TAG 119: „STRIKTE TRENNUNG ZWISCHEN ÖSTERREICH-GESCHÄFT UND LIECHTENSTEIN-TOCHTER“

 

Am 119. Verhandlungstag war wieder ein (mittlerweile pensionierter) Banker im Zeugenstand, diesmal ein Vertreter der Hypo Vorarlberg/Filiale Wien. Lothar M. war u.a. auch Bankbetreuer in Wien von Walter Meischberger und Ernst Plech, der nicht nur Meischberger, sondern auch zahlreiche andere Personen die Hypo Vorarlberg als Bank empfohlen hatte.

 

„Herr Plech und ich haben uns recht gut verstanden, es war ein sehr angenehmer Kundenkontakt, eine unauffällige Geschäftsbeziehung, die meines Wissens bis heute aufrecht ist“, so der mittlerweile pensionierte Ex-Hypo Banker, der vor seiner Zeit in Wien in der Hypo in Bregenz tätig war und dort auch Kollege von Christoph Wirnsperger war, der später eine leitende Position bei der neuen Hypo Investmentbank Liechtenstein bekleidete. Wirnsperger wird ja bekanntlich während der nächsten Hauptverhandlungstage ab 12. November als einer der Kernzeugen des Verfahrens Rede und Antwort stehen.

 

Wie das mit Meischberger gewesen sein, wird der Zeuge gefragt. Wie der Erstkontakt zustande gekommen sei („möglicherweise im Büro von Herrn Plech“) wisse er nicht mehr ganz genau. Jedenfalls habe er als Kundenbetreuer Meischberger die Kreditfinanzierung seines Hauses in der Waldaugasse (auch diese Causa ist ja mittlerweile Teil des Prozesses) organisiert und die Geschäftsbeziehung sei viele Jahre lang eine sehr angenehme gewesen. Als das Problem mit ein eingefrorenen Auslandskonten schlagend wurde, und damit die Rückzahlungsfähigkeit des Kredites und der Zinsen in Frage stand, habe man eine Zwischenlösung gefunden und dies auch mit einem Notariatsakt besiegelt. Erst als die Bank erfahren habe, dass das Haus (ohne Wissen der Bank) verkauft worden sei, „war das eine große Enttäuschung, die zum Abbruch des Kontaktes mit Meischberger führte“.

 

Diverse Ansichten, die Walter Meischberger in Bezug auf den Bankkontakt zusammenfasste, konnte der Zeuge nicht bestätigen, oder war dezidiert anderer Meinung.

 

Auf jeden Fall habe, so Lothar M., eine strikte Trennung zwischen den Geschäften der Hypo Vorarlberg in Österreich bzw. der Wiener Filiale und der Liechtensteiner Tochtergesellschaft Hypo Investmentbank gegolten. Dies sei schon aufgrund der Vorgaben der Finanzmarktaufsicht so gewesen. Es habe aber schon hohes Interesse von bestehenden Kunden in Wien an den Dienstleistungen der Liechtenstein-Tochter gegeben. Man habe in diesem Fall die Kontaktdaten weitergegeben, nicht mehr.

 

Gekannt und auch kommuniziert miteinander dürfte man aber schon haben, wie beispielsweise ein gemeinsamer Besuch der Hypo Lichtenstein Betreuer Wirnsperger und L. mit Lothar M. im Weinkeller des Kunden Meischberger beweist.

 

Von Liechtenstein-Konten von Meischberger oder auch vom mitangeklagten ehemaligen Telekom-Chef Rudolf Fischer (den er auch  über die Filiale Wien betreute) habe der Zeuge nichts gewusst. „Ich hatte in keinster Weise mit den Konstruktionen in Liechtenstein bzw. mit der Omega zu tun“, war der Zeuge sichtlich bemüht, ja keine Nähe zu diesem Thema aufkommen zu lassen.