HOCHEGGER: SCHON WIEDER EINE NEUE VERSION…

 

Am 127. Verhandlungstag war es wieder einmal soweit: Peter Hochegger wurde von der Vorsitzenden Richterin gebeten, in der Mitte Platz zu nehmen, und auf die kürzlich erfolgten Aussagen jenes Bankberaters eine Antwort zu geben, der seine, Hocheggers, Behauptungen zu Beginn des Prozesses ins Reich der Phantasie verwiesen hatte.

 

Zusammengefasst: Jener Bankberater, Christoph Wirnsperger, hatte als Zeuge unter Wahrheitspflicht ausgesagt, dass die Version Hocheggers, er hätte ihm anlässlich eines Treffens im September 2005 offenbart, dass in Wahrheit die Buwog-Provisionen auf die drei Personen Meischberger, Plech und Grasser aufgeteilt würden und dies durch einen Zettel, auf dem Namen und Kontonummern gestanden wären, optisch untermauert, nicht den Tatsachen entspricht. Wirnsperger: „Es gab genau zwei Treffen mit Hochegger im Jahr 2005, eines davon gemeinsam mit Meischberger. Beim Treffen mit Hochegger habe ich das weder gesagt, noch gab es dieses Blatt Papier. Und im Übrigen wäre das auch theoretisch gar nicht möglich gewesen, weil zum Zeitpunkt des Treffens mit Hochegger die genannten Konten noch gar nicht gegründet waren. Die Aussagen Hocheggers entsprechen nicht der Realität und es gab auch meinerseits zu Hochegger, den ich erst kurz kannte, kein Vertrauensverhältnis!“ Damit schmolz das so genannte Hochegger-Geständnis wie Schnee in der Frühlingssonne…

 

Hochegger selbst war diesem Zeitpunkt auf Kur – und hatte somit viel Zeit, über diese Wirnsperger Aussagen nachzudenken. Nun dazu von der Vorsitzenden Richterin befragt fiel Peter Hochegger eine neue Version der damaligen Begegnung mit dem Bankberater ein, die mittlerweile dritte (?) Variante.

 

Wie schaut die jüngste, auf die Wirnsperger Aussagen adaptierte Variante nun aus?

 

Ja, das Treffen mit Wirnsperger habe in seiner Wohnung stattgefunden, aber es habe ein weiteres Treffen am 22. oder 23. September gegeben (Dass Wirnsperger in dieser Zeit in Wien war, wurde anhand seines Terminkalenders an die Wand projiziert; Wirnsperger bestreitet, Hochegger ein weiteres Mal getroffen zu haben - Anmerkung), und da habe Wirnsperger ihm den Zettel gezeigt. Wesentlicher Unterschied zur bisherigen Aussage Hocheggers (…die inhaltlich nicht mehr haltbar ist, weil die Kontengründungen tatsächlich nachweislich viel später erfolgten - Anmerkung): Wirnsperger habe ihm auf dem Zettel offensichtlich nicht die Kontennummern gezeigt, sondern die Zahlen wären in Wirklichkeit die jeweiligen Provisionsanteile gewesen; die Gesamtzahl von über einer Million durch drei dividiert hätte auch eine jeweils sechsstellige Summe ergeben, gleich lang wie die Kontennummern…

 

Wie eine so fundamentale Verwechslung möglich ist (Kontonummern statt Geldsummen), noch dazu, wo Hochegger bei seiner ursprünglichen Darstellung den Inhalt des angeblichen Zettels ja selbst vor Gericht aufgezeichnet hat, und das Ganze ja offensichtlich wohl überlegt und entsprechend „vorbereitet“ war, ist halt eine andere (Glaubwürdigkeits)Frage. Naja, wenn selbst einige ihm durchaus sehr gewogene Personen im Großen Schwurgerichtssaal nur mehr milde den Kopf schütteln…

 

Zurück zu Hocheggers Replik: Er habe dann rein zufällig Wirnsperger 2018 in einem Hotel in Wien getroffen (was auch Wirnsperger in seiner Aussage anführte) und man habe einander gegenseitig das Bedauern ausgesprochen über die jeweils getätigten Äußerungen vor Gericht bzw. gegenüber Medien zum Thema (was offensichtlich Wirnsperger etwas anders sieht – Anmerkung). Wirnsperger habe ihm dabei auch eröffnet, dass er ohnehin „bereits Termine an das Gericht geschickt“ hätte. Hier hakt die Vorsitzende Richterin ein, dass das wohl nicht stimmen könne, weil zu dieser Zeit noch keinerlei Kontakt bzw. Terminvorschlag betreffend der Wirnsperger Befragung existiert habe…

 

Einfach zum Nachdenken sei hier abschließend eine Bemerkung dem Kurier vom 16. Jänner 2018 zitiert: 

 

„In dieser ersten Phase des Prozesses geht es nun vor allem darum, welche Version Peter Hocheggers die glaubwürdigere ist: Die des geläuterten Dealmakers, der alles verloren hat und reinen Tisch machen möchte - oder die des gewieften PR-Experten, der seine ehemaligen Mitstreiter ans Messer liefert, um sich selbst Vorteile zu verschaffen. Ein Geständnis gilt nämlich als Milderungsgrund.“