UND WAS SAGEN DIE STANDARD.AT POSTER?

 

Es ist üblicherweise eine so genannte „Einserbank“ gegen die Angeklagten im Buwog-Prozess. Die Community auf standard.at setzte zig Tausende Postings seit Start des Prozesses im Dezember 2017 ab. Zum allergrößten Teil gilt die Sympathie dabei den Vertretern der Anklage, also der Staatsanwaltschaft. Und in einem hohen Ausmaß zeichnen sich diese Poster auch durch Unfairness, Beleidigungen und Beschimpfungen aus der untersten Schublade aus. Allerdings mit leichter Tendenz zur Besserung, seit zumindest bei den Live Tickern regelmäßig zur Einhaltung gewisser Fairness-Regeln aufgerufen wird. 

 

Der Tag 93 mit der Befragung des „Kronzeugen“ Michael Ramprecht dürfte nicht ganz so nach dem Geschmack der Grasser & Co. Jäger verlaufen sein (die Wiedergabe erfolgt in der Originmalschreibweise).

 

So schreibt ein Poster namens „Cyborg Merchant“ zur Aussage Ramprechts, wonach er vorsorglich eine Datei mit angeblich brisanten (nicht verfahrensrelevanten) Tonbandaufnahmen aus Gesprächen mit Kommerzialrat Plech bei einem Notar hinterlegt habe: „Es gibt in Gerichtsverfahren etwas namens unzulässige Stimmungsmache aufgrund derer man Aussagen und Unterlagen zurückweisen kann. Wenn der Zeuge dies hier betreibt ist der Prozeß gegen den Strafantrag der StA gelaufen und die Angeklagten können sich entspannt zurücklehnen.“. Und weiters: „Weil er (Ramprecht) damit ein Bild von einer möglicherweise gar nicht gegebenen Gefährlichkeit der Angeklagten zeichnet das u.U. Einfluß bei der Urteilsfindung hat.  Das zerstört das Recht des Angeklagten auf ein faires Verfahren. Um ein negatives Bild seines ganz persönlichen Feindes zu zeichnen. Das ist unzulässige Stimmungsmache und ohne Beweise für seine Aussage sogar strafbar weil es das Recht des Angeklagten auf ein faires Verfahren beschädigt. Das nennt sich Rechtsstaat und sollte eigentlich keiner weitere Frage bedürfen.“

 

Ein Poster namens „görki“ meint: „Der Jammer ist, das Ramprecht mehr oder weniger zugegeben hat, dass er nicht aus Entrüstung über Grassers Korruption aussagt, sondern aus gekränkter Eitelkeit.“

 

Ein „MrFlow“ postet: „Ist es ja auch. Die beiden Staatsanwälte haben 10 Jahre ermittelt, nichts in der Hand, erheben trotzdem Anklage und grinsen auf jedem Foto überheblich. Und dazu dieser Monsterprozess, bei dem am Ende ein zu erwartender Freispruch steht. Dazu ist mir mein Steuergeld irgendwie zu schade.“

 

Ziemlich unangenehm war der Vorsitzenden Richterin offensichtlich auch die Vehemenz, mit der Ramprecht mehrfach betonte, er komme aus dem gleichen Ort wie die Richterin und sie sei ihm sofort sehr sympathisch gewesen. Ein Poster mit dem sperrigen Pseudonym „runas /user:public/ivan“ macht sich Sorgen: „Kann das sein, dass der Zeuge patschert ist?“ und wird von „Monkeyman“ bestätigt: „A bissi viel. Das war nicht gescheid“. Auch eine „Erna Koch“ meint: „Autsch! In mehrfacher Hinsicht gar nicht gut…“. „Borderlinewächter“ ergänzt u.a.: „Der Mann ist von der Rolle, das hat schon leicht manische Züge mit der unseriösen Anbiederung. Bad taste, die Richterin erlebt wohl grad die Hölle…“. Und „sonofabitch“ denkt angesichts des Kronzeugenauftritts offensichtlich in größeren Zusammenhängen: „Wie konnte der Weisenrat die Anklage genehmigen??“  

 

Als Ramprecht dann einen Universitätsprofessor und einen Anwalt, die beide in der Auswahlkommission für die den Bundeswohnungenverkauf begleitende Investmentbank gesessen sind, als Lügner bezeichnet, meinte „Cyborg Merchant“: „Da redet sich einer um Kopf und Kragen“ (gemeint Ramprecht…)., und „görki“ ergänzt: „Der eigentlich spannende Belastungszeuge zerbröselt und schießt sich selbst ins Knie. Trauerspiel.“ „Ned guat“ meint auch „Louis Cypher“.

 

Als Ramprecht bei der Befragung durch Anwalt Wess wieder eine (frühere) Lüge seinerseits einräumt, meint die Posterin „Erna Koch“ resigierend: „Das ist alles irgendwie surreal.  Wo bin ich da?  Ist das Alfred Jarry oder doch ein Seminar für Kinder-/Jugendlichenpsychiatrie?“; „der prozess nimmt so langsam groteske gestalt an...“, ergänzt ein Poster namens „kalteEnte“.

 

Resümee einiger Poster nach dem neuerlichen Ramprecht-Auftritt, der nicht der Letzte gewesen sein wird:

„Meine Meinung: Vollkommen unglaubwürdiger Zeuge. Da fühlt man sich eigentlich etwas verschaukelt.“ (Postername „Thyrion Lannister“)

 

„ich habe das verfahren jetzt nicht so im kopf, aber wenn das der kronzeuge der anklage war, dann gute nacht.“ (Postername „wirklich unglaublich“)

 

Zum Schluss gibt’s auch den Hinweis von der Posterin (nomen est omen) „QuatschPsychologin“, die die sich Sorgen macht: „Nachtrag: "Meischberger" hat eine Webseite zum Prozess https://www.derbuwogprozess.at/. Hier im Forum sind jetzt eindeutig professionelle pro-Grasser Poster aktiv.“

 

„Nein, nur Leute, die das Ganze halbwegs rational beurteilen und sehen, dass die Suppe der Staatsanwaltschaft viel zu dünn ist...  Die Indizien waren ja mehr als schwach. Wenn das alles ist, was nach 10 Jahren Ermittlungen auf dem Tisch liegt, dann ist entweder KHG viel intelligenter, als wir alle denken. Oder die Justiz extrem schwach aufgestellt.“, gibt dazu ein „MrFlow“ die trockene Antwort.