TAG 118: „MACHT AUS HEUTIGER SICHT KEINEN SINN, WAR ABER DAMALS GANG UND GÄBE“

 

Im Rahmen der Beweisführung und der damit verbundenen Zeugenaussagen bewegt sich der Prozess wieder zurück zum Ausgangspunkt und zu den Zahlungsflüssen. Am 118. Verhandlungstag war dazu in Ergänzung zu den Aussagen des Vortages ein weiterer Mitarbeiter der Omega bzw. deren Muttergesellschaft AGT geladen. Neue Erkenntnisse konnte er nicht liefern…

 

Immer wieder die Frage, was die Omega eigentlich gemacht habe. Der Zeuge Alexander B.: „Die Omega hat einen Vertrag mit Herrn Meischberger geschlossen, damit sie für ihn auftreten kann. Das Geld, das von der Astropolis gekommen ist, wurde bar ausbezahlt und an den Kunden weitergeleitet oder ist in der Bank (Hypo Investmentbank Liechtenstein) verblieben (und wurde dort eben wieder eingezahlt). Das macht aus heutiger Sicht keinen großen Sinn, war aber vor fünfzehn oder zwanzig Jahren gang und gäbe, also gängige Praxis“.

Der Betroffene selbst, also Walter Meischberger, hat es immer wieder betont, die Konstruktion sei aus Diskretionsgründen so gemacht bzw. vorgeschlagen worden.

 

In einem Statement im Rahmen der Hauptverhandlung im April 2018 sagte Meischberger dazu: „Durch die Vermittlung der Hypo Vorarlberg hat die Hypo Investment Bank Liechtenstein, die eine Tochter der Hypo Bank Vorarlberg war, für mich eine adäquate und legale „Offshore“ Lösung für den Transfer meines Anteiles vom Konto der Astropolis in Zypern auf mein Konto in Liechtenstein entworfen, notwendige Zwischenlösungen (Omega LLC) für mich verhandelt und eingerichtet. Da mir zu diesem Zeitpunkt klar wurde, dass mir die effektive Summe von ca. 7,5 Mio. Euro zukommen wird, entwarf ich für mich ein System für die Verwendung und die Veranlagung der zu erwartenden Mittel. Diese grobe Konten-Architektur richtete sich nach meiner weiteren Lebensplanung und sah dementsprechend zu diesem Zeitpunkt im Herbst 2005, eine sehr grobe, sehr ungefähre Dreiteilung vor.“

 

Immer wieder kommt die Frage beim laufenden Prozess auf den damaligen Bankberater Meischbergers, Christoph Wirnsperger. Zeuge B. am heutigen Hauptverhandlungstag zusammenfassend: „Wirnsperger hat sich in das Geschäft zwischen Astropolis und Omega keinesfalls eingemischt, das stimmt einfach nicht. Und er hat für die Vermittlung Meischbergers auch keine Provision bekommen, auch die Hypo Investmentbank nicht!“

 

Frage: Hat Wirnsperger jemals über die Aufteilung des Geldes auf drei Konten geredet?

 

Der Zeuge: „Nein!“

 

Frage: Hat Wirnsperger den Namen Plech erwähnt?

 

Der Zeuge: „Nein, nie. Der Name Plech ist mir kein Begriff!“

 

WEM GEHÖRT DAS KONTO „KARIN“?

 

Zurück zur Konten-Architektur, zur Dreiteilung, und zu Ernst Plech: Am Nachmittag war dann auch das Konto „Karin“ ein Thema. Ein ehemaliger Bankbetreuer sagte diesbezüglich, dass er davon ausgegangen war, dass das Konto Ernst Plech gehöre, es sei ihm nicht kommuniziert worden, dass Plech nur Treuhänder sei. 

 

Tatsächlich war das Ganze ein bissl holprig, weil das Konto selbst ja auch von Plech gegründet worden war. Walter Meischberger stellte das folgendermaßen dar: „Richtig ist, dass dieses Konto schon damals von Ernst Plech gegründet wurde und ich im Laufe der Zeit ca. 2,4 Mio. Euro, also ca. ein Drittel meiner Provisionen, auf dieses Konto überwiesen habe. Dies bedeutet, Ernst Plech war immer der Eigentümer dieses Kontos. Aber es war mein Geld das auf diesem Konto verwaltet und von dort durch Ernst Plech für mich investiert wurde. Mein Geld wurde durch mich dorthin überwiesen. Es war vereinbart, dass Ernst Plech mein Geld nur in Immobilien investieren werde, mich aber an den Objekten entsprechend meiner finanziellen Beiträge beteiligen wird.“

Siehe dazu auch seine gesamte Erklärung.

 

KERNZEUGE WIRNSPERGER AB 12. NOVEMBER

 

Bekanntlich hat gleich zu Beginn des Prozesses Peter Hochegger behauptet, Wirnsperger hätte ihm in einem Vieraugengespräch eröffnet, dass das Geld auf drei Konten aufgeteilt würde, und Grasser, Meischberger und Plech die Begünstigten sein würden. Letztendlich läuft alles auf den großen „Showdown“ mit Christoph Wirnsperger hinaus. Dieser steht ab 12. November als Zeuge zur Verfügung. Seine Vernehmung ist vorsorglich auf mehrere Tage anberaumt.

 

Jedenfalls scheint gesichert, dass der so genannte Buwog Prozess, der mittlerweile vier Faktenkreise umfasst (Bundeswohnbaugesellschaften; Terminal Tower Linz; Telekom; Haus Waldaugasse), auch noch einige Zeit im neuen Jahr weitergehen wird. Als letzter Verhandlungstag im Jahr 2019 ist der 19. Dezember anberaumt.

Und noch eine Zahl für Statistiker: Zum Jahreswechsel wird der Prozess bereits über 750 Tage gelaufen sein. Die Hauptangeklagten sind mit der Problematik (und der entsprechend massiven Presseberichterstattung, Hausdurchsuchungen etc.) seit mehr als zehn Jahren befasst!