WIEDER SO EINE GESCHICHTE….

 

Man ist ja als Beobachter des Buwog-Prozesses nach über 160 Verhandlungstagen einiges gewohnt an eigenartigen Vorgängen. Heute am 6. Oktober 2020 ist wieder so ein Tag.

 

Da sitzt am Beginn der Verhandlung der in Sachen Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften auf Medienseite intensivst involvierte Journalist Ashwien Sankholkar, der ja am 151. Verhandlungstag selbst als Zeuge befragt wurde, demonstrativ am Morgen im Großen Schwurgerichtssaal. Es steht die Zeugenaussage einer ehemaligen Mitarbeiterin von Willibald Berner (Stichwort „Tatplan“) auf dem Programm. 

 

Sankholkar wurde in seiner Zeit als Format-Journalist laufend mit brühwarmen Unterlagen der ermittelnden Behörden versorgt (von wem auch immer diese weitergegeben wurden…). 

 

Grasser Verteidiger Manfred Ainedter fragte Sankholkar, der jetzt bei einem anderen Medium tätig ist, bei seiner Zeugenvernehmung: „Sie haben etwa 150 Artikel geschrieben, in denen er sich redlich bemüht haben, eine Anklage herbeizuschreiben. 14mal haben Sie formuliert ‚aufgrund Format exklusiv vorliegender Unterlagen‘. Allgemein gefragt: Haben Sie diese Unterlagen aus geheimen Verfahrensakten von Staatsanwälten, von der Polizei, von Anwälten oder anonym erhalten?“ Die wenig überraschende Antwort Sankholkars: „Redaktionsgeheimnis!“

 

Warum er ausgerechnet heute im Gerichtssaal sitzt, wird sehr schnell klar, als die Zeugin, 10 Monate lang Stellvertreterin von Berner im Kabinett von Kurzzeit-Infrastrukturminister Michael Schmid, mit ihren Aussagen beginnt.

 

Sie habe sich am 23. September dieses Jahres über eine ihr unbekannte Nummer am Handydisplay gewundert. Bei einem zweiten Anrufversuch dieser Nummer habe sie abgehoben und ein Journalist habe sich gemeldet und ihr Fragen gestellt. Der Journalist habe sich als Ashwien Sankholkar vom Dossier vorgestellt.

 

Ob sie, die heutige Zeugin, den „Tatplan“ kenne, und wenn ja, seit wann, habe sie Sankholkar gefragt.

Sie habe das bejaht, allerdings nicht als „Tatplan“ bezeichnet, sondern eher als „Idee“ wahrgenommen, und wurde daraufhin gefragt, ob er, Sankholkar, das journalistisch verwerten dürfe. 

 

Das habe sie abgelehnt, worauf der Journalist die Frage stellte: „Was machen Sie denn, wenn Sie gerichtlich vorgeladen werden?“. Die heutige Zeugin meint, sie habe nichts darauf gesagt, das Gespräch wäre damit beendet gewesen.

 

Das Kuriose an der Geschichte: Zwei Tage später, am 25. September, wird der Zeugin tatsächlich die Vorladung zur Zeugeneinvernahme für den 6. Oktober zugestellt.

 

Zusammengefasst: Die Zeugin erhält am 25. September eine gerichtliche Vorladung, die offensichtlich am 23. September in die Post gegangen ist, und an ebendiesem Tag, zwei Tage bevor die Ladung postalisch zugestellt wird, meldet sich ein Journalist, der seit Beginn der Erhebungen immer wieder Insiderinformationen zugesteckt erhält, von wem auch immer, zu eben diesem Inhalt der Zeugenbefragung.

 

Ein Schelm, der sich da was denkt dabei…