PETRITZ: „DER SO GENANNTE TATPLAN IST VÖLLIGER SCHWACHSINN!“

 

Er hat das Vergnügen, dass auch sein Name auf dem so genannten Tatplan verewigt ist, den ein gewisser Willibald Berner in die Welt gesetzt hat, und der eigentlich das zentrale Standbein der Buwog-Anklage darstellt. Karl-Heinz Petritz, früherer Pressesprecher von Jörg Haider trat am 10. April in den Zeugenstand.
Mit der Skizze, die Berner angeblich aufgrund einer Erzählung von Peter Hochegger nachgezeichnet hat (Hochegger selbst sagt, er weiß nichts davon, und das sei völlig aus der Luft gegriffen) konfrontiert sagt Petritz wie aus der Pistole geschossen: „Ich bin dankbar, dass Sie mir das zeigen, das ist völliger Schwachsinn!“


Er habe überhaupt nie mit Privatisierungen zu tun gehabt, daher könne er auch nicht profitiert haben. Mit ihm habe sicher nie jemand über diese komische Konstruktion gesprochen. Berner habe zu den meisten keinen besonderen Bezug gehabt, sicherlich nicht zu Haider.


Ergänzt wurde die Petritz-Aussage von Peter Hochegger, der dazu meinte: „Ich habe das erste Mal in meinem Leben den Namen Petritz im Jahr 2002 gehört, und da auch nur in direkt, als unsere Agentur einen Event in Kärnten plante. Wie hätte ich da Petritz 1999 oder 2000 auf diese Skizze als Nutznießer zeichnen können?“ 

„ZERWÜRFNIS“ IST HÖFLICHE UNTERTREIBUNG…


Der ehemalige Pressesprecher Haiders wurde auch gefragt, ob es tatsächlich ein „Auseinanderleben“ bzw. ein Zerwürfnis zwischen dem damaligen Kärntner Landeshauptmann und Finanzminister Grasser gegeben habe.
„Ja es hat einen Bruch gegeben und das Wort Zerwürfnis ist dafür eine durchaus höfliche Untertreibung“ bezeichnete Petritz vor Gericht die zwischenmenschliche Situation zwischen den beiden in den ersten 2000er Jahren: „Dass Grasser im Wahlkampf 2002 als einer der ÖVP-Spitzenkandidaten angetreten ist, das war für Dr. Haider eine der größten emotionalen persönlichen Enttäuschungen in seinem Leben“. Haider habe unter dem Parteiwechsel des damaligen Finanzministers durchaus gelitten, wobei es auch vorher schon diverse Probleme gegeben habe.


Die Wende kam dann am 3. Dezember 2003, als man beim „50er“ von Franz Klammer in St. Oswald aufeinandertraf, im Laufe der langen Feier sich „bei ein paar Bier“ aussprach und sich offenbar wieder einigermaßen verständigt habe. Diese Schilderung von Petritz ist deckungsgleich mit jener, die Karl-Heinz Grasser schon zu Beginn des Prozesses über seine Beziehung zu Haider von sich gegeben hatte, aber auch mit Wahrnehmungen von Peter Hochegger, der ebenfalls bei der Feier anwesend war.


Ob es beim Klammer Fest, beim dem Hunderte Gäste sich in mehrere Lokalitäten aufteilten, auch eine Aussprache zwischen Meischberger und Haider gegeben habe, habe er nicht wahrgenommen.


Tatsächlich weist Meischberger darauf hin, dass es nach seiner Auseinandersetzung mit der FPÖ im Jahr 1999 und dem folgenden Kontaktabbruch mit Haider ebenfalls bei diesem Geburtstagsfest wieder zu einer intensiven Aussprache gekommen sei. Man habe das Verhältnis wieder „auf neutral“ gestellt, Haider habe sich sogar entschuldigt. In diesem Gespräch, so Meischberger, interessierte sich Haider auch sehr für seine berufliche Neuausrichtung und habe die Gelegenheit genutzt, um Einsicht in seine politischen Vorhaben bezüglich der Privatisierung der Bundeswohnbaugesellschaften zu erhalten.


Meischberger: „Haider sagte mir in diesem Gespräch explizit, dass er die Immobilien der ESG als sehr wertvoll einstufte und es ihm sehr wichtig wäre, dass diese Immobilienmasse und alle anderen vier Gesellschaften in österreichischem Besitz bliebe, und er meinte dass man politisch drauf schauen würde“.


Dass diese Version korrekt ist, dafür spricht eine weitere Wahrnehmung vom damaligen Haider-Sekretär Petritz. Er berichtet, dass er einen Besuch Meischbergers wahrgenommen habe, den Termin nicht mehr einordnen kann, jedenfalls aufgrund der saloppen Kleidung das in einer wärmeren Jahreszeit gewesen sein müsse.


Tatsächlich passt dieser Baustein exakt in die bisherige Verantwortung Meischbergers vor Gericht, der von mehreren Kontakten mit Haider nach der „Versöhnung“ beim Klammerfest gesprochen hatte, und offensichtlich zumindest ein Telefonat mit einem Besuch im Haider-Büro verwechselt hatte.


Jedenfalls bestätigt Meischberger diesen Gesprächstermin, der ihm aufgrund der exakten Beschreibung von Petritz jetzt wieder geläufig sei: „Das war nach den Landtagswahlen 2004, im April oder Mai. Ich war in Kärnten unterwegs und Haider bat mich bei einem Telefonat gleich bei ihm vorbeizuschauen. Wir haben uns dabei auch über die die bevorstehende Privatisierung der Bundeswohnungen unterhalten und ich habe ihn gebeten, den Verkaufsprozess nicht zu stören bzw. querzuschießen.“