TAG 120: ZEUGE FÜHRT BEHAUPTUNGEN HOCHEGGERS AD ABSURDUM: „ES GAB DIESEN ZETTEL VON DER KONTENAUFTEILUNG NICHT!“

 

Nahezu zwei Jahre ist es her, als Peter Hochegger am 20. Dezember 2017 zu Beginn des Buwog Prozesses behauptet hatte, der damalige Bankberater Christoph Wirnsperger hätte ihm 2005 „verraten“, dass Gelder aus der Buwog-Provision nicht nur an Walter Meischberger, sondern auch an Ernst Plech und Karl-Heinz Grasser gegangen wären. Er wäre von Wirnspergers Offenbarung wie vom Blitz getroffen gewesen. Nun, am 120. Verhandlungstag, hatte endlich ebendieser frühere Bankberater die Möglichkeit, Licht ins Dunkel zu bringen. Und der führte heute Hocheggers Aussagen ins Reich der Phantasie: „Das einzige was stimmt: Es gab dieses Treffen im Spätsommer 2005 bei Hochegger zuhause und es ging um den Transfer der Gelder von Zypern nach Liechtenstein. Ich kann absolut ausschließen, dass ich Hochegger diesen Zettel mit Konten gezeigt habe, wie er behauptet. Das gab es mit Sicherheit nicht und das wäre auch gegen jedes Bankgeheimnis gewesen, das war mein höchstes Gut.“ 

 

Damit hat der Prozess eine entscheidende Wende erreicht. Denn bis dato, also die ersten fast 23 Monate, war der Buwog-Prozess durch die Hochegger Behauptung zu Beginn, das so genannte „Teilgeständnis“ – vor allem auch medial – massiv geprägt gewesen. Hocheggers Aussage war in vielen Medien regelrecht abgefeiert worden.

 

„Abgesehen davon, dass dieser Zettel und diese Kontenaufteilung darauf nie existiert haben, hat es zwei dieser angeblich notierten Konten zum Zeitpunkt des Treffens ja noch gar nicht gegeben“, erläuterte der Zeuge unter Wahrheitspflicht weiter. 

 

Denn tatsächlich wurden zwei der drei Konten, die  Hochegger vor Gericht auf einen Zettel aufgemalt hatte, und dessen Ursprung er dem heutigen Zeugen zuschrieb, erst deutlich nach dem Treffen überhaupt erst eröffnet. Das Konto „Karin“ wurde erst am 27. Oktober 2005, also ca. eineinhalb Monate nach dem von Hochegger behaupteten Treffen eröffnet. Das dritte Konto („Natalie“) überhaupt erst am 6. Dezember 2005, also rd. drei (!) Monate nach dem Meeting. 

 

So gesehen hätte also der Bankberater schon Monate vor den entsprechenden Konteneröffnungen Nummern und Namen gewusst und an Hochegger, den er wohlweislich erst das zweite Mal in seinem Leben getroffen hatte, präsentiert.

 

Dass das Geld in etwa zu gleichen Anteilen auf drei Konten aufzuteilen sei, wäre ausschließlich Vorgabe seines Kunden Meischberger gewesen.

 

„Gab es andere Personen als Herrn Meischberger, die gesagt haben, wie das Geld, das von der Omega kam, zu verteilen ist?“, fragt die Richterin.

 

„Nein! Die Anweisung kam ausschließlich von Herrn Meischberger. Jeder Aufteilung auf die Konten ging ein Gespräch mit Walter Meischberger voran“, antwortet der Zeuge.

 

Der Rest des 120. Hauptverhandlungstages war größtenteils ausgefüllt mit Fragen zu den drei Konten, deren Namen mittlerweile halb Österreich kennt: „400.815“, „Karin“ und „Natalie“. Insbesondere beschäftigte das Gericht heute auch die Frage, wer nun tatsächlich Inhaber des Kontos „Karin“ gewesen war, Walter Meischberger oder Ernst Plech, der als Wirtschaftlich Berechtigter eingetragen war. Vielleicht kann diesbezüglich ja der damalige Kontenbetreuer weiterhelfen, der demnächst im Zeugenstand erwartet wird.

Immer wieder auch die Frage, warum überhaupt bei Geldtransaktionen Gesellschaften wie die Omega zwischengeschaltet worden waren und es zu Bargeldaus- und gleich wieder Einzahlungen kam. „Baraus/barein war damals vor fünfzehn Jahren absolut üblich, aus Diskretionsgründen, um den Weg abzuschneiden, das war ein ganz normales Geschäft für uns“, betonte der heutige Zeuge.

 

Und auch was die heute eigenartig anmutende Praxis, Bargeld in größeren Mengen über die Grenzen zu bringen, betrifft, relativiert der damalige Kundenbetreuer: „Das war in unserem Geschäft völlig normal, habe ich für viele Kunden so gemacht, und entsprach auch voll den gesetzlichen Vorgaben. Es gab damals keine Beschränkung, Bargeld über die Grenzen zu bringen…“