WEITERHIN JEDE MENGE ANONYME HASS-POSTINGS…

 

Dass da Feuer am Dach ist, war nicht zu übersehen – oder besser gesagt: zu überlesen. Nach der Ankündigung durch die Bundesregierung, jetzt wirklich gegen das in Österreich nahezu gesetzlose Hass-Posten im Internet vorzugehen, und eine verpflichtende User-Registrierung einzuführen (auch wenn es erst irgendwann 2020 in Kraft treten wird und anonymes Posten selbst weiterhin erlaubt), hat etwa der STANDARD alle Register gezogen.


Vom so genannten Einserkastl des Herrn Rauscher bis auf die (letzte) Kommentar-Seite wurde überall dagegen gewettert, was das Zeug hält. Man schreibt vom „Versuch, unabhängige und kritische Medien zu schwächen – auch den STANDARD…“. Höhepunkt der Beitrag des Chefredakteurs, der auf die offensichtliche Problematik aus seiner Sicht hinweist, das neue Gesetz sei „für Betreiber von Online-Foren potenziell existenzbedrohend“ und meint, gegen Hass-Postings sei „konsequente Moderation ausreichend“. Und weiter: Beim STANDARD Forum möge „der Ton dort (Anmerkung: Gemeint im STANDARD Forum) teils ruppig sein, aber Hasspostings sind kein Problem, da sich 16 Moderatoren um die Debatten kümmern“.


Wie in der Praxis die Vermeidung von Hasspostings durch die 16 Moderatoren auf standard.at „funktioniert“, kann man relativ oft bei Beiträgen zum Thema Buwog-Prozess, insbesondere auch beim Live-Ticker des jeweiligen Verhandlungstages, sehen.


Manche mögen das ja auch als unvoreingenommen und völlig korrekt sehen, wie offensichtlich der STANDARD bzw. dessen Moderatoren, wenn über Karl-Heinz Grasser beispielsweise zuletzt gepostet wurde:

  • Er müsste eigentlich längst schon im Häfen sitzen...“
  • „Der gute Job dieses selbstverliebten armseligen Typen bestand in erster Linie darin, sein Säckel zu befüllen, kein Unrechtsbewusstsein, nur anpatzen, lügen, herausreden...ekelhafte Gestalt“
  • „Wär doch Schade, wenn so ein Jahrhunderttalent sein Talent beim Sacklpicken verschleudern muss“
  • „Falls der Föhnfrisurtyp nicht auch seinen eigenen Anwalt betrügt und belügt.....vielleicht kriegt er ja nur dann seine Gage, wenn er den Finanzverbrecher freikriegt?“;

Der STANDARD Chefredakteur spricht in besagtem Artikel auch gerne vom „unabhängigen Qualitätsjournalismus“. Es sei jedem Leser im Zusammenhang mit den obigen Postings, die nur eine winzig kleine Auswahl darstellen, überlassen, ob die Zulassung dieser Postings tatsächlich Teil eines qualitätsvollen Journalismus bzw. eines Qualitätsmediums sein kann.


Aber wie man kürzlich in einem Beitrag in Faksimile in der Tageszeitung Österreich sehen konnte, lässt der STANDARD in seinem Forum durchaus auch bei anderen Betroffenen hoch primitive Postings zu. Eine Ministerin der derzeitigen Bundesregierung etwa wird als „fette unfähige Sau“ bezeichnet, mit der Drohung „ich ziehe dir lebendig die fette Haut vom Körper bevor ich dich mit der Axt in 1000 Teile hacke…“


Fairness, Respekt, Unschuldsvermutung. Das alles wird auf diesem Forum außer Kraft gesetzt. Unter diesen Umständen wird es wohl doch besser sein, wenn zukünftig die Poster zwar weiterhin anonym agieren können, man im Hintergrund aber jedenfalls die persönlichen Daten zur Verfügung hat, um gegebenenfalls auf Ehrenbeleidigungen bis hin zu Morddrohungen im Sinne des Gesetzes reagieren zu können.


Jedes Geschäftsmodell, auch wenn man daran laut Branchen-Insidern prächtig verdient, muss Grenzen haben…