otto Dietrich, sein aktueller Anwalt, seien zusammengezuckt.