DER „GOLFAUSFLUG“, DER KEIN AUSFLUG WAR, SONDERN DAS PROJEKT „GOLFANLAGE TELEKOM AUSTRIA CHAMPIONSHIP COURSE“

 

Ein Teil der Anklage betrifft die Abrechnung eines Fluges von Bilbao nach Wien im Rahmen eines geplanten Großprojektes mit Involvierung der Telekom. Abrechnung über Telekom deswegen, weil aufgrund eines Al-Kaida Terroranschlags in Madrid Telekom-Vorstand Fischer rasch wieder ins Unternehmen zurück wollte. Doch was stand hinter dem „Golfausflug, der auf Kosten der Telekom endete“ (wie u.a. Medien süffisant meldeten) wirklich:

 

Madrid, Donnerstag 11. März 2004: Eine Serie von zehn ausgelösten Bombenexplosionen in eng besetzten Personenwagen von Vorortzügen der Cercanías Madrid erschüttert die spanische Hauptstadt. 191 Menschen sterben,  mehr als 2.000 werden verletzt, viele davon schwer. Ins politische Fadenkreuz gerät sofort die baskische Befreiungsorganisation ETA, die allerdings die Verantwortung bestreitet. Es kommt zu massiven Protesten und Demonstrationen, insbesondere im Baskenland. 

 

Am Abend des 11. März gibt es erste Mutmaßungen, dass hinter dem Attentat Al-Kaida Anhänger stecken könnten – das Attentat weitet sich nun zu einer internationalen Dimension aus. Am 12. März nahmen in ganz Spanien über elf Millionen Menschen an den Demonstrationen gegen die Terroranschläge und zum Gedenken an die Opfer teil. Im Laufe des Tages glaubt sich der spanische Nachrichtendienst Centro Nacional de Inteligencia sicher zu sein, dass die Tat von islamistischen Terroristen verübt wurde. Folge, neben dem allgemeinen Chaos: Massive Ausweitung der Sicherheitsmaßnahmen auf allen strategisch wichtigen Sektoren, beispielsweise auch im Flugverkehr.

 

Tatsächlich bestätigt sich die weltweite Dimension dieses Attentats vom 11. März bereits in Folge:  Der spanische Innenminister teilt mit, dass einer der festgenommenen Marokkaner mit den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA in Verbindung gebracht werde. Am 14. März beruft der deutsche  Bundeskanzler Schröder das Sicherheitskabinett zu einer Sondersitzung ein, die Notwendigkeit zu dieser ergäbe sich aus der durch die Festnahmen veränderten Beurteilung der Lage.

 

Wien, Donnerstag 11. März 2004: Eine von Walter Meischberger initiierte Reisegruppe macht sich auf den Weg vom Flughafen Wien/Schwechat nach Nordspanien, um sich mit dem mehrfachen Ryder Cup Teilnehmer bzw. zweimaligen Sieger des US Masters, Jose Maria Olazabal, zu treffen. Olazabal soll als weltweit anerkannter Golfplatz-Architekt bei einem angedachten Großprojekt, der Umgestaltung der so genannten Freudenau Gründe in Wien zu einem Golfplatz und zu einer Multifunktionsarea eine zentrale Rolle spielen. 

 

Mit Meischberger an Bord sind der damalige Telekom Vorstand Rudolf Fischer, dem Meischberger die Möglichkeiten eines umfassenden Brandings der Telekom bei diesem Projekt mit enormer Öffentlichkeitswirkung – via Golfarchitekt Olazabal – präsentieren wollte; weiters: der damalige BIG Aufsichtsrat Ernst Plech (zur BIG Bundesimmobiliengesellschaft ressortierten wesentliche Teile der Liegenschaften), sowie der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dem Meischberger die positiven Folgen eines derartigen Projekts für das Bundesbudget schmackhaft machen wollte. 

 

Die Teilnehmer bezahlen die Reisekosten selbst, auch die Rückflüge mit der Linie sind bereits mitgebucht und bezahlt. Die Terroranschläge in Madrid sind (noch) kein Thema, insofern die Reise (via Frankreich) nach Nordspanien und nicht nach Madrid geht. Als Hintergrund wird allgemein ein Anschlag der ETA gesehen, also ein innenpolitisches Thema, drei Tage vor den spanischen Wahlen.

 

Freitag, 12. März 2004: Dementsprechend gestaltet sich das Programm der Reisegruppe - gut viereinhalb Stunden von Madrid entfernt – wie geplant. Am Morgen des 12. März steht auch eine Golfrunde mit dem Golfarchitekten Jose Maria Olazabal auf der Tagesordnung, wo auch seinerseits erste Eindrücke über das Projekt Freudenau präsentiert werden. Allerdings wird im Laufe des Tages klar, welche Dimension das Attentat in Madrid einnimmt, und insbesondere, dass es aufgrund der mittlerweile auftauchenden Wahrscheinlichkeit einer Al-Kaida Involvierung weltweit zu einer massiven Verschärfung der Sicherheitseinrichtungen kommen werde.

 

Insbesondere für einen Teilnehmer, Rudolf Fischer, war ein weiterer Verbleib in Spanien problematisch, da er als Chef eines sensiblen Kommunikationsdienstleisters in Krisenzeiten als Entscheidungsträger im Unternehmen verfügbar sein sollte. Fischer entschied sich für einen Abbruch der Reise und eine so rasch wie mögliche Rückkehr nach Wien. Das Problem dabei: Flughäfen, Bahnhöfe etc. waren zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Sicherheitsverschärfungen bzw. des allgemeinen Chaos  im Ausnahmezustand. An einer einfachen Umbuchung des bereits gebuchten Linienfluges, zwei Tage später, war ohnehin nicht zu denken bzw. war völlig ungewiss, wie sich die Flüge der nächsten Tage überhaupt gestalten würden.

 

Alternative war das Engagement eines privaten Flugunternehmens. Meischberger kontaktierte diesbezüglich den ihm bekannten Lukas Lichtner-Hoyer, zu diesem Zeitpunkt Eigentümer der Jetalliance. Wie sich herausstellte, war auch das aufgrund der widrigen Umstände kein leichtes Unterfangen, aber jedenfalls wurde der Rückflug für Telekom-Manager Fischer – auf Kosten der Telekom - durch Lichtner-Hoyer dann organisiert. Wobei Fischer dann den weiteren Reiseteilnehmern das Angebot machte, ebenfalls gleich den Rückflug nach Wien in Anspruch zu nehmen, da sich an den Kosten dadurch nichts veränderte. Wie sich schon am 12. März und in den Folgetagen herausstellte, war die Entscheidung Fischers, in dieser Krisensituation im Unternehmen präsent zu sein, richtig.

 

Die Abrechnung des Fluges erfolgte – aufgrund des Direktkontakts Meischbergers mit Lichtner-Hoyer zunächst über Meischbergers Agentur ZehnVierzig, und wurde dann weitergeleitet an die Valora AG, wo die ausstehenden Kosten für den Rückflug Fischers aus Telekom-Geldern beglichen wurden. Insofern ein „Fehler“, als der Rückflug problemlos, da gerechtfertigt, auch direkt über Telekom bezahlt hätte werden können, durch den Umweg über die Valora („Liquiditätsreserve“) aber einen gewissen Beigeschmack erhielt und zum Teil der Anklage mutierte; zwar nicht gerechtfertigt, aber Realität…

 

Meischbergers Projektidee

 

„Wie es heute, gut zehn Jahre nach der verfahrensgegenständlichen Zeit, im Sponsoring Geschäftsfeld der Populärsportart Fußball (Allianz Arena München, Allianz Arena Wien, Generali Arena Wien, Veltins Arena Gelsenkirchen) als absolut international üblich anzusehen ist, kam ich bereits damals im Zuge der Zusammenarbeit im Rahmen meiner strategischen Beratungsleistungen in den Jahren 2002 bis 2008 auf die Idee, den Brand der Telekom Austria AG im Golfsport auch auf außergewöhnliche, öffentlichkeitswirksame Golfanlagen zu übertragen.

 

Diese Sportanlagen sind aufgrund ihrer Ausführungen vielmehr auch gesellschaftliche und kulturelle Zentren, die aufgrund ihrer vielfältigen Nutzung ständig im Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit präsent sind. Ein solches Zentrum sollte auch in Wien entstehen. Eine Landmark, die der Marktstellung der Telekom Austria gerecht werden sollte. Deshalb konfrontierte ich die Telekom Austria AG in Person des zuständigen Vorstands Mag. Rudolf Fischer mit der Idee, bei der Mitentwicklung einer großen Golfanlage auf den Gründen der Freudenauer Galopprennbahn - unter Einbindung von deren historischen Gebäuden - von Anfang an dabei zu sein.

 

Dort sollte auf einem idealem Gelände (und idealer Verkehrsanbindung an die Flughafenautobahn mit hoher Frequenz) eine Golfanlage höchsten internationalen Standards entstehen, die auch für große internationale Wettbewerbe die entsprechenden Möglichkeiten bot. Rund um die Golfanlage sollten zeitnah Venues entstehen, welche die Basis für Restaurants, Ausbildungsplätze, Open Air Konzerte, andere Sportveranstaltungen, Ausstellungen, Vernissagen, etc., sein sollten. Dies würde zukünftig hohe Medienpräsenz des Logos und des Namens der Telekom Austria in einem das Image fördernden Umfeld ergeben.

 

Ich hatte dazu nicht nur die grundlegende Idee, vielmehr recherchierte ich, schrieb das Konzept, knüpfte nationale und internationale Kontakte und brachte auch die ersten rechtlichen Begutachtungen und die ersten konkreten Planungsarbeiten auf den Weg. Der Kern der Anlage sollte von dem inzwischen aus der Galopprennbahn Freudenau nach Ebreichsdorf abgewanderten Galopp-Rennsport in Richtung Golfsport gebracht werden.

 

Präsentation in San Sebastian

 

Um dieses Vorhaben auf hohem internationalem Niveau umsetzen zu können, bediente man sich im sportlichen Bereich des „Know-hows“ eines international hoch angesehenen Golfplatz-Architekten in Zusammenarbeit mit österreichischen Firmen. Dieser Architekt war niemand geringerer als der ehemalige Weltklassespieler, mehrfache Ryder Cup Teilnehmer und zweimalige Sieger des US Masters, Jose Maria Olazabal. Zu diesem Zweck führte Olazabal mit seinem Team eine Machbarkeitsstudie aus und legte erste Planungsunterlagen vor; ein erster Entwurf eines 18-Loch Championship-Golfplatzes lag seinerseits bereits vor.

 

Zum Zwecke der Information über die großen Potenziale derartiger Sportzentren in Europa, die weitere Entwicklung des Golfsports auf internationaler Ebene im Allgemeinen, und die Perspektive für die Zukunft einer solchen Golfanlage in Österreich sowie deren technischen und wirtschaftlichen Hintergründe, entschloss man sich zu einer Expertenreise nach San Sebastian in Spanien.

 

Dort war Jose Maria Olazabal nicht nur beheimatet, sondern dort konnte man einen von ihm persönlich entwickelten Golfplatz vor Ort begutachten. Ich überzeugte Mag. Fischer von der Professionalität und Notwendigkeit dieser Vorgangsweise und organisierte diese Reise, die - trotzdem es sich auch um die Bearbeitung eines konkreten Projektes im Sinne der Telekom Austria AG handelte und deshalb einen handfesten geschäftlichen Hintergrund hatte – von den Teilnehmern selbst bezahlt wurde. Auch die Rückflüge mit der Linie waren bereits von jedem Teilnehmer selbst bezahlt.

 

Um in den Wirrungen des fürchterlichen Terroranschlags der Al Kaida die Rückreise antreten zu können, konnten weder Flugwege noch Bahnreisen gesichert durchgeführt werden. Eine schnelle Abreise des Telekom-Vorstands aus genannten Gründen war dann mit einer gesicherten österreichischen Bedarfsfluggesellschaft möglich, und wurde dann auch durchgeführt.

 

Warum Engagement der Telekom im Golfsport?

 

Im Bereich des Reputation Managements ging es insbesondere darum, das Unternehmen und die Marke Telekom Austria AG ins „richtige“ Licht zu setzen damit Marke, Unternehmen und dessen Führungspersönlichkeiten von der Öffentlichkeit entsprechend positiv wahrgenommen wurden. Dies war für das Unternehmen insofern zusätzlich wichtig, als es damals erst relativ kurz börsennotiert gewesen ist.

 

Um eine entsprechende Wahrnehmung zusätzlich zu unterstützen hat man als Strategie Sport-Sponsoring und Testimonial Werbung entwickelt. Das Problem der Telekom AG war allerdings, dass damals alle in Österreich beliebten Populärsportarten, wie insbesondere Fußball oder der Schisport, für Primärsponsoren bereits langfristig vergeben waren (vor allem die damalige Submarke A1 und deren Konkurrenten im Mobilfunkbereich blockierten praktisch alle Populärsport-Kanäle).

 

Das Thema hatte sich insofern verschärft, als dass die Telekom AG als Mutterkonzern „nur“ den weniger populären und von der medialen Wahrnehmung weit hinter dem Männerschisport zurück liegenden Damenschisport gesponsert hat, während die Submarke A1 den populären Männersport vereinnahmt hat. Das war maketingtechnisch gesehen eine „verkehrte“ Welt.

 

Die Lösung an der ich als Berater aktiv mitgearbeitet habe, war darin zu suchen, für einen Marktführer auch eine Marktführerposition bezüglich seines Sponsoringpartners zu finden, anstatt wie bisher eine teure Beifahrerrolle zu besetzen, die mit teurem Geld das falsche Image pflegte.

 

Aufgrund der bereits erwähnten Problematik, dass damals sämtliche passenden österreichische Populärsportarten von Sponsoren langfristig besetzt waren, entschied man sich für ein breites Sponsoring im Golfsport, der in Österreich zu diesem Zeitpunkt gerade enorm im Aufschwung begriffen war und sich ständig steigender öffentlicher Wahrnehmung erfreute.

 

Im Golfsport konnte die Telekom AG mit relativ überschaubarem finanziellem Engagement den Spitzensportler, den Breitensport und den für die Telekom AG wichtigen Weg zu wirtschaftlichen Entscheidern, erschließen; einen ähnlichen Weg, wie in z.B. BMW in Deutschland beschritt – und  den man als Vorbild gewählt hatte.

Zu diesem Zwecke sponserte die Telekom Austria AG den österreichischen Golfverband, den sechstgrößten Sportverband Österreichs, das österreichische Profi- und Amateur-Nationalteam, einige große Golfturnierserien im Amateursportbereich, verschiedene Golfanlagen und die größten Gesellschaftsturniere für Wirtschaft, Sport und Kultur.

 

In diesem Bereichen wurde Mag. Rudolf Fischer und die Marketingabteilung der Telekom AG von mir zusätzlich beraten, begleitet und teilweise meine Konzepte direkt in Umsetzung gebracht.

 

Sponsoring durch Namensgebung für Golfanlagen

 

Nachdem die grundsätzliche Entscheidung über das breite Engagement der Telekom Austria AG im österreichischen Golfsport gefallen war, ging es im Zuge dieses Engagements als mittelfristige Aufgabe auch darum, begleitende Maßnahmen zu entwickeln und zu setzen, um die Führungsrolle des Marktführers in dieser Sportart langfristig abzusichern.

 

Daraus ergaben sich verschiedene Konzepte und Projekte an denen ich mitbeteiligt war bzw. diese für die Telekom Austria AG begleitend mitentwickelte. Eines dieser Projekte war eben die „GOLFANLAGE TELEKOM AUSTRIA CHAMPIONSHIP COURSE“.