TAG 122: HOCHEGGERS „OFFENBARUNGS-GESCHICHTE“ IST IN SICH ZUSAMMENGEBROCHEN

 

Zeuge in dieser Woche, und das bereits den dritten Tag in Folge, ist Christoph Wirnsperger, in den für den Prozess relevanten Jahren Bankbetreuer von Walter Meischberger. Wirnsperger sorgte indirekt bereits am fünften Verhandlungstag für Aufsehen, weil Peter Hochegger behauptete, er, Wirnsperger, habe ihm im Herbst 2005 bei einem Vieraugen-Treffen einen Zettel gezeigt, auf dem drei Konten und deren Namen aufgezeichnet waren, und auch dazugesagt, dass darauf die Buwog-Provisionen zu je einem Drittel auf Meischberger, Plech und Grasser aufgeteilt würden. Seitdem, also seit nahezu zwei Jahren, ist der Prozessverlauf ganz massiv von diesem so genannten Teilgeständnis Hocheggers beeinflusst und geprägt. Und ganz besonders natürlich auch die veröffentlichte Meinung, die sich gegenseitig mit der vermeintlichen „Schuldsprechung“ überboten hat.

 

Nun, rund 23 Monate später, und insbesondere auch nach dem heutigen Hauptverhandlungstag, erweist sich diese Behauptung Hocheggers als völlig unhaltbar. War bisher aufgrund der konkreten Aussagen des unter Wahrheitspflicht stehenden Zeugen Christoph Wirnsperger inhaltlich klargestellt worden, dass es diesen ominösen Zettel, von dem Hochegger erzählte, nicht gegeben hat, und auch keine Aussagen in Richtung Kontenzuordnungen getätigt worden sind, so war doch immer noch offen, wann konkret dieses Gespräch Wirnsperger mit Hochegger stattgefunden hat.

 

Dankenswerterweise präsentierte heute die Staatsanwaltschaft einen Kalendereintrag, aus dem eindeutig hervorgeht, dass das Treffen am 2. September 2005 über die Bühne ging. Auch Hochegger selbst hatte ja von „Anfang September“ gesprochen. 

 

Inhaltlich bezog sich dieses Gespräch ausschließlich auf die technische Abwicklung der Geldtransaktionen von der zyprischen Firma Astropolis, ein Trust im Einflussbereich Hocheggers, auf dem die Buwog-Provisionen gelandet sind, zur Omega, und damit auf Konten in Liechtenstein, sagt der unter Wahrheitspflicht stehende Zeuge Wirnsperger. Der im Übrigen Hochegger zu diesem Zeitpunkt kaum gekannt hatte, den Termin auf Empfehlung Meischbergers wahrgenommen hat, und wie er selbst betont, ein distanziertes Verhältnis zu Hochegger hatte. Keinesfalls habe es diesen Zettel bzw. diese von Hochegger behauptete Äußerung gegeben. Das Bankgeheimnis sei in dieser Zeit das große Asset der Banken in Liechtenstein gewesen und es wäre ihm generell nie in den Sinn gekommen, über Konten anderer zu sprechen.

 

Er, Wirnsperger, habe das Bankgeheimnis immer ganz streng ausgelegt und erzählt von einem Beispiel, wo er ein Ehepaar mit getrennten Konten betreut habe. Er habe sogar in diesem Fall nicht zugelassen, dass man bei einem gemeinsamen Termin Einschau in die Konten hatte, sondern, es seien jeweils eigene Termine Voraussetzung gewesen.

 

„Aber abgesehen vom Bankgeheimnis“, so Wirnsperger heute, „wäre es ja schon aufgrund der zeitlichen Abfolge völlig unmöglich gewesen, am 2. September 2005, die Namen der drei Konten, wie Hochegger behauptet, zu nennen. Denn zu diesem Zeitpunkt war definitiv erst eines dieser drei Konten existent!“

 

Konkret wurde das Konto „Karin“, das Hochegger ebenso wie die Konten „Natalie“ und „400.815“ auf dem Zettel gesehen haben will, erst am 27. Oktober 2005, also fast zwei Monate nach dem Treffen (!), eröffnet. Und das Konto „Natalie“ überhaupt erst am 6. Dezember 2005, also mehr als drei Monate nach dem Treffen (!). 

Einzig das Konto „400.815“ (Anmerkung: Dieses Konto ordnet die Staatsanwaltschaft in der Anklage Karl-Heinz Grasser zu) hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits gegeben. Aber auch dazu ergänzt der Zeuge auf Nachfrage: „Das Konto ‚400.815‘ war ein Namenskonto mit offizieller Adresse des Inhabers, also von Beginn weg transparent auf einen bestimmten Namen eröffnet!“. Wie der Name lautete? „Walter Meischberger!“, so der Zeuge, „und es wurde auch immer so bezeichnet.“ 

 

Und hätte es die (theoretische) Möglichkeit gegeben, dass die beiden später eröffneten Konten aus irgendwelchen Gründen schon Monate vorher bekannt hätten sein (und damit auf dem von Hochegger behaupteten Zettel stehen) können? 

 

„Nein“, sagt der Banker, „das war aufgrund der Vergabevorschriften in der Bank nicht möglich, denn die Kontonummern konnten nur fortlaufend vergeben werden! Es gab somit auch theoretisch keine Möglichkeit, die Kontonummern vorweg zu wissen.“

 

DER ZEUGE: „ICH HATTE NIE EINEN HINWEIS AUF EINE BETEILIGUNG GRASSERS!“

 

Zurück zum Konto „Walter“ oder „400.815“, wie es die Staatsanwaltschaft gerne nennt: „Haben Sie irgendwelche Wahrnehmungen, dass Mag. Grasser von diesem Konto stammendes Geld übergeben wurde bzw. ob das Konto in Wahrheit Grasser selbst gehört hat?“, wird der Zeuge gefragt.

 

„Nein, dafür gab es keinerlei Anhaltspunkte, dass Meischberger Grasser von diesem Konto Geld weitergeleitet hätte. Das habe ich erst aus den Medien erfahren. Für mich war immer klar, dass Meischberger Kontoinhaber ist. Er hat auch meistens vorher nach den Kontoständen gefragt und dann je nachdem disponiert, oder er hat es sowieso mir überlassen, von welchem Konto Geld abgehoben werden soll“, sagt der Zeuge.

 

Die Staatsanwaltschaft versucht dann eine gewissen Nähe zwischen von Meischberger getätigten Aktienkäufen und Karl-Heinz Grasser zu finden.

 

Es habe etwa zeitnah Käufe von Citigroup-Aktien von Grasser und Meischberger gegeben, wird der Zeuge gefragt. „Ich glaube, das war eher ein Tipp von mir, die zu kaufen“, antwortet dieser. Auffällig sei auch der Kauf von Aktien der Magna AG (Anmerkung: Wo Grasser vor seiner Zeit als Finanzminister tätig war) durch Meischberger. Der Zeuge: „Das dürfte aber eher daran gelegen sein, dass Meischberger Magna Chef Wolf gut kannte…“ 

 

Nochmals, auch auf den behaupteten Zettel Hocheggers bezogen, betont Wirnsperger: „Es gab diesen Zettel nicht und es gab nie einen Hinweis auf eine Beteiligung Grassers!"

 

Karl-Heinz Grasser selbst habe er überhaupt erst im Januar 2008 bei einem Polo-Turnier in Kitzbühel persönlich kennengelernt. Dieses sei von seinem damaligen Arbeitgeber, der Hypo Investmentbank Liechtenstein, gesponsert worden.

 

Man habe später mehrere Gespräche geführt, weil es die Idee einer gemeinsamen Firma gab. Aber das sei dann im Sand verlaufen…

 

MEETING MIT HOCHEGGER WAR ORGANISATORISCHE VORBEREITUNG DER TRANSFERS

 

Zurück zum Datum 2. September 2005. Warum ist es so wichtig, das exakte Datum dieses Vieraugengesprächs zwischen Wirnsperger und Hochegger zu kennen: Weil dieses Treffen ausschließlich der organisatorischen Vorbereitung der Geldtransfers von der zypriotischen Astropolis, die im Einflussbereich Hocheggers war, zur Omega, und somit zu den Konten in Liechtenstein, diente. Ein E-Mail vom 23. September 2005 von Hochegger an den zuständigen Manager in Zypern nimmt eindeutig darauf Bezug: „…refering to my other activities I would like to inform you that we have for a number of astropolis projects a profit sharing contract with an us registered company. Mr. Wirnsperger a bankmanager from austria will get in touch wit you next week to discuss details…“ 

 

Und das ist jedenfalls sehr weit weg von den später erfolgten Konteneröffnungen. Eine spätere Begegnung im Jahr 2005 schließt Wirnsperger kategorisch aus: „Es gab mit Sicherheit genau zwei Meetings mit Hochegger im Jahr 2005, eines gemeinsam mit Meischberger, wo dieser mir Hochegger vorstellte, und eben das zweite Anfang September.“