WALTER MEISCHBERGER: WARUM DIE TELEKOM EINEN BERATER WIE MICH BRAUCHTE…

 

Meischberger erläuterte vor Gericht, warum er aufgrund der besonderen Konstellation nur ganz wenige Berater am Markt dem Anforderungsprofil der damaligen Telekom gerecht wurden, so wie er. Dafür erntete er seitens des Standards den Vorwurf ein „Narziss“ zu sein. Und auch die Vertreter der APA konnten wie so oft der Versuchung nicht widerstehen, anstatt zu berichten zu kommentieren: „Dieses Netzwerk endete zumindest bei der Anklagebehörde…“.

 

Doch was hat Meischberger zu diesem Thema wirklich gesagt: 

 

„Die Telekom Austria AG erging aus dem jahrzehntelangen Monopolbetrieb der österreichischen Post hervor. Noch aus dieser Zeit stammten im verfahrensrelevanten Zeitraum um die Jahre 2003 - 2008 die Unternehmensstrukturen der Telekom Austria. Die strukturelle Ausrichtung des Unternehmens glich damals teilweise immer noch eher einer Behörde als einer modernen Aktiengesellschaft und die politische Ausrichtung der Führungsstruktur, vor allem des mittleren Managements war sehr in Richtung der österreichischen Sozialdemokratie geprägt.

 

Für diese beiden Leitlinien und Ausrichtungen der Unternehmenskultur kam der Wechsel zu einer neuen Regierungskonstellation zwischen ÖVP und FPÖ unerwartet. Die Unternehmenskultur und Kontaktwelt des Unternehmens war in dieser Phase im November 2000 plötzlich weniger kompatibel zu Verwaltung und Regierung der Republik als in den Jahrzehnten vorher.

 

Das Unternehmen Telekom Austria hatte aber genau zu dieser Zeit einen Börsegang mit der Ausgabe der „Volksaktie Telekom“ hinter sich und war deshalb in vielfältiger Weise im Umbruch begriffen.

Ein störungsfreies, produktives Verhältnis zur Republik Österreich war gerade zu dieser Zeit für die Zukunft des Unternehmens eminent wichtig. Handelte es sich doch bei der von Parteien und Politikern gelenkten Republik um nichts weniger als den Eigentümer, den größten Kunden und den Regulator des Marktes der die Telekom Austria betroffen hat.

 

Eine weitere Verkomplizierung des Verhältnisses zwischen der Telekom Austria AG und der Republik war damals auch durch die althergebrachte rot-schwarze Geschäftsführung und Aufsicht der ÖIAG gegeben, die die Eigentümer-Interessen der schwarz-blau geführten Republik Österreich an der Telekom Austria AG vertreten hat.

 

Um für die Telekom Austria AG in dieser labilen Phase die Rahmenbedingungen für einen optimalen Unternehmenserfolg bestmöglich zu gestalten, wurde vom Management des Unternehmens richtigerweise viel Augenmerk auf die Unternehmenskommunikation in Richtung der die Handlungen der Republik führenden Politik und Parteienlandschaft gelegt. Insbesondere musste das aus der Monopolzeit in personeller Besetzung mehrheitlich sozialdemokratisch ausgeprägte, von gewerkschaftlichen und Betriebsratsinteressen aller Fraktionen durchsetzte Unternehmen neue Kommunikationsstrukturen in Richtung der ungewohnten schwarz-blauen Regierungskonstellation aufgebaut werden.

 

Für diese Aufgabe wurde ein Berater mit der der Aufgabe entsprechenden Kompetenz und dem richtigen Netzwerk gebraucht. Für diese Aufgabe war ich einer der wenigen strategischen Kommunikatoren am gesamten Markt und mein Netzwerk geradezu ideal.

 

Mit meiner Kompetenz habe ich von Beginn meiner Tätigkeit an Humankapital und mit meiner Kontaktwelt Sozialkapital dem Unternehmen zur Verfügung gestellt, das so im Unternehmen selbst nicht vorhanden war.“

Meischberger erläuterte, dass dem Start der Zusammenarbeit ein (von Peter Hochegger eingefädeltes) Erstgespräch mit dem Telekom- Vorstand Mag. Rudolf Fischer vorausging, bei dem erläutert wurde, wie konkret die Zusammenarbeit strukturell funktionieren sollte. Aufgrund der traditionell sozialdemokratischen Ausrichtung des Unternehmens sei es innerbetrieblich als schwierig anzusehen gewesen, direkt mit einem ehemaligen Generalsekretär und Abgeordneten der Freiheitlichen Partei zusammenzuarbeiten.

 

Walter Meischberger zur Konstellation der Zusammenarbeit im Wortlaut: „Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon einige Jahre aus der Politik und auch aus der FPÖ ausgeschieden war, wurde dieser Umstand von Dr. Hochegger und Mag. Fischer als heikel eingestuft. Mag. Fischer erklärte mir, Dr. Hochegger als zentrale Schaltstelle für die strategische Kommunikation mit politischem Hintergrund eingesetzt zu haben, bei dem sämtliche Fäden zusammen laufen sollen. Auch die Kommunikation in andere politische Parteien als die FPÖ, bzw. jene der Regierungsparteien war so geregelt. Mir wurde von Mag. Fischer erklärt, dass ich im Wissen und Auftrag der Telekom AG dem Peter Hochegger zuarbeite, deshalb mit Peter Hochegger und auch direkt mit dem Vorstand Mag. Fischer kommuniziere. Sämtliche Abrechnungen sollten über Dr. Hochegger, bzw. seine Valora AG abgewickelt werden. Das war für mich weder neu noch ungewöhnlich. In dieser Form arbeitete ich schon seit geraumer Zeit vorher mit Dr. Hochegger zusammen. Auch die Abrechnung über die Valora AG war für mich nicht neu, denn ich habe dieser Art schon verschiedenste Projekte - solche die überhaupt nichts mit der Telekom zu tun hatten - mit Dr. Hochegger abgewickelt.“

 

Strategische Kommunikation mit politischem Hintergrund

 

Weiters sagte Meischberger zu diesem Thema anlässlich seiner Gesamtzusammenhängenden Darstellung vor dem Schöffensenat: 

 

„Nochmals betonen möchte ich die Tatsache, dass das Aufgabengebiet genau meiner Kernkompetenz „Strategische Kommunikation mit politischem Hintergrund“ entsprochen hat. Ich habe der Telekom Austria AG, insbesondere ihrem Vorstand Mag. Rudolf Fischer, mein Wissen über das österreichische politische, parlamentarische und Regierungssystem, meine Erfahrungen als jahrelanger Parteipolitiker und Parlamentarier, meine Kenntnisse und Skills in strategischer Kommunikation und mein wirkmächtiges Kontaktnetzwerk - wohlgemerkt branchenexklusiv - langfristig und uneingeschränkt zur Verfügung gestellt.

 

Diese Kompetenz, die ich aufgrund meiner langjährigen politischen Tätigkeit und meiner damit verbundenen Lebenserfahrung aufgebaut hatte, war in der Telekom Austria AG für die Optimierung ihrer Unternehmenskommunikation in der labilen Phase nach dem Börsengang und der Veränderung der Regierungskonstellation förderlich, um den Unternehmenserfolg zu optimieren. Diese Kompetenz ist weder erlernbar noch studierbar, sondern praktisch nur erlebbar. Deshalb ein rares Wirtschaftsgut. Diese Kompetenz war unternehmenspolitisch notwendig, aber so im Unternehmen nicht ausreichend vorhanden.

 

Mein Netzwerk war immer sehr agil und genau in diesen Jahren auch sehr wirkmächtig. Die erkennbare Spitze meines Netzwerkes waren meine Verbindungen zu verschiedenen Ministern und Ministerien der damaligen Bundesregierung und den Parlamentsklubs der Regierungsparteien.

 

Der grundsätzliche, übergeordnete Nutzen für die Telekom Austria war darauf ausgerichtet in der neuen Konstellation des politischen Umfeldes Informationspolitik zu konzipieren, durchzuführen und Informationsvorteile für die Telekom Austria AG zu schaffen. Es war meine Aufgabe, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben, und meinen Kunden Informationsvorteile zu verschaffen. Ich habe immer nur zum Vorteil meiner Kunden gearbeitet, und nie zum Nachteil anderer. Es war nie meine Absicht und nie Teil meiner Aufgaben, an einem Nachteil für andere zu arbeiten. Alleine einem Kunden Vorteile zu verschaffen bedingt nicht, anderen einen Nachteil zu verschaffen. Nicht denselben Vorteil zu haben heißt nicht automatisch daraus einen Nachteil zu haben. Auch wenn man in einer Vergabe deshalb das Nachsehen hat. Diese klare Feststellung ist mir sehr wichtig.

 

Dafür hat mich die Telekom Austria AG extern engagiert, ständig mit mir gearbeitet, und meine Leistungen marktkonform abgerechnet.“