Warum macht die APA das?

 

Im Zuge der Befragung von Karl-Heinz Grasser durch die vorsitzende Richterin wurden auch diverse Einträge in dessen Terminkalender aus den Jahren 2002 aufwärts hinterfragt. Anhand dieser Einträge aus etwa vier Jahren waren auch einige Termine in verschiedenen Lokalen wie zum Beispiel Fabios ersichtlich. Für manche Medien im wahrsten Sinne des Wortes ein gefundenes Fressen…

 

„Der Alltag des Glamour-Ministers“ hieß es im Kurier am 21. Juni. Und  in einem prominent ins Blatt gerückten  Dreispalter erfuhr die Leserschaft: „Die Liste der Lokale, in denen sich Grasser laut seinem Terminkalender mit Politikern, prominenten Sportlern und Industriellen traf, liest sich wie das ‚who is who‘ der Wiener Nobelrestaurants“. Der Kurier beruft sich auf die Austria Presse Agentur, die spitz bemerkte: „Soviel vorweg: Einen guten Appetit sollte man für den Job schon mitbringen“.

 

Resümee des „Qualitätsmediums“ Kurier: „Dass der Glamour-Minister bei so viel Schlemmen etwas Sport zum Ausgleich brauchte, erscheint verständlich.“ Um Missverständnissen vorzubeugen: Es handelt sich hier seitens des Kurier um Gerichts-Berichterstattung. Jeder kann sich über diese Vorgangsweise ohnehin seine Meinung bilden – Kommentar erübrigt sich…

 

Und es handelt sich hier offensichtlich um kein Zufallsprodukt der Austria Presse Agentur, das dem Kurier als Quelle diente, sondern wohl um Kalkül. Tatsächlich lieferte die Austria Presse Agentur über ihren Live-Ticker eine penible Aufzählung, mit wem und wo Grasser essen ging. Die APA, die als „Verteiler“ für den Großteil der Medien eine besondere Verantwortung hat, ein realistisches Bild aus dem Gerichtssaal zu geben, nutzte den Tag (wieder einmal), in unangebrachter Weise gegenüber Karl-Heinz Grasser Stimmung zu machen, betonte Grasser Anwalt Manfred Ainedter.

 

Die ZiB 2 machte freudig mit


Die Überschrift des APA Berichts lautete: „Grasser-Termine in Luxuslokalen“ und zählt dann genüsslich diverse (auch private) Essen auf, die zwar im Terminkalender Grassers, über eine gewisse Zeit verteilt, eingetragen waren, aber im Verfahren selbst überhaupt keine Rolle spielen.


Die APA Meldung wurde offenbar freudigst auch vom Fernsehen übernommen und für die ZiB2 Seher am 20. Juni 2018 noch ein bissl zugespitzt: „Abendessen mit Prominenten in Wiener Gourmettempeln ... waren für Grasser Alltag“ lautete die öffentlich-rechtliche Botschaft aus dem Gerichtssaal. Untermalt durch entsprechende Bilder. Auch dieser „Stil“ bedarf keines weiteren Kommentars…


Wortwörtlich wurden die „genüsslichen“ APA Sager auch von der Wiener Zeitung vom 21. Juni übernommen („Die Liste der Lokale, in denen sich Grasser laut seinem Terminkalender mit Politikern, prominenten Sportlern und Industriellen traf, liest sich wie das ‚who is who‘ der Wiener Nobelrestaurants…“). Die Wiener Zeitung ist bekanntlich die Zeitung der Republik Österreich. Auch hier: Kommentar überflüssig.


Die APA hat also wieder mal „ganze Arbeit“ geleistet. Fragwürdige Botschaften, die in den Mittelpunkt gerückt werden und ein Millionenpublikum erreichen. Stimmungsmache, hunderttausendfach in den Umlauf gebracht, durch zahlreiche auflagenstarke Printmedien, durch den ORF und durch zahlreiche Multiplikatoren im Internet, insbesondere auch die Website orf.at

 

Die Frage, die sich praktisch vom ersten Tag des Prozesses stellt: Warum macht das die APA, der ja eigentlich aufgrund ihrer Rolle besondere Verantwortung für eine objektive Berichterstattung aus dem Gerichtssaal zukommen würde…

 

Es geht auch anders…


Dass es auch anders geht, zeigt ein durchaus kritischer Beitrag des Profil vom 25. Juni 2018: „Grasser war oft mit Geschäftspartnern essen; schön für ihn, aber nicht verboten.“

 

Ein Lehrbeispiel wie man ein nicht wirklich relevantes Thema im Rahmen des Prozesses zynisch, polemisch, tendenziös, oder eben journalistisch korrekt abhandeln kann.