Buwog Beitrag im ORF REPORT vom 17. Juli 2018: Objektivität über Bord geworfen…

 

Was (sich) der ORF Report da am 17. Juli 2018 unter dem Titel „Spur des Geldes“ leistete, war wahrlich kein Glanzstück des heimischen Journalismus. Aber das wissen mit Sicherheit jene, die diesen Beitrag gestaltet haben, ohnehin selbst auch. Die Frage ist: Warum lässt man sich trotzdem zu einem derartigen einseitigen Bericht, noch dazu im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hinreißen?


Richtig an diesem Beitrag war wohl der letzte Satz, nämlich: „Das Urteil spricht ohnehin nicht die Öffentlichkeit, sondern der Richtersenat. Zwei Berufsrichter und zwei Laienrichter.“


Aber sonst?


Peter Hochegger wird mit einem ausführlichen Interview angekündigt. In Wirklichkeit wiederholt Hochegger in zwei, drei Sätzen und belegter Stimme das, was er schon im Dezember 2017 bzw. Jänner 2018, also vor einem halben Jahr, vor Gericht behauptet hat. Nämlich die angebliche Offenbarung durch den damaligen Bankberater, dass die Buwog Provisionen (neben Hochegger selbst) auf drei Konten fließen würden, die Meischberger, Plech und Grasser gehörten.


Die (einzige einigermaßen kritische) Zusatzfrage des Reporters: „Sie erzählen also das vom Hörensagen, haben Sie einen direkten Beweis? Einsilbige Antwort Hocheggers: „Ich kann nur wiederholen, was ich gesagt habe, mehr habe ich nicht!“


Faktum ist aber, und das wurde wohlweislich vom Reporter, der seit Beginn des Prozesses täglich im Gerichtssaal sitzt, verschwiegen: Aufgrund der Umstände rund um die behaupteten Konten ist es absolut ausgeschlossen, dass Hocheggers Aussage stimmt!


Hochegger lügt, und das weiß er ganz genau. Denn jene Kontennamen und Kontonummern, die ihm angeblich gezeigt wurden, kennt er erst aus dem Akt. Zum Zeitpunkt, als ihm der Bankberater den berühmten Zettel gezeigt haben soll (was dieser vehement bei einem Telefongespräch mit eben diesem ORF-Reporter bestritt), gab es nachweislich zwei der drei behaupteten Konten (und somit Kontennummern bzw. Kontenbezeichnungen) noch gar nicht. Sie wurden erst deutlich später eröffnet.


Der ORF-Reporter Johannes Schwitzer-Fürnsinn hat dieses Faktum im Gerichtssaal im Zuge der Befragungen live miterlebt. Aber im REPORT Beitrag vor Hundertausenden Zusehern war ihm das keine Silbe wert. Hätte ja offensichtlich die klar vorgegebene Grundbotschaft gestört.


Fast schon lustig (wenn‘s nicht so traurig wäre) war der Versuch, zu beweisen, dass das mittlerweile berühmte Konto „400.815“ in Wirklichkeit Karl-Heinz Grasser gehört. Das Konto, auf dem angeblich laut Hocheggers Lügen Grassers Anteil an der Buwog Provision geparkt wurde.


Der öffentlich-rechtliche ORF sieht hohe Anzeichen dafür, weil in relativ kurzen Zeitabständen Geld vom Konto „400.815“ bar abgehoben und wenige Tage später ähnlich hohe Summen auf ein Grasser-Konto eingezahlt wurden. Ähnliche Summen heißt für den ORF beispielsweise: Auszahlung 40.000 Euro; Einzahlung 24.000 Euro. Insgesamt ist von drei Auszahlungen in der Gesamthöhe von 120.000 Euro und Gesamteinzahlungen von 96.000 Euro die Rede.


96.000 Euro von insgesamt 2,5 Millionen Euro, die Grasser angeblich beim Buwog-Deal erhalten hat. Was sowohl Karl-Heinz Grasser wie auch Walter Meischberger energisch bestreiten und auch mit sehr starken Argumenten untermauerten, warum das nicht so war, warum das gar nicht gewesen sein konnte. Aus dem Gerichtssaal in Richtung Küniglberg sind diese Argumente allerdings leider nicht gedrungen. Wohl nicht ohne Grund…


Ebenso negiert wurden die Erklärungen und Hintergründe, warum sowohl Gelder von Meischberger als auch von Grasser auf Konten einer Gesellschaft namens Mandarin gelandet sind – ohne Wissen und Wahrnehmung des jeweils anderen. Man hätte es zumindest im journalistischen Sinne erwähnen können…


Siehe zu diesen Kontenfragen umfassende Klarstellungen von offensichtlich falschen Darstellungen der Anklage das Keppert Gutachten (Teil 1, Teil 2) insbesondere ab Seite 29.


Untermalt wird die Geschichte von den zwei wohl führenden „Grasser-Jägern“ unter Österreichs Journalisten, die das geradezu zu ihrem Geschäftsmodell gemacht haben: Florian Klenk und Ashwien Sankholkar. Wobei deren Geschichten gerade im Rahmen der Hauptverhandlung Stück für Stück „zerlegt“ werden. Klenks Inszenierung auf Hochschulboden gemeinsam mit dem damaligen Rektor Mayer, um die Telefonabhörprotokolle unter dem Gejohle des geneigten Publikums vortragen zu lassen, mag für das Zusammenzimmern der Anklage ihren Zweck erfüllt haben. Nach dem Vorspielen der Telefongespräche direkt im Gerichtssaal waren selbst die kritischsten Journalisten der Meinung, dass diese für die Betroffenen alles andere als belastend gewirkt hätten.


Und die „Exklusivstories“ von Sankholkar im damaligen FORMAT wurden gerade in den letzten Wochen aufgrund der Befragungen im Gerichtssaal aus das reduziert, was sie in Wirklichkeit waren:  Anwürfe, die sich Stück für Stück als (bewusste?) Falschmeldungen erweisen. Ihren Zweck haben sie erfüllt. Aber dass man gerade ausgewiesene Grasser und Meischberger Jäger „im Sinne eines ausgewogenen Journalismus“ zu Wort kommen lässt???


Wie schon eingangs erwähnt: Ein Satz war aber dann doch journalistisch ausgewogen, nämlich der letzte: „Das Urteil spricht ohnehin nicht die Öffentlichkeit, sondern der Richtersenat“. Und dieser Richtersenat hat einen gewaltigen Vorteil gegenüber den Sehern des ORF-REPORTS: Er kann sich ein objektives Bild im Rahmen der Hauptverhandlung machen!


Eine ganz zentrale offene Frage im Sinne der journalistischen Sorgfaltspflicht, gerade bei einem öffentlich-rechtlichen Sender, bleibt unbeantwortet:


Warum hat beispielsweise einer der Hauptangeklagten, Walter Meischberger, der aufgrund der Anklage mit einer Haftstrafe bis zu zehn Jahren bedroht ist, überhaupt keine Chance, zu den schweren Anschuldigungen, vor allem den bewussten Falschaussagen des Peter Hochegger, Stellung zu nehmen? Warum wurden die Verpflichtungen des Objektivitätsgrundsatzes bzw. die Anforderungen an die journalistische Sorgfalt in diesem Beitrag schlichtweg negiert? Journalisten unterliegen doch gerade bei solchen Beiträgen einer besonderen Verantwortung!