ZEUGE PRÄZISIERT NOCHMALS: „HOCHEGGERS BEHAUPTUNG IST VÖLLIG AUS DER LUFT GEGRIFFEN!“

 

Corona-bedingte Verhandlungspause und somit Zeit für einen Rückblick auf interessante Prozesstage. Am 122. Verhandlungstag steht am 13. November 2019 der damalige Bankberater Christoph Wirnsperger, ein weiteres Mal als Zeuge vor Gericht.

 

Die Vorsitzende Richterin konfrontiert am zweiten Befragungstag den damaligen Banktreuer mit den exakten Aussagen Peter Hocheggers in den ersten Tagen der Hauptverhandlung im Dezember 2017. 

 

Blumig hatte Hochegger damals das Treffen mit Wirnsperger geschildert, dramaturgisch aufgebaut, mit dem Höhepunkt, dass der Banker im Laufe des Gesprächs völlig unvermittelt einen A-4 Zettel aus einer Mappe gezogen hätte, auf dem drei Konten aufgelistet waren, auf die jeweils ein Drittel der Buwog-Provisionen transferiert würde. Wirnspergers Kernaussage, laut Hochegger: Die Nutznießer wären zu je einem Drittel Walter Meischberger, Ernst Plech und Karl-Heinz Grasser. Wie vom Blitz wäre er, Hochegger, dadurch getroffen gewesen, und habe Wirnsperger vorgegeben, er solle den Zettel sofort verschwinden lassen und dieses Gespräch hätte nie stattgefunden. 

 

Dass dieses Gespräch tatsächlich (in dieser Form) nie stattgefunden habe, hat der Zeuge heute nochmals in aller Deutlichkeit betont, als er mit den wortwörtlichen Aussagen Hocheggers seitens der Richterin konfrontiert wurde: „Ich habe mich 2005 genau zweimal mit Hochegger getroffen, einmal gemeinsam mit Meischberger, einmal zu zweit im September bei ihm zuhause, weil er ein gesundheitliches Problem hatte. Beim Gespräch ging es ausschließlich darum, wie die geplanten Geldtransfers vom zypriotischen Trust Hocheggers zur Firma Omega in Liechtenstein vorzubereiten waren. Dass ich ihm diesen Zettel mit diesen Kontenzuordnungen präsentiert haben soll, ist falsch und entspricht nicht der Wahrheit!“ 

 

Der Banker betonte auch heute nochmals, dass die Absurdität dieser Behauptung schon allein daraus zu schließen sei, dass sich Hocheggers Aussagen hinten und vorne nicht mit dem zeitlichen Abläufen ausgehen: „Wenn zwei der drei genannten Konten erst nach dem September 2005 eröffnet worden sind, wäre alleine schon deshalb zu diesem Zeitpunkt eine derartige Information unmöglich gewesen!“ 

 

„Wie ist denn generell ihr Verhältnis zu Herrn Hochegger gewesen?“, fragt die Richterin. Der Zeuge: „Durchaus distanziert. Ich habe Hochegger damals erst kurz gekannt. Es entwickelte sich aber auch später, als es einige Geschäftskontakte gab, nie ein Vertrauensverhältnis zwischen Herrn Hochegger und mir!“. 

 

„War das jemals ein Gesprächsthema, dass das Geld Herrn Grasser gehört?“, hakt die Richterin nach. „Nein, das war nie ein Thema. Meischberger hat mit Sicherheit nie gesagt, dass das Geld eigentlich Grasser gehört“, so der Zeuge. 

 

Zusatzfrage der Richterin: „Hatten Sie beim Konto „400.815“ (Anmerkung: Dieses Konto wird seitens der Anklage Karl-Heinz Grasser zugerechnet) jemals Zweifel, dass Herr Meischberger Wirtschaftlich Berechtigter war?“. Christoph Wirnsperger: „Nein! Es hat ausschließlich Meischberger Aufträge erteilt und auch die Auszahlungen gingen ausschließlich an Meischberger. Und es gab auch keinerlei Hinweise, dass andere Personen berechtigt sind, oder Geld wo anders hingegangen sind“.