„KRONZEUGE“ BESTÄTIGT UNMISSVERSTÄNDLICH: „ICH HATTE NIEMALS EINEN HINWEIS AUF EINE BETEILIGUNG GRASSERS!“

 

Corona-bedingte Verhandlungspause und somit Zeit für einen Rückblick auf interessante Prozesstage. Am 123. Verhandlungstag steht am 14. November 2019 der damalige Bankberater Christoph Wirnsperger, am dritten Tag hintereinander als Zeuge vor Gericht.

 

An diesem Befragungstag wurde ausgerechnet von der Staatsanwaltschaft selbst der letzte Baustein dafür geliefert, dass Hocheggers „Offenbarungsgeschichte“ in sich zusammengebrochen ist.

 

Bis zu diesem Tag war aufgrund der konkreten Aussagen des unter Wahrheitspflicht stehenden Zeugen Christoph Wirnsperger inhaltlich klargestellt worden, dass es diesen ominösen Zettel, von dem Hochegger erzählte, nicht gegeben hat, und auch keine Aussagen in Richtung Kontenzuordnungen getätigt worden waren.

 

Offen war, wann dieses Gespräch Wirnspergers mit Hochegger stattgefunden hatte, was das exakte Datum betrifft. Am Tag 123 präsentierte die Staatsanwaltschaft einen bis dahin nicht bekannten Kalendereintrag, aus dem eindeutig hervorgeht, dass das Treffen am 2. September 2005 über die Bühne gegangen war. Auch Hochegger selbst hatte ja von „Anfang September“ gesprochen.  

 

Inhaltlich bezog sich dieses Gespräch ausschließlich auf die technische Abwicklung der Geldtransaktionen von der zyprischen Firma Astropolis, ein Trust im Einflussbereich Hocheggers, auf dem die Buwog-Provisionen gelandet sind, zur Omega, und damit auf Konten in Liechtenstein, sagt der unter Wahrheitspflicht stehende Zeuge Wirnsperger. 

 

Keinesfalls habe es diesen Zettel bzw. diese von Hochegger behauptete Äußerung gegeben. Das Bankgeheimnis sei in dieser Zeit das große Asset der Banken in Liechtenstein gewesen und es wäre ihm generell nie in den Sinn gekommen, über Konten anderer zu sprechen. 

 

„Aber abgesehen vom Bankgeheimnis“, so Wirnsperger heute, „wäre es ja schon aufgrund der zeitlichen Abfolge völlig unmöglich gewesen, am 2. September 2005, die Namen der drei Konten, wie Hochegger behauptet, zu nennen. Denn zu diesem Zeitpunkt war definitiv erst eines dieser drei Konten existent!“ (Eine spätere Begegnung im Jahr 2005 schließt Wirnsperger kategorisch aus: „Es gab mit Sicherheit genau zwei Meetings mit Hochegger im Jahr 2005, eines gemeinsam mit Meischberger, wo dieser mir Hochegger vorstellte, und eben das zweite Anfang September.“)

 

Konkret wurde das Konto „Karin“, das Hochegger ebenso wie die Konten „Natalie“ und „400.815“ auf dem Zettel gesehen haben will, erst am 27. Oktober 2005, also fast zwei Monate nach dem Treffen (!), eröffnet. Und das Konto „Natalie“ überhaupt erst am 6. Dezember 2005,also mehr als drei Monate nach dem Treffen (!).  

Einzig das Konto „400.815“ (Anmerkung: Dieses Konto ordnet die Staatsanwaltschaft in der Anklage Karl-Heinz Grasser zu) hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits gegeben. Aber auch dazu ergänzt der Zeuge auf Nachfrage: „Das Konto ‚400.815‘ war ein Namenskonto mit offizieller Adresse des Inhabers, also von Beginn weg transparent auf einen bestimmten Namen eröffnet!“. Wie der Name lautete? „Walter Meischberger!“, so der Zeuge, „und es wurde auch immer so bezeichnet.“  

 

Und hätte es die (theoretische) Möglichkeit gegeben, dass die beiden später eröffneten Konten aus irgendwelchen Gründen schon Monate vorher bekannt hätten sein (und damit auf dem von Hochegger behaupteten Zettel stehen) können?  

 

„Nein“, sagt der Banker, „das war aufgrund der Vergabevorschriften in der Bank nicht möglich, denn die Kontonummern konnten nur fortlaufend vergeben werden! Es gab somit auch theoretisch keine Möglichkeit, die Kontonummern vorweg zu wissen.“ 

 

Zurück zum Konto „Walter“ oder „400.815“, wie es die Staatsanwaltschaft gerne nennt: „Haben Sie irgendwelche Wahrnehmungen, dass Mag. Grasser von diesem Konto stammendes Geld übergeben wurde bzw. ob das Konto in Wahrheit Grasser selbst gehört hat?“, wird der Zeuge gefragt. 

 

„Nein, dafür gab es keinerlei Anhaltspunkte, dass Meischberger Grasser von diesem Konto Geld weitergeleitet hätte. Das habe ich erst aus den Medien erfahren. Für mich war immer klar, dass Meischberger Kontoinhaber ist. Er hat auch meistens vorher nach den Kontoständen gefragt und dann je nachdem disponiert, oder er hat es sowieso mir überlassen, von welchem Konto Geld abgehoben werden soll“, sagt der Zeuge.