DAS KONTO „400.815“ UND GRASSER: WAS SAGT GUTACHTER KEPPERT DAZU?

 

Nun begründet sich ja ein ganz wesentlicher Vorwurf der Anklage auf die Behauptung, eines der Konten des Walter Meischberger, das mittlerweile österreichweit bekannte „400.815“, sei in Wirklichkeit Karl-Heinz Grasser zuzuordnen, und dieser hätte sukzessive die darauf aus der BUWOG-Provision eingezahlten Gelder abgehoben – und teilweise auf anderen Konten wieder angelegt. Grundlage dafür ist ein von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebenes Gutachten an den Sachverständigen DDr. Gerhard Altenberger.

 

Ein anderer gerichtlich beeideter Sachverständiger, Professor Dr. Thomas Keppert, hat sich die Analysen Altenbergers (im Auftrag der beiden Rechtsanwälte Dr. Manfred Ainedter und Dr. Norbert Wess) angesehen, und hat dabei eine Reihe gravierender Mängel aufgedeckt. Explizit verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf die Betonung Kepperts, dass er „als allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger auch bei der Erstattung von Sachverständigengutachten im privaten Auftrag zur Einhaltung der mit dem Sachverständigeneid übernommenen Verpflichtungen verpflichtet ist“. Auf gut deutsch: das ist kein Gefälligkeitsgutachten.

 

Zu welchem Ergebnis kommt Professor Keppert nun – zusammenfassend – was die Bareinzahlungen vor Eingang des ersten Betrages aus der Provision BUWOG und den danach folgenden Barauszahlungen vom Konto „400.815“ betrifft? Siehe dazu auch Tabelle Seite 34 im Keppert Gutachten 

  • Von den Bareinzahlungen auf das Konto „400.815“ bei HIB (Anmerkung: Hypo Investment Bank AG) vor Einlangen der ersten Tranche der BUWOG-Provision sind drei von fünf Einzahlungen durch unmittelbar korrespondierende Barabhebungen von Konten der ZehnVierzig GmbH (Anmerkung: Werbeagentur des Walter Meischberger) sowie vom Privatkonto Meischberger belegt. Für die letzten beiden Einzahlungen fehlt die Befundgrundlage, da die Konten Meischbergers für diesen Zeitraum nicht vorliegen. 
  • Die einzige Bareinzahlung auf dem Konto „400.815“ bei HIB nach Einlangen der ersten Tranche der BUWOG-Provision ist selbstredend durch die am selben Tag von Meischberger getätigte Abhebung vom Konto Natalie bei HIB geklärt (Anmerkung: …und daher in der Tabelle auf Seite 34 auch grün unterlegt).
  • Von den 15 Barauszahlungen vom Konto „400.815“ bei HIB nach Einlangen der ersten Tranche der BUWOG-Provision sind sieben schon von der Anklageschrift (!) in keinem Zusammenhang mit Bareinzahlungen auf den Konten von Mag. Grasser gebracht worden. Von den restlichen acht Barauszahlungen ist eine mit einer Bareinzahlung von Fiona Grasser in Zusammenhang gebracht worden, was aus sachverständiger Sicht nicht nachvollziehbar ist (Anmerkung: in der Tabelle auf Seite 34 ebenfalls grün gefärbt). Von den danach noch verbleibenden sieben Barauszahlzungen sind weitere drei deshalb nicht mit Bareinzahlungen von Mag. Grasser auf seinen Inlandskonten in Verbindung zu bringen, weil andere Barauszahlungen diese Bareinzahlungen vernünftiger erklären (Anmerkung: in Tabelle auf Seite 34 ebenfalls grün eingefärbt).
  • Verbleiben somit vier von fünfzehn (!) Barauszahlungen vom Konto „400.815“, mit deren Geldmittel teilweise Bareinzahlungen auf Inlandskonten des Mag. Grasser theoretisch möglich gewesen wären (Anmerkung: in Tabelle auf Seite 34 rot eingefärbt). Bei Betrachtung dieser theoretisch möglichen Zusammenhänge ist aber zu beachten, dass in keinem einzigen Fall eine Betragsidentität und außerdem 4 bis 12 Tage zeitliche Differenz zwischen den Barauszahlungen in Liechtenstein und den Bareinzahlungen Mag. Grassers im Inland besteht. 

Ergänzt man nun diese vier theoretisch möglichen Zusammenhänge mit den absolut glaubhaften  Aussagen Grassers und Wickis bei der Hauptverhandlung, so fühlt man sich unweigerlich an die „10 kleinen Negerlein“ erinnert. 

 

Resümee: Auch diese ganz wesentliche Anschuldigung im Rahmen der Buwog-Anklage schmilzt wie Schnee in der Sonne. Wenn zentrale Anklagebehauptungen auf so tönernen Füßen stehen und mit diversen Mängeln behaftet sind, stellen sich Fragen:

  • Wie kann das einem renommierten Sachverständigen „passieren“?
  • Warum wird das trotz der offensichtlichen Mängel durchgezogen?
  • Und vor allem auch: Warum werden fundamentale Erkenntnisse, wie jene von Professor Keppert, in der medialen Berichterstattung völlig negiert?