Wesentlicher Baustein der Staatsanwaltschaft bricht in sich zusammen: Das Bewegungsprofil entpuppt sich als extrem lückenhaftes Konstrukt.

 

Es war der sattsam bekannte Format-Journalist Ashwien Sankholkar, der in seiner gewohnt aggressiven Art im Juli 2013 loslegte: „…Die Geschichte ist zu gut, um wahr zu sein. Im FORMAT exklusiv vorliegenden Anlassbericht vom 24. Jänner 2013 „Bareinzahlungen auf das Konto Ferint AG““ wird nüchtern festgestellt: Das Erhebungsergebnis erhärtet den Verdacht, dass Karl-Heinz Grasser am Geld, welches in bar am Ferint-Konto bei der Meinl Bank eingezahlt wurde, persönlich wirtschaftlich berechtigt ist und nicht, wie von ihm behauptet, von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota stammt.“ Es sei Buwog-Geld, vermuten die Ermittler….“


Die Polizei habe Grassers Schwiemu-Story auf Herz und Nieren geprüft und ein lückenloses Bewegungsprofil von KHG und Familie erstellt. Europay-Kreditkartenabrechnungen wären ausgewertet worden und bei Reisebüros und Fluggesellschaften wäre recherchiert worden. Das Polizeipapier entlarve Grasser: Die Geldübergaben der Schwiegermutter seien so gar nicht möglich gewesen und auch seine Angaben diesbezüglich falsch. „Grasser bleibt die Spucke weg“ resümierte damals Sankholkar, von dem seit 18. März 2016 keine Zeile mehr in den Magazinen der Verlagsgruppe News erschien (https://derstandard.at/2000044034137/Was-wurde-eigentlich-aus-Ashwien-Sankholkar); das wird schon seinen Grund haben…


Eine Geschichte, die von verschiedensten anderen Medien übernommen, groß auch in die Hauptabendnachrichten des Fernsehens gerückt wurde… Ein wesentlicher und gezielter Baustein zur „medialen Vernichtung“ des Karl-Heinz Grasser, der enorm viel Schaden anrichtete – für die Ankläger erfüllte die Story ihren Zweck…


Den Unsinn, diese 500.000 Euro seien „Buwog-Geld“, konnte selbst die Staatsanwaltschaft nicht mehr aufrechterhalten. Nun kam das Thema aktuell beim laufenden Buwog-Prozess wieder zur Sprache und wurde auch gleich wieder von prominenter Stelle in die Öffentlichkeit getragen. Die ORF-Reporterin Petra Pichler twittert direkt aus dem Großen Schwurgerichtssaal über die Befragung von Karl-Heinz Grasser und ORF-Moderator Armin Wolf fühlte sich bemüßigt, gleich mal seine laut twitter über 400.000 Follower auf das „Bewegungsprofil“ und eine Story aus dem Jahr 2013 hinzuweisen.

Der Artikel, den Wolf hier verlinkt, erschien am 23. Juli 2013 unter dem Titel „Polizei bringt Grasser in Erklärungsnotstand“ im Kurier mit der Kernbotschaft: „Ein Bewegungsprofil soll den Verdacht erhärten, dass KHG 500.000 € nicht von seiner Schwiegermutter erhalten hat.“


Nach dem Prinzip „einer wiederholt den Bericht eines anderen“ beruft sich der Kurier auf das Format als Quelle und berichtet: „Laut dem Magazin Format hat die ‚Soko Constantia‘ der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) einen Anlassbericht vom 24. Jänner 2013 übermittelt. Darin schildern die Ermittler, dass sie ein Bewegungsprofil von KHG, Ehefrau und Schwiegermutter erstellt hätten. Conclusio der Beamten so Format-Aufdecker Ashwien Sankholkar: Die Geldübergaben von Giori-Lhota an Grasser seien so ‚gar nicht möglich‘, die Angaben KHGs ‚diesbezüglich falsch‘ gewesen. Wie kamen die Ermittler darauf? Sie haben Kreditkartenabrechnungen gecheckt, bei Reisebüros und Fluglinien recherchiert, Unterlagen der Schwiegermutter durchforstet…“


Was vom „exklusiv“ von Herrn Sankholkar aufgedeckten und vielen anderen als tolle Geschichte übernommenen Bewegungsprofil tatsächlich zu halten ist, hat jetzt eine Recherche der Anwälte von Karl-Heinz Grasser ans Tageslicht gebracht:


Das so genannte Bewegungsprofil hält einer exakten Überprüfung nicht stand, weist schwerste Mängel und eine Fülle von Fehlern auf!


Zusammengefasst: Das vorliegende Bewegungsprofil enthält eine Fülle von Fehlern, erfasst keinerlei Bewegungen der angeführten Personen mit dem Kraftfahrzeug und bei den angegebenen Flügen konnte außerdem nicht abschließend festgestellt werden, ob die überprüften Personen diese Flüge überhaupt tatsächlich angetreten haben. Bereits die stichprobenartige Überprüfung alleine in Bezug auf die Person von Karl-Heinz Grasser hat eine Menge Fehler aufgedeckt. Unterstellt werden muss, dass diese hohe Fehlerquote des Bewegungsprofiles auch in Bezug auf Fiona Pacifico Griffini Grasser und Marina Giori Lhota gegeben ist.

 

Hier finden Sie die gesamte Analyse.