Hier ein paar Aussagen aus dem Gutachten:

 

„Die Republik Österreich hat sogar aktiv daran mitgewirkt, dass die Herren Grasser, Meischberger und Plech in diesen sieben Jahren laufender Ermittlungen durch die Medienberichterstattung und den hierdurch ausgelösten öffentlichen Diskurs in den Köpfen der Österreicher unwiderruflich als eine Gruppe von Personen abgestempelt wurden, die sich auf Kosten der Republik Österreich in ganz massivem Umfang zu Unrecht persönlich bereichert haben.“

„Zudem wurden bereits im anfänglichen Stadium der Berichterstattung immer wieder belastende Auszüge aus Ermittlungsakten wiedergegeben, die den beteiligten Journalisten nur von staatlichen Bediensteten zugänglich gemacht worden sein können. Hierdurch wurde von staatlicher Seite nicht nur zur Vorverurteilung der Betroffenen beigetragen, sondern auch die sowohl im Interesse der Allgemeinheit als auch im Interesse der Beschuldigten liegende Findung der materiellen Wahrheit und die Unbefangenheit aller künftig mit der Sache befassten Richter und Zeugen massiv gefährdet.“

„Die Veröffentlichung der Abhörprotokolle ist letztlich auf massives Staatsversagen zurückzuführen. Wenn seitenweise streng vertrauliche Protokolle über abgehörte Telefonate gezielt an Pressevertreter durchgestochen werden, noch bevor die abgehörten Personen selbst über die Abhörmaßnahmen und deren Ergebnisse informiert worden sind, ist dies mit einem rechtsstaatlichen Verfahren schlicht nicht zu vereinbaren. Jemand, der der Presse auf eine solche Art und Weise Dokumente zuspielt, ist nicht im Audimax der Universität Wien zu beklatschen (O-Ton Klenk: „Ich bitte um einen kleinen Applaus für den Informanten, der diese Protokolle dem FALTER zugespielt hat“), sondern strafrechtlich und disziplinarisch zur Verantwortung zu ziehen.“

„Nicht deutlich genug herausgestellt werden kann auch die unrühmliche Rolle des Herrn Prof. Dr. Mayer, der – als Dekan der juristischen Fakultät der Universität Wien – staatliche Räumlichkeiten für eine Veranstaltung zur Verfügung stellte, die letztlich auf eine Verhöhnung der Beschuldigten eines Ermittlungsverfahrens ausgerichtet war. Besteht die Aufgabe des Herrn Mayer als Professor der Rechtswissenschaften eigentlich darin, seinen Studierenden ein kritisches Urteilsvermögen und eine generelle Unvoreingenommenheit auch gegenüber vermeintlich noch so eindeutigen Sachverhalten beizubringen, ließ sich Herr Prof. Dr. Mayer in Ansehung der ihm womöglich seit jeher missliebigen Herren Grasser, Meischberger und Plech dazu hinreißen, rechtsstaatliche Grundsätze über Bord zu werfen und dies seinen Studierenden zu allem Überfluss auch noch als eine besondere „Praxisnähe“ zu verkaufen.“

„Parallel zu den diversen Verhöhnungsaktionen publizierten die verschiedenen „Enthüllungsjournalisten“ … permanent weiter vertrauliche Informationen aus Ermittlungsakten. Alles wurde von den „Enthüllungsjournalisten“ gleichermaßen bedenken- wie rücksichtslos weiterverbreitet, nachdem es ihnen zuvor durch Bedienstete der Republik Österreich in amtsmissbräuchlicher Weise zugänglich gemacht worden war.“


„Infolge der inzwischen sieben Jahre andauernden fortwährenden „Enthüllungen“ und den hierauf aufbauenden unterschiedlichsten weiteren Beiträgen und Aktionen jenseits der klassischen Medienberichterstattung gelten die Herren Grasser, Meischberger und Plech in den Köpfen der österreichischen Bevölkerung unwiderruflich als diejenigen, die sich im Zusammenhang mit staatlichen Privatisierungen auf Kosten der Republik Österreich in ganz massivem Umfang zu Unrecht persönlich bereichert haben. Aufgrund des Zusammenspiels von staatlicherseits gefördertem „Enthüllungsjournalismus“, staatlicherseits ermöglichten Kabarettveranstaltungen, politischem Aktionismus, Unterhaltungssendungen auch und vor allem des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Hochkultur in Form von Theaterstücken und Literatur sowie verschiedensten Social-Media-Elementen kann kein Österreicher den Betroffenen im Hinblick auf die in Rede stehenden Vorwürfe noch unvoreingenommen gegenübertreten. Ein höherer Grad an Vorverurteilung erscheint uns kaum denkbar.“