Einfach zum nachdenken

 

Ein Spitzenpolitiker erhält Informationen über das Ergebnis einer öffentlichen Ausschreibung (nach der offiziellen Anbotsöffnung). Er gibt ein paar Details davon völlig legal an einen Bekannten weiter, von dem er weiß, dass er als Berater bei ebendieser Ausschreibung für einen Anbieter tätig ist. Und verfolgt damit möglicherweise ein politisches Interesse, wofür er an sich gewählt ist. Dieser Berater wiederum gibt diese Information, von der er teilweise schon vorher gehört hatte, an seinen Kunden weiter, damit dieser bei einer möglichen zweiten Ausschreibungsrunde optimale Chancen hat, den Zuschlag zu erhalten – an sich genau sein Job, werthaltige Informationen zu liefern, die zu einem Unternehmenserfolg beitragen.

 

„So what“ würde man wohl im Normalfall sagen. Nicht aber, wenn der Spitzenpolitiker Jörg Haider und der Berater Walter Meischberger heißt. Dann wird daraus ein anrüchiger Fall. 

 

„Am 30. Verhandlungstag im Buwog-Prozess belastete der Zweitangeklagte Walter Meischberger erneut einen Toten: Ex-Landeshauptmann Jörg Haider. Dieser habe ihm im Vorfeld des Verkaufs der Bundeswohnungen 2004 verraten, dass es eine zweite Bieterrunde geben werde…“, lesen wir beispielsweise in der Kleinen Zeitung vom 25. April. Mit der Aussage belaste er Haider, sprich Haiders Vorgehen war nicht rechtens…

 

„Er schützte Grasser und belastet einen Toten. Tatsächlich sei der Tipp von Haider gekommen“, schreibt der Kurier am 13. April zum Meischberger Statement, dass der damalige Landeshauptmann ihm Zahlen nach Ende der ersten Angebotsrunde am Telefon nannte. Auch der Kurier sieht offensichtlich in Haiders Vorgehensweise etwas Unrechtes. Eh klar…

 

Und ÖSTERREICH schreibt am 12. April: „… woher kam der Tipp? Der Staatsanwalt behauptet: Von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Meischberger streitet das vehement ab und schiebt alles auf den verstorbenen Jörg Haider. In einem Telefonat habe ihm der damalige Kärntner Landeshauptmann die Erst-Angebote der beiden Bieter – Ö-Konsortium „880–890 Mio. Euro“ und CA Immo „920–930 Mio. Euro“ – verraten. Die CA-Immo könne bis 960 Mio. gehen, habe Haider gesagt. Dass das Ö-Konsortium dann 961 Mio. bot, sei „reiner Zufall“ gewesen, so Meischberger. Alle Angaben im Artikel richtig, was die übermittelten Zahlen durch Haider betrifft, aber wozu dieser unterstellende Unterton: „schiebt alles auf den verstorbenen Haider…“?