„Hört man sich das gesamte Abhörprotokoll an, klingen die berühmten Passagen bei Weitem nicht so verdächtig…“

 

Gestern war er in der ZiB 2 des ORF wieder in großer Aufmachung zu sehen: Der größte Hörsaal, den die Wiener Universität zu bieten hat, zum Bersten voll. Die Zuhörer grölend, brüllend, schenkelklopfend, als die Kabarettisten die Telefonüberwachungsprotokolle vorlasen, insbesondere die Passagen als Walter Meischberger mit Karl-Heinz Grasser sowie Ernst Plech Gespräche führte.

 

„Wos wor mei Leistung“ (einen Sager, den es so nie gab) und „da bin ich jetzt supernackt“ wurden taxfrei in die Wohnzimmer des Landes geliefert. Resultat: Es gab vermutlich seither kaum einen Österreicher, der noch an die Unschuld Meischbergers oder Grassers glaubte. Die mediale Vorverurteilung hatte ganze Arbeit geleistet. Es waren im Endeffekt schwere und schwerste (auch materielle) Schäden, welche die Initiatoren dieses „Happenings“ angerichtet hatten, allen voran durch den Gastgeber und damaligen Dekan Heinz Mayer.

Der Inhalt dieser Telefonate war wohl das Trumpf-As der Staatsanwaltschaft für die Anklage. Nun vor Gericht relativieren sich diese Aussagen, weil man endlich Gelegenheit hat, das Umfeld zu diesen „Sagern“ zu erörtern. Das sehen jetzt sogar Medien so, die bisher extrem kritisch auch über diese Passagen berichtet hatten – diese aber nur vom „Hörensagen“ oder als Abschriften kannten.

 

So schreibt der KURIER am 13. Juni 2018 sogar am Cover:

 

„3.600 Telefonate zwischen den Angeklagten Walter Meischberger, Karl-Heinz Grasser und Ernst Karl Plech wurden 2010 von der Justiz abgehört. Gestern, Dienstag, spielte Richterin Marion Hohenecker im Großen Schwurgerichtssaal die berühmten Passagen „Wo woar mei Leistung“ und „Da bin i supernackt“ vor. So verdächtig diese beiden Sätze bisher geklungen haben, betrachtet man sie isoliert, entschärfen sich die Sätze. Denn Meischberger stand vor einer Einvernahme und war nicht mehr im Besitz seiner Unterlagen, weil die Justiz eine Hausdurchsuchung bei ihm durchgeführt hatte…“

 

Und eine weitere Passage aus dem Kurier-Bericht:

 

„Auch bei Ernst Karl Plech erkundigte sich Meischberger über die Porr-Projekte. Zuerst allerdings ist Meischberger geschockt, dass im Safe von Plech Meischbergers Vertrag mit der FPÖ gefunden wurden, damit er aus der Politik aussteigt. Da fiel mir das Brot aus dem Mund“, notierte „Meischi“ in seinem Tagebuch. 2,5 Millionen Schilling zahlte ihm Haider damals. Dann fragt er Plech: „Noch schnell zu einer anderen Geschichte. Wie war die Nordbergstraße. Host du des noch im Kopf?“ Sie erörtern ihre Leistungen. Und Meischberger fragt zwischendurch „Wo woar mei Leistung?“. Im Kontext gesehen, ging es nicht darum, dass Meischberger glaubte, gar keine Leistung erbracht zu haben. Er wollte von Plech wissen, wo er die Leistung von Meischberger bei diesem Projekt ansiedeln würde. Übrigens die Ermittlungen zur Nordbergstraße wurden eingestellt.“