TAG 125: DIESMAL BEFRAGUNG PER VIDEOSTREAM IN LIECHTENSTEIN

 

Ein weiterer Bankbetreuer, der nach dem Ausscheiden der beiden letzten Zeugen aus der Hypo Investmentbank Liechtenstein die Konten Walter Meischbergers betreute, war am 125. Verhandlungstag (via Videoleitung nach Vaduz) im Zeugenstand.

Was er über die Beziehung zwischen Meischberger und Grasser wusste, wird der Zeuge gleich eingangs gefragt. „Ich wusste, dass Meischberger Grassers Trauzeuge war“, so die Antwort. Warum er, Meischberger, denn damals die Stimmrechte für eine bekannte Aktiengesellschaft nicht selbst ausüben wollte, sondern diese einer anderen Gesellschaft für die Hauptversammlung übertragen ließ? Der Zeuge, ein gelernter Wertpapierhändler, also vom Fach: „Das konnte ich nachvollziehen, das ist durchaus nicht unüblich!“

Und wieder landet man beim Begriff „Pseudonymkonto“: „Es ist ein Personenkonto, wie ein Namenkonto, das man halt aus Diskretionsgründen angelegt hat. Ein Kind der Zeit, das war damals so üblich, heute macht man das aber nicht mehr“, so der Zeuge in Vaduz.

Und dann wieder die obligatorische Frage nach Ernst Plech. „War Kommerzialrat Plech bei einer Besprechung mit Herrn Meischberger und Ihnen dabei, als es um C-Quadrat-Aktien ging?“ „Meiner Erinnerung nach hat er mir Herrn Plech mal kurz vorgestellt, bei dieser Besprechung war er aber nicht dabei“, so der Zeuge, der auch einen kräftigen Seitenhieb an die Staatsanwaltschaft parat hat: „Ich habe keine Abschrift vom Protokoll meiner Aussagen erhalten, aber zwei Tage später ist das dann in den Medien gestanden. Das ist nicht in Ordnung.“

Mehr wolle er zu den Medienberichten und zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft nicht sagen, „sonst wird das emotional…“

Am Nachmittag war dann eine Mitarbeiterin der Compliance Abteilung im Zeugenstand. Natürlich ging es einmal mehr um die Zuordnung des Kontos „Karin“, das aufgrund der alleinigen Unterschrift Ernst Plechs bei der Kontogründung seitens der befassten Bankmitarbeiter eben Plech zugeordnet worden war, während Walter Meischberger sagt, dass sämtliche drei zur Rede stehenden Konten, also „Walter“ (400.815), Natalie sowie Karin immer in seiner Verfügungsgewalt waren, das Geld auf dem Konto Karin von Plech nur treuhändisch verwaltet wurde.

An den unterschiedlichen Sichtweisen hat sich auch heute, am 125. Verhandlungstag, nichts geändert.

Bei einer Besprechung am 2.10.2009 habe Meischberger (nach seiner Selbstanzeige) der Hypo Investmentbank Liechtenstein eröffnet, dass das Geld nicht aus Immobiliengeschäften in Osteuropa stammte, sondern aus der Buwog-Provision. Weiters eben, dass das Konto Karin in Wahrheit von Anfang an ihm gehörte. Aufgrund der übereinstimmenden Angaben von Meischberger und Plech habe die Bank dann den Berechtigten des Kontos Karin von Plech auf Meischberger geändert.

Ziemlich schnell abgehandelt war am 125. Verhandlungstag das Thema Grasser und die entsprechenden Beschuldigungen durch die Staatsanwaltschaft. Es habe keinerlei Anzeichen gegeben, dass Karl-Heinz Grasser eines der Konten gehörte, wie die STA behauptet. Grasser sei kein Kunde der Bank gewesen sei, so die Zeugen.