„RUMORS“ UND „INFORMELLE INFORMATIONEN“ ZERSTÖREN DAS BILD DER ANKLAGE

 

Bisher war alles wie am Schnürchen gelaufen, was die Schilderungen der Abläufe während des versuchten Ankaufs der Bundeswohnbaugesellschaften durch die CA Immo im Jahr 2004 betrifft. Es passte nahezu kein Löschblatt zwischen den Wahrnehmungen der befragten Personen und der These der Anklage. Bisher wurden im Wesentlichen aber auch nur Personen als Zeugen vor Gericht befragt, die damals die Bank Austria repräsentierten (so wie auch heute, am 145. Verhandlungstag wieder). Zeugen, die als damalige Aufsichtsräte der CA Immo oder als jene, die in der Bank Austria damals für die Akquisition des Big Deals, also eines Finanzierungsgeschäfts in Höhe von zig Hundert Millionen, verantwortlich zeichneten.

 

Nun, am 144. Verhandlungstag, kamen jene unter Wahrheitspflicht zu Wort, die damals als CA Immo Chefs direkt in der Verantwortung waren. Und das Bild änderte sich schlagartig. 

 

Es sei zu spüren gewesen, dass die Bank Austria dieses (große) Finanzierungsvolumen unbedingt wollte. „Ja, die Bank Austria hatte großes Interesse, das war ein riesiges Kreditvolumen…“ Schon Tage vorher hatte ein anderer Zeuge davon gesprochen, dass die Bank Austria der Treiber des Deals gewesen sei.

 

Es habe intern diese (bisher so betont strikten) Abgrenzungen nicht unbedingt gegeben, Finanzierungsexperten der Bank Austria seien bei Vorstandssitzungen gewesen, einer hätte sogar einen Antrag an den Aufsichtsrat der CA Immo gleich selber geschrieben wird ein doch etwas anderes Bild gezeichnet. Ein früherer CA Immo Vorstand nannte diesen Bank Austria Finanzierungsexperten am 144. Verhandlungstag einen „externen CA Immo Mitarbeiter…“. Sein damaliger Vorstandskollege sieht das heute noch (entrüstet) anders: „Das kann doch nicht sein, dass ein Bank Austria Mitarbeiter unseren Aufsichtsratsantrag geschrieben hat…“

 

Einer der beiden früheren CA Immo Chefs schließt nicht einmal aus, dass auch die CA IB (die in jenen Tagen als Subunternehmen für Lehman Brothers im Verkaufsprozess der Bundeswohnbaugesellschaften tätig gewesen war) gleichzeitig ein Beratungsmandat bei der CA Immo für den Ankauf eben dieser Gesellschaften gehabt hätte…

 

NACH DER ERSTEN RUNDE BESTENS ÜBER KONKURRENZ INFORMIERT

 

Und vor allem: Die CA Immo Vorstände wie auch die Aufsichtsräte zeigten sich über den Mitbewerb im Rahmen des Bieterprozesses sehr gut informiert. Dies geht aus zwei Unterlagen hervor, die am 144. Verhandlungstag – erstmals – veröffentlicht wurden. 

 

Nicht, wie man es von derartig aussagekräftigen Papieren erwarten hätte dürfen, von der Staatsanwaltschaft. Nein, der frühere CA Immo Vorstand hat zwei Protokolle, eines von einer Vorstandssitzung vom 8. Mai 2004, und eines über eine Aufsichtsratssitzung vom 11. Mai 2004, mitgebracht und der Vorsitzenden Richterin übergeben.

 

Diese beiden vielsagenden Protokolle sind ab sofort im Akt. Und wieder wurde im Beweisverfahren vom Gericht ein Stück Ermittlungsarbeit nachgeholt, die eigentlich Aufgabe der Staatsanwaltschaft gewesen wäre…

In den Papieren steht jedenfalls, dass „laut informellen Informationen das Anbot der CA Immo AG deutlich über dem Anbot des österreichischen Konsortiums und dort auch zumindest knapp 3% über dem Anbot des Zweitbieters liegen dürfte und dass laut diesen informellen Information die CA Immo das beste Angebot abgegeben haben (dürfte). Weitere Anbote kamen von den Mitbewerbern Conwert/Blackstone und dem Österreich-Konsortium.“

 

Der frühere CA Immo Manager hat das mündlich auch bestätigt: „Ja wir hatten erfahren, dass wir deutlich vorne gelegen sind. Und wir wussten, dass sich Immofinanz und Raiffeisen Oberösterreich zu einem Konsortium zusammengeschlossen hatten. Von wem genau weiß ich nicht mehr, aber es hat damals eine Menge an Rumors gegeben!“

 

FROMWALD: „ES GAB SEITENS BANK AUSTRIA KEINE VORGABE EINES MAXIMALEN FINANZIERUNGSBETRAGES!“

 

Intern habe man strikte Vertraulichkeitsregeln installiert, extern hat man offensichtlich genug Schlupflöcher gefunden, um an Informationen über die anderen zu kommen…

 

Apropos Gerüchte, Fromwald wählte die englische Bezeichnung „Rumors“, Banker adäquat. Und bestätigt im Prinzip nur das, was zahleiche andere Zeugen auch schon betont haben: Es habe genug Gerüchte am Markt gegeben, insbesondere auch um die Zahl 960 Millionen. Die im Übrigen, laut dem damaligen CA Immo Vorstand gar nicht so spektakulär gewesen sei, aus seiner Sicht eher zufällig entstanden sei, und auch nicht  das Maximum, das man bieten hätte können, repräsentierte. 

 

Es waren offensichtlich Zahlen im Umlauf, Zahlen mehrerer Anbieter. Auch das erschließt sich eindeutig aus den Unterlagen der CA Immo, indem sogar prozentuelle Vergleiche mit abgegebenen Anboten der Konkurrenz enthalten sind. 

 

Aussagen, die aus erster Hand kommen. Nicht vom Hörensagen, wie so oft bisher. Aussagen unter Wahrheitspflicht, die so gar nicht ins von der Anklage gezeichnete Bild passen.