TAG 113: „DIE MEDIEN MANIPULIEREN EINEN AUCH. WAHRSCHEINLICH HABE ICH MEINE FRÜHERE AUSSAGE SO GEMACHT, WEIL IN DEN MEDIEN SO VIEL BERICHTET WURDE“, SAGT ZEUGIN.

 

Nach gut einem Jahr ist es wieder ein Thema, das so genannte „Schwiegermuttergeld“. Präziser: Wie die einzelnen Einzahlungen in der Meinl Bank erfolgten. Am Tag 113 gaben dazu drei ehemalige Meinl Bank Angestellte, die in der Hauptkassa tätig waren, Auskunft. Insbesondere ging es darum, wer die Einzahlungen, die in Tranchen erfolgten, getätigt bzw. veranlasst hatte.

 

Zur Erinnerung: Das so genannte „Schwiegermuttergeld“, also insgesamt 500.000 Euro, die Karl-Heinz Grasser von seiner Schwiegermutter zur Veranlagung übergeben wurden, füllte bereits zahlreiche Verhandlungstage. Das Kuriose daran: Alle sind sich einig, selbst die Anklage, dass das Geld keinesfalls aus der Buwog-Provision stammen kann. Auch die vorsitzende Richterin Mag. Hohenecker stellte bereits am 48. Verhandlungstag, also vor weit mehr als einem Jahr, eindeutig klar: „Die Tranchen für die Übergaben des Geldes waren allesamt 2005, lange bevor Übergabe bzw. Überweisung der Buwog Gelder begonnen haben!“ 

 

Diese 500.000 Euro können also auch theoretisch nicht von Walter Meischberger stammen. Das Problem ist die behauptete „Vermischung“, was immer darunter seitens der Anklage verstanden wird, mit Geldern Meischbergers, auf einem Konto (Mandarin). Die Staatsanwaltschaft dreht daher in der Anklage den Spieß um, und ordnet diverse Konten wie „Mandarin“ und andere Grasser zu. Durch nichts belegt, aber jahrelang durch verschiedenste Spekulationen gepflegt und durch Medienberichte genährt. 

 

Wie die Genesis des von der Schwiegermutter an Karl-Heinz Grasser bzw. dessen Frau übergebenen Geldes – vereinfacht ausgedrückt - wirklich war:

 

Es wurde in Tranchen zunächst auf ein Konto bei der Meinl Bank gelegt, und im Anschluss teilweise veranlagt. Als sich die Gelegenheit eines Investments in so genannte Hypo Genussscheine ergab, wurde diverse Veranlagungen rückgeführt und das Kapital in eben diese Genussscheine investiert. Im Endeffekt eine hervorragende Investition mit einer in etwa 50%-igen Verzinsung in relativ kurzer Zeit. Das Geld wurde schließlich – nach Ausbruch der internationalen Bankenkrise – über eine Gesellschaft wieder in die Swarovski-Familiensphäre rückgeführt, um als Vorsorge für die gemeinsamen Kinder zu dienen. 

 

LOGISCHE ÜBERLEGUNGEN, DIE GRASSERS VERSION BESTÄTIGEN

 

Abgesehen von den vor Gericht durchgearbeiteten Fakten sind es eigentlich ein paar ganz logische Überlegungen, die Grassers Version auf Punkt und Beistrich bestätigen: 

 

  • Gesetzt dem Fall, die 500.000 Euro wären tatsächlich aus Buwog-Quellen gewesen: Warum hätte Grasser dann dieses Kapital inklusive tollem Veranlagungserfolg, also in Summe 784.000 Euro, in den Einflussbereich der Swarovski-Familie rückführen sollen, also quasi einer sehr wohlhabenden Familie schenken sollen, obwohl es „sein Geld“ gewesen war. Wohl auch eine absurde Idee. Tatsache und nachvollziehbar ist: Grasser hatte nach der Überweisung der 784.000 Euro keinen Zugriff und daraus auch nie einen Cent erhalten. 
  • Warum hätte Grasser auf dem 500.000 Euro Konto die bereits getätigten Wertpapierkäufe wieder rückführen sollen, um das Investment bei den Hypo Genussscheinen tätigen zu können, wäre er gleichzeitig wirklich Besitzer bzw. wirtschaftlich Berechtigter des berühmten „400.815“ Kontos gewesen (wie die Anklage behauptet), wo genug Kapital zum Investieren vorhanden war? Antwort: Das Konto „400.815“ wurde aus Buwog Provisionen gespeist und gehörte jederzeit Walter Meischberger. Grasser hatte damit nichts zu tun.

ZEUGIN: „DIE MEDIENBERICHTE MANIPULIEREN EINEN AUCH!“

 

Zurück zum 113. Hauptverhandlungstag: Heute wurden drei ehemalige Mitarbeiter der Meinl Bank, die als Kassiere in der Hauptkassa tätig waren, nach Einzahlungsdetails befragt:

 

Frage an die erste Zeugin: „Sie haben bei Ihrer Befragung durch die Polizei das Ferint Konto mit Karl-Heinz Grasser in Verbindung gebracht. Bleiben Sie dabei?“

 

Die Zeugin: „Ich habe und hatte keine Ahnung, wer hinter diesem Konto steht. Wahrscheinlich habe ich meine frühere Aussage so gemacht, weil darüber dauernd so viel in den Medien berichtet wurde. Die Medien manipulieren einen auch. Die Befragung war auch sehr angespannt!“

 

Frage: „Sie haben bei einer früheren Aussage nicht ausgeschlossen, dass eine der erfolgten Einzahlungen in Höhe von 330.000 Euro von einem anderen Konto kommen könnte?“

 

Die Zeugin: „Ich habe das als Möglichkeit nicht ausgeschlossen, weil das nicht unbedingt eine kleine Summe ist, die man in der Tasche trägt. Das war aber eine reine Vermutung!“

 

Frage: „Wussten Sie etwas über die Herkunft des Geldes?“

 

Zeugin: „Nein, keine Ahnung!“

 

Frage an die damalige Kollegin (und heutige zweite Zeugin): „Wer war wirtschaftlich Berechtigter des Ferint Kontos?“

 

Die Zeugin: „Das ist aus den Kontounterlagen nicht hervorgegangen. Das Konto ist eigentlich vom Vorstand an uns weitergegeben worden, wer tatsächlicher Kontobetreuer war, weiß ich nicht.“

 

Ob viele Konten vom Vorstand betreut wurden, wisse sie nicht, aber „sicher einige“.

 

Ob sie Herrn Grasser kenne? „Ja, von der Bank, und zwar als Kunde am Schalter“, so die Zeugin. Grasser sei auch immer wieder während der Öffnungszeiten zum Schalter gekommen, oder seine Sekretärin.

Zeuge 3 konnte überhaupt keine substanziellen Angaben machen. Standardantwort zu getätigten früheren Aussagen bei einer Befragung durch die Polizei: „Das kann ich weder bestätigen noch dementieren“. Und zu einer speziellen Aussage, die er heute anders sieht: „Da hab ich mir möglicherweise was einreden lassen, da sieht man wie blöd ich vor 15 Jahren war…“