TAG 128: WICKI UND SEIN GEGENÜBER BEI RAIFFEISEN LIECHTENSTEIN

 

Es war in letzter Zeit im Prozess so viel von verändertem Zeitgeist und vor allem völlig neuer Gesetzeslage die Rede. Und von vielen Irrtümern, Fehlern, Schlampigkeiten oder auch alles zusammen. Genau dieser Spannungsbogen hat sich am 128. Prozesstag auch bei der ausführlichen Befragung eines damaligen Bankberaters der Raiffeisenbank Liechtenstein zu den Themenfeldern Konto Mandarin, Ferint und insbesondere der Rolle Norbert Wickis widergespiegelt.

Über die Usancen im Bankgeschäft und in der Vermögensverwaltung zur damaligen Zeit ging es; über angebliche Täuschungen, über Bareinzahlungen, Chauffeure, die Geld vorbei brachten; über Treuhandgeschäfte; über Banker, die sich von Geschäftspartnern aufs Glatteis geführt fühlten; über die Angst, als relativ kleine Bank vermögende Kunden zu verlieren; über die Macht als Betreuer wirklich vermögender Kunden; über Nachweise, dass der eine mit dem anderen nicht unter einer Decke stecke; über notwendige Entschuldigungen oder auch nicht; über nicht geprüfte Transaktionen; über das verlorene Vertrauen in Banken oder bestimmte Bankplätze; über das Gefühl, getäuscht worden zu sein, und dann trotzdem demjenigen, von dem man sich getäuscht fühlte, die Firma abkaufen zu wollen …

Vermittelt wurde ein Einblick in eine andere Welt, die mit den heutigen Usancen und Sorgfaltspflichten kaum mehr vergleichbar ist. Damals habe man sich mit plausiblen Erklärungen zufrieden gegeben, heute müsse man alle Dokumentationen einholen, müsse man zum Ursprung des Geldes gehen, hat das Publikum im Gerichtssaal vom Zeugen gelernt. Also nicht wirkliche Neuigkeiten. Und vor allem auch: Es werden die Rahmenbedingungen vor und nach der Subprime-Krise angesprochen – mit all ihren fundamentalen Änderungen; geänderte Rahmenbedingungen, die sich ja in Wirklichkeit durch den ganzen Prozess ziehen

Im Kern gab es einen mehrstündigen Einblick in die Geschäftsbeziehung (die mehr als zehn Jahre zurück liegt) zwischen einem Bankmenschen und einem Vermögensverwalter (der auch auf der Anklagebank sitzt).

Aber bei der konkreten Frage zum (ja wieder einmal) Schwiegermuttergeld inklusive Erlös und den Themen Ferint bzw. Mandarin (zentrale Themen der Staatsanwaltschaft bzw. der Anklage) inwieweit der Zeuge bei dem Konto Wahrnehmungen zu Karl-Heinz Grasser hatte, kam die Antwort: „Definitiv keine!“

Resümee des Tages 128: Eine Abrechnung eines Raiffeisen-Bankers mit dem Vermögensverwalter Norbert Wicki, von dem er sich in die Irre geführt fühlte, jedenfalls falsch informiert vor allem auch wegen fehlender Treuhandverträge, die von Wicki dann sofort nachgeliefert wurden. Wobei Wicki aber auch eine große Nummer gewesen sei, so der Raiffeisenbanker, und die Bank durch ihn an Kunden herangekommen sei, an die sie sonst nie gekommen wäre. Und: Der Zeuge hat sich dann selbstständig gemacht und Wicki gefragt, ob er seine Vermögensverwaltungsgesellschaft nicht (ihm) verkaufen wolle – das wollte dieser aber nicht. Irgendein schuldhaftes Verhalten von Grasser und Meischberger war trotz stundenlanger Befragung (wieder einmal) nicht zu orten…