„GROSSER MEISTER IM WEGLASSEN VON WAHRHEITEN“.  VONWEGEN…

 

Es war wohl eine der eher wenig überraschenden Auftritte des Peter Hochegger am 161. Hauptverhandlungstag, am 29. September 2020. Natürlich musste er schon aus „taktischen“ Gründen auf die wenige Tage vorher erhobenen Vorwürfe seines mittlerweile „Intimfeindes“ Karl-Heinz Grasser replizieren. Sonst wäre er ja seiner (und wessen auch immer) Linie untreu geworden, die seit Ende 2016 offensichtlich darauf abzielte, ein „Teilgeständnis“ abzulegen. So wie es in höchsten Justizkreisen zu diesem Zeitpunkt ein offenes Geheimnis gewesen sei, wie der Falter Chefredakteur ein Jahr später, zu Beginn des Prozesses, via Twitter verlauten ließ. 

 

Ein Wissen unter höchsten Justizkreisen, nur kurze Zeit, nachdem es zu einem Geheimtreffen zwischen dem damaligen Hochegger Anwalt und der Leiterin der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), Hofrätin Mag. Vrabl-Sanda, gekommen war. 

 

Absprachen zwischen seinem ehemaligen Anwalt und der WKStA habe es nicht gegeben, so Hochegger am Tag 161. Das habe erst kürzlich eine parlamentarische Anfrage an das Justizressort bestätigt. Nun, diese Bestätigung ist tatsächlich ausgeblieben. So wie eigentlich eine exakte Beantwortung so ziemlich aller Fragen ausgeblieben ist, bei insgesamt sogar zwei parlamentarischen Anfragen zu diesem Geheimtreffen. 

So ungefähr nach dem Motto: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass…“. Und warum die Leiterin der WKStA vom Meeting kein Protokoll machte, bis heute nicht bereit ist, dazu Stellung zu nehmen, nicht einmal höflichkeitshalber einen entsprechenden Anwaltsbrief beantwortete – ja das wird schon seinen Grund haben…

Er, Hochegger, werde einen Beitrag zur Wahrheitsfindung leisten, habe der Anwalt der Staatsanwaltschaft damals mitgeteilt. Klar, dafür braucht es selbstverständlich ein Treffen mit der Leiterin der WKStA, ein geheimes Treffen wohlgemerkt. Wirkt sehr „überzeugend“. 

 

Ebenso überzeugend, wie Hochegger zu Beginn des Prozesses auf entsprechende Fragen reagiert hatte, nachdem ein Whistleblower das Geheimtreffen auffliegen ließ - und Fakten an ein Anwaltsbüro anonym weiterleitete. Hochegger erste Reaktion war nämlich ein Dementi: Er wisse davon nichts. Erst als die Fakten des Treffens schwarz auf weiß bekannt geworden waren, folgte dem Dementi ein Eingeständnis – zumindest Schritt für Schritt. Man habe über „Möglichkeiten“ gesprochen. 

 

Nun, kurze Zeit später wusste man dann in höchsten Justizkreisen über diese „Möglichkeiten“, sprich ein Geständnis…

 

Und dann gab es am Tag 161 noch eine eidesstattliche Erklärung seines damaligen Anwalts, der darin ein Gespräch im Jahr 2014 bestätigte, wo er angeblich diese mutmaßliche Aufteilung der Buwog-Provision auf drei Konten erörterte. Ein Jahrzehnt, nachdem diese „Offenbarung“, wie es bei Gericht einmal genannt wurde, stattgefunden haben soll. 

 

Niemand weiß, was Hochegger seinem Anwalt 2014 tatsächlich gesagt hat. Jene Version, die er zu Prozessbeginn dem Gericht dargelegt hat, sogar untermalt durch eine eigenhändige Zeichnung des vermeintlichen Bankberater-Zettels. Oder eine der späteren Versionen, die Hochegger nachgereicht hatte, nachdem die ersten Versionen so gar nicht der Realität, sprich einer faktenorientierten Prüfung, stand hielten…

 

So viel zum Thema „großer Meister im Weglassen von Wahrheiten“…

 

Die wahre Geschichte  ist ja seit den Hauptverhandlungstagen 120 bis 122 der breiten Öffentlichkeit  bekannt. Jener Bankberater hat an drei Tagen hintereinander im Jahr 2019 als Zeuge unter Wahrheitspflicht vor Gericht x-fach ausgesagt, dass Hocheggers Aussagen als „Fake News“ zu werten seien. Es habe diese Informationen seinerseits nie gegeben. Nicht nur weil sie nicht der Wahrheit entsprechen hätten, sondern weil das auch theoretisch gar nicht möglich gewesen wäre, weil die von Hochegger zitierten Kontenangaben zu diesem Zeitpunkt einfach noch gar nicht existiert hätten. „Es hat weder diesen ominösen Zettel gegeben, noch habe ich die entsprechende Aussage getätigt!“, so der Bankberater Wirnsperger unmissverständlich und selbstverständlich als Zeuge unter Wahrheitspflicht.