STUDIE: MEDIENECHO SPIELT IN GERICHTSVERFAHREN WICHTIGE ROLLE

 

Im Vorfeld des Buwog-Prozesses hat eine unglaubliche mediale Walze zu einer massiven Vorverurteilung von Angeklagten geführt. Der anerkannte deutsche Rechtsprofessor Dr. Ralf Höcker hat diesbezüglich eine umfassende Analyse veröffentlicht und dafür mehr als 20.000 Artikel ausgewertet (mehr).  

 

Nun hat eine brandaktuelle Studie nachgewiesen, dass Medien einen spürbaren Einfluss auf deutsche Gerichtsprozesse haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine auf Befragungen gestützte Analyse der Litigation-PR-Agentur CONSILIUM Rechtskommunikation in Kooperation mit der Universität Mainz.

 

„Unsere Resultate zeigen: Das Medienecho spielt in Gerichtsverfahren eine wichtige Rolle“, sagt CONSILIUM Geschäftsführer Martin Wohlrabe. „Sowohl die klassische Berichterstattung als auch Kommentare in den sozialen Medien haben einen spürbaren Effekt auf die Prozessbeteiligten.“  

 

48 Prozent der Richter und Staatsanwälte verfolgen ihre eigenen Prozesse gezielt in den Medien. 53 Prozent der Richter und sogar 62 Prozent der Staatsanwälte denken dabei an die möglichen Reaktionen der Öffentlichkeit. Um sich zu informieren, nutzt die Mehrheit der bundesweit 580 Befragten neben klassischen Artikeln auch Onlinekommentare.  

 

Auch auf die weiteren Prozessbeteiligten haben die Medien, laut Ergebnissen dieser deutschen Studie, offenbar Einfluss. So meint knapp die Hälfte der Staatsanwälte, dass Journalisten und Onlinekommentatoren zumindest gelegentlich Zeugen einschüchtern. Mehr als ein Drittel glaubt sogar, Medien hätten einen Einfluss auf das Verfahren, weil sie das Verhalten von Opfern oder Tätern vor Gericht veränderten.  

 

CONSILIUM hat zusammen mit der Universität Mainz untersucht, wie Medien Strafprozesse beeinflussen. Insgesamt 580 Richter und Staatsanwälte wurden befragt. An der Befragung mitgewirkt haben elf deutsche Bundesländer. Ermittelt wurden u.a. die Nutzung der Medienberichte über eigene Verfahren, die wahrgenommenen Fehler bei der Berichterstattung und die emotionalen Reaktionen auf mediale Kritik.

Lesen Sie hier eine Zusammenfassung der Studienergebnisse.