„KRONZEUGE“ KLÄRT AM TAG 120 AUF: „BEHAUPTUNG HOCHEGGERS STIMMT NICHT. ES GAB DIESEN ZETTEL VON DER KONTENAUFTEILUNG NICHT!“

Corona-bedingte Verhandlungspause und somit Zeit für einen Rückblick auf interessante Prozesstage. Am 120. Verhandlungstag steht am 12. November 2019 der damalige Bankberater Christoph Wirnsperger, als Zeuge vor Gericht.


Nahezu zwei Jahre nachdem Peter Hochegger am 20. Dezember 2017 zu Beginn des Buwog Prozesses unter großem Mediengetöse behauptet hatte, der damalige Bankberater Christoph Wirnsperger hätte ihm 2005 „verraten“, dass Gelder aus der Buwog-Provision nicht nur an Walter Meischberger, sondern auch an Ernst Plech und Karl-Heinz Grasser gegangen wären, wird Wirnsperger nun als Zeuge unter Wahrheitspflicht befragt.


Wirnsperger führt Hocheggers Aussagen ins Reich der Phantasie: „Das einzige was stimmt: Es gab dieses Treffen im Spätsommer 2005 bei Hochegger zuhause und es ging um den Transfer der Gelder von Zypern nach Liechtenstein. Ich kann absolut ausschließen, dass ich Hochegger diesen Zettel mit Konten gezeigt habe, wie er behauptet. Das gab es mit Sicherheit nicht und das wäre auch gegen jedes Bankgeheimnis gewesen, das war mein höchstes Gut.“


Damit hat der Prozess im November 2019 eine entscheidende Wende erreicht. Denn bis dato, also die ersten fast 23 Monate, war der Buwog-Prozess durch die Hochegger Behauptung zu Beginn, das so genannte „Teilgeständnis“ – vor allem auch medial – massiv geprägt gewesen. Hocheggers Aussage war in vielen Medien regelrecht abgefeiert worden.


„Abgesehen davon, dass dieser Zettel und diese Kontenaufteilung darauf nie existiert haben, hat es zwei dieser angeblich notierten Konten zum Zeitpunkt des Treffens ja noch gar nicht gegeben“, erläuterte der Zeuge unter Wahrheitspflicht weiter.


Tatsächlich wurden zwei der drei Konten, die Hochegger vor Gericht auf einen Zettel aufgemalt hatte, und dessen Ursprung er dem heutigen Zeugen zuschrieb, erst deutlich nach dem Treffen überhaupt erst eröffnet. Das Konto „Karin“ wurde erst am 27. Oktober 2005, also ca. eineinhalb Monate nach dem von Hochegger behaupteten Treffen, eröffnet. Das dritte Konto („Natalie“) überhaupt erst am 6. Dezember 2005, also rund drei (!) Monate nach dem Meeting.


So gesehen hätte also der Bankberater schon Monate vor den entsprechenden Konteneröffnungen Nummern und Namen gewusst und an Hochegger, den er wohlweislich erst das zweite Mal in seinem Leben getroffen hatte, präsentiert.


Dass das Geld in etwa zu gleichen Anteilen auf drei Konten aufzuteilen sei, wäre ausschließlich Vorgabe seines Kunden Meischberger gewesen. 


„Gab es andere Personen als Herrn Meischberger, die gesagt haben, wie das Geld, das von der Omega kam, zu verteilen ist?“, fragt die Richterin am 120. Verhandlungstag. „Nein! Die Anweisung kam ausschließlich von Herrn Meischberger. Jeder Aufteilung auf die Konten ging ein Gespräch mit Walter Meischberger voran“, antwortet der Zeuge.