TAG 123: VERHANDLUNGSTAG MIT WENIG NEUIGKEITEN

 

Die Vorwoche war mit Christoph Wirnsperger der ehemalige Bankberater und Betreuer von Walter Meischberger drei Tage im Zeugenstand. Seinen Aussagen fieberte man mit allergrößtem Interesse entgegen, da er ja, laut Peter Hochegger, „verraten“ hätte, dass in Wirklichkeit auch Karl-Heinz Grasser ein Drittel der Buwog-Provisionen kassiert habe. Wirnsperger räumte bei seiner Befragung unmissverständlich mit dieser Mär auf: „Es hat weder diesen ominösen Zettel gegeben, noch habe ich die entsprechende Aussage getätigt!“.

 

Noch dazu, so der Zeuge ergänzend, habe es zum Zeitpunkt des Meetings mit Hochegger zwei der drei Konten und damit die entsprechenden Kontonummern noch gar nicht gegeben. Es wäre also rein technisch zum Zeitpunkt 2. September 2005 (Meeting Hochegger / Wirnsperger) gar nicht möglich, über Konten und Kontonummern zu reden, die zwei bis drei Monate später erst gegründet bzw. aufgrund der fortlaufenden Nummerierung festgelegt wurden.

 

Wirnsperger betonte auch, dass man in der Bank (Hypo Investmentbank Liechtenstein) davon ausging, dass das Konto „Karin“, eines der drei Konten, um die es die ganze Zeit geht, Ernst Plech als Wirtschaftlich Berechtigten zuzuordnen war. Später, als er die Bank verlassen hatte, und sich selbstständig machte, habe es dann geheißen, es sei ein Bankfehler passiert, und das Konto sei dann Walter Meischberger zugeordnet worden.

Diese Aussagen Wirnspergers bestätigte im Wesentlichen heute am 123. Verhandlungstag auch der damalige Kollege Wirnspergers, Günter Ludescher. Er habe keine Zweifel gehabt, dass es sich um ein Konto von KR Plech handeln würde, von einer Treuhandschaft habe er nichts gewusst. Der wirtschaftlich Berechtigte sei meistens der Kontoinhaber gewesen, es konnte aber schon sein, dass der Kontoinhaber nicht der Verfügungsberechtigte ist, wenn eine Treuhandschaft vorliege, so der Zeuge. Er habe nie jemand anderen als den Plechs Bargeld ausbezahlt – was ja streng genommen auch den Behauptungen Walter Meischbergers, das Konto „Karin“ sei in Wahrheit auch sein Konto gewesen, nicht widerspricht.

 

Meischberger hat bereits im April 2018, also vor mehr als eineinhalb Jahren, vor Gericht klargestellt, dass  das Konto „Karin“ tatsächlich von Plech gegründet worden war. So gesehen sind sowohl die Aussage Wirnspergers, als auch jene von Ludescher heute eine Bestätigung.

 

MEISCHBERGER: „KONTO KARIN WURDE VON ERNST PLECH GEGRÜNDET, WAR ABER MEIN GELD.“

 

In meinen ersten Aussagen vor den ermittelnden Behörden habe ich behauptet, dass das Konto Karin von mir persönlich eingerichtet wurde, dem lag ein Missverständnis zugrunde. Ich gründete damals mehrere Konten bei der Hypo Liechtenstein und bei der Hypo Vorarlberg, wobei sich die Konto-Gründungen sich über einen Zeitraum von ca. vier Jahren und auf drei Mitarbeiter verteilten. Es gab auch ein Konto („Millenium“) das wir, Ernst Plech und ich, gemeinsam gegründet hatten. Das sorgte bei mir alles in allem Jahre danach für unklare Erinnerungen. 

 

Aus diesem Grund war ich im Moment der Aussage der Meinung, dieses Konto selbst gegründet zu haben. Richtig ist, dass dieses Konto schon damals von Ernst Plech gegründet wurde und ich im Laufe der Zeit ca. 2,4 Mio. Euro, also ca. ein Drittel meiner Provisionen, auf dieses Konto überwiesen habe. Dies bedeutet, Ernst Plech war immer der Eigentümer dieses Kontos. Aber es war mein Geld, das auf diesem Konto verwaltet und von dort durch Ernst Plech für mich investiert wurde. Es war vereinbart, dass Ernst Plech mein Geld nur in Immobilien investieren werde, mich aber an den Objekten entsprechend meiner finanziellen Beiträge beteiligen wird. 

 

Ich habe mich voll und ganz darauf verlassen, dass Ernst Plech meine Interessen sorgfältig vertreten wird. Ernst Plech hat mich über jedes einzelne Projekt hinreichend aufgeklärt, ich habe den Großteil der Projekte auch besichtigt. Da die Investitionen alle eher langfristig ausgelegt waren, gab es keine Entscheidungen über deren anstehende Verwertung zu treffen. Bei einer Weiterverwertung der Immobilien nach deren erfolgreichen Entwicklung, wäre ich adäquat an den zu erwartenden Gewinnen beteiligt gewesen. Ebenso wäre ich natürlich auch an eventuellen Verlusten beteiligt gewesen.

 

Dazu konnte es aber nie kommen, weil ich aufgrund meiner Selbstanzeige bei den Finanzbehörden eine Zahlung von ca. 3,7 Mio. Euro an Einkommensteuer leistete, und deshalb gezwungen war, unsere Vereinbarung vorzeitig, also noch vor einer möglichen gewinnbringenden Verwertung, aufzulösen." 

 

DER ZEUGE HEUTE: „GRASSER GEHÖRTE NICHT ZU DEN KONTOINHABERN!“

 

Ganz eindeutig ist die Antwort des Zeugen, als es um die Frage geht, ob auch jemand anderer, also Karl-Heinz Grasser, zu den Kontoinhabern gehört habe, gemeint das dritte Konto, das so genannte „400.815“er: „Nein!“. Identisch war bekanntlich auch die Antwort seines Kollegen bei der vorwöchigen Befragung.

Die beiden, Wirnsperger und Ludescher, gründeten dann später ihre gemeinsame Firma W&L, wobei Ersterer der Initiator gewesen sei, aber es auf jeden Fall auch seinem Wunsch entsprochen habe. Im Vorfeld habe es auch mehrere Gespräche mit Grasser und teilweise auch Meischberger gegeben, eventuell eine gemeinsame Firma im Bereich Vermögensverwaltung zu machen. Das habe sich aber dann zerschlagen. Auch das wurde ja bekanntlich schon sehr umfassend vom vorwöchigen Zeugen geschildert.

 

Ludescher auf die Frage, wie sein Kollege reagiert habe, als es hieß, beim Konto „Karin“ sei der  Bank (und somit ihm) ein Fehler passiert: „Ich glaube, er war sich keiner Schuld bewusst und hat das hingenommen.“

Der heutige Zeuge zur Rollenverteilung damals: „Ich habe den Kunden Kommerzialrat Plech betreut, Christoph Wirnsperger hat den Kunden Walter Meischberger betreut.

 

Zurück zur (Fast)Gegenwart: Wie sein Kollege es aufgenommen habe, dass Peter Hochegger vor Gericht die Behauptung aufstellte, Wirnsperger hätte ihm die wahre Kontenaufteilung gezeigt (und somit so nebenbei das Bankgeheimnis gebrochen, worauf in Liechtenstein eine sehr hohe Gefängnisstrafe steht): „Mag. Wirnsperger hat sich darüber maßlos aufgeregt und geärgert. Er war entrüstet, als das vor zwei Jahren von Hochegger behauptet wurde. Er hat mir gesagt, dass das mit Sicherheit nicht der Fall war. Den Zettel hat es nie gegeben!“