TAG 129: IM WESTEN (LIECHTENSTEIN) NICHTS NEUES…

 

Im Fürstlichen Landesgericht zu Liechtenstein saßen die Zeugen am 129. Verhandlungstag, um ihre Wahrnehmungen zu schildern. Es geht um Konten bei der Liechtensteinischen Landesbank, es geht um Mandarin und die Private Asset Partners, abgekürzt PAPs, und es geht um Norbert Wicki.

 

Wie das gewesen sei in der Zusammenarbeit mit der Vermögensverwaltungsfirma W&L (steht für Wirnsperger und Ludescher, also das Unternehmen, das die Konten von Walter Meischberger betreut hat), und zwar was die Konten von Walter Meischberger betrifft, wird eine damalige Mitarbeiterin der Bank gefragt. 

 

Wirnsperger habe seine Vermögensverwaltung neu gegründet gehabt und der Liechtensteinischen Bank viele neue Kunden gebracht, so die Zeugin Sandra M. An viele Details könne sie sich nicht mehr erinnern, aber normalerweise seien die Kontoeröffnungsunterlagen vom Vermögensverwalter gekommen, die Bankbetreuer selber hätten kaum mit den eigentlichen Kunden direkt Kontakt gehabt. Bei inhaltlichen Angaben habe man sich auf den Vermögensverwalter verlassen. Heute sei das aufgrund der geänderten Gesetzeslage in Liechtenstein ganz anders.

 

„Wie war das mit den Barauszahlungen geregelt?“, fragt die Richterin nach.

 

Die Zeugin: „Christoph Wirnsperger musste als Vermögensverwalter Meischbergers eine Vollmacht vorweisen, dann wurden diese üblicherweise am Schalter getätigt.“

 

„Und wie war das, wenn Aktien auf das Konto eingeliefert wurden, wurde das überprüft und von wem?“

 

„Mein Gott, es ist echt schwierig die Abläufe von damals im Kopf zu haben, ich weiß es nicht mehr“, so die Zeugin – der es im Übrigen wie vielen anderen Zeugen geht, die über zehn bis 15 Jahre zurückliegende Details befragt werden…

 

Die Vorsitzende Richterin: „Wenn Sie’s nicht mehr wissen, wissen Sie’s nicht mehr…“

 

Und weil in den letzten Wochen so oft das Thema kleinerer und größerer Bankfehler im Mittelpunkt stand (und sich viele auch Jahre oder Jahrzehnte danach schwer damit tun, eventuell Fehler einzugestehen): Auch heute gab es dazu die eine oder andere Frage. 

 

Zum Beispiel, wie es möglich gewesen sei, dass auf einer Kontounterlage ein falsches Geburtsdatum Meischbergers eingetragen war?

 

„Normalerweise hätte uns das schon auffallen müssen“, so die Zeugin. Und dass bei einer Unterlage die private Adresse von Kommerzialrat Plech nicht angeführt war? „Eigentlich hätte diese schon angeführt sein müssen…“

 

Die Zuhörerschaft im Gerichtssaal lernt: Auch Liechtensteinische Banker sind nicht unfehlbar…

 

WICKI ÜBER DEN RAIFFEISEN BANKER VOM TAG 128: „ICH HÄTTE IHN HINTERS LICHT GEFÜHRT UND ER WOLLTE SPÄTER BEI MIR ANGESTELLT WERDEN. WIE GLAUBHAFT IST DAS DENN?“

 

Ein kurzes Gastspiel lieferte ein weiterer Vermögensverwalter, sowohl heute als Zeuge, als auch damals, 2006, als Chef der (von Norbert Wicki bzw. seiner Vermögensverwaltungsgesellschaft PAPS gegründeten) Mandarin: „Ich war 2006 für ca. fünf Monate als Direktor der Mandarin eingetragen, die auch an mich übertragen wurde. Ich sollte mich um einen russischen Kunden als Treuhänder kümmern, das Geschäft ist aber nicht zustande gekommen, weil ich mir nicht sicher war, ob das sauber abläuft“, so der Zeuge.

 

Dann, nach ein paar Monaten, sei die Mandarin wieder an Wicki übertragen worden, in seiner Zeit als Direktor sei kein einziges Geschäft zustande gekommen. Das habe auch die Beziehung zwischen ihm und Wicki getrübt und man habe sich dann aus den Augen verloren.

 

Der Staatsanwalt spürt dabei offensichtlich die Gelegenheit, die Glaubwürdigkeit Wickis zu hinterfragen und hakt beim geplanten „Russen-Deal“ nach. Allerdings wenig ergiebig.

 

Apropos Glaubwürdigkeit von Norbert Wicki: Am vorhergehenden Verhandlungstag (Tag 128) war ein ehemaliger Banker von Raiffeisen Liechtenstein „zu Gast“,  der so einiges nicht gerade Vorteilhaftes aus seiner Wahrnehmung über Wicki erzählte. Es seien sämtliche Sicherheitsnetze gerissen, er habe sich von Wicki getäuscht gefühlt, Wicki habe ihm erst später etwas gebeichtet und er, der Bankberater, sei aus allen Wolken gefallen…

 

Bei den Aussagen des gesprächigen Bankers ging es immerhin um ein ganz wesentliches Thema des Prozesses, nämlich auch um die Mandarin und das Konto „400.815“.

 

Norbert Wicki heute dazu in einer Replik: „Ich halte an meinen bisherigen Ausführungen uneingeschränkt fest, diese entsprechen der Wahrheit.“

 

Er, Wicki, könne die Aussagen des Zeugen vielfach nicht nachvollziehen und weise sie zurück, weil diese nicht stimmen würden. Die Wahrheit sei, dass der Banker mehrere Probleme in der Bank gehabt habe und gekündigt wurde. Genau dieser Banker, den er, Wicki, angeblich hinters Licht und auf‘s Glatteis geführt haben soll, habe bei ihm wegen einer Anstellung angefragt und wollte immer wieder mit ihm Geschäfte machen. „Will das wirklich jemand mit einem Partner machen, von dem er sich vorher hintergangen gefühlt hat?“, stellt Wicki abschließend wohl nicht ganz unberechtigt die rhetorische Frage an die Richterin…

 

WENIG ERINNERUNG…

 

Weiter ging es am Tag 129 mit einer damals Compliance Verantwortlichen der Raiffeisen Liechtenstein: Ihre Erinnerung sind „nicht-profilkonforme Transaktionen“ und „unwahre Angaben“, weil Herr Wicki das Konto für andere Transaktionen nutzte, als ursprünglich angegeben. Und wieder sind wir beim Thema Bankfehler: Ob die Bank gegenüber Herrn Wicki einen Bankfehler eingestanden habe, wird die Zeugin gefragt. Die Zeugin beruft sich wieder auf den Raiffeisenbanker vom Tag 128 – der davon gesprochen habe, dass Wicki die Bank angelogen hätte – sich jedoch später bei Wicki um einen Job bemühte, wie dieser heute betonte. 

 

Auch an die Aussage des Bankers vom letzten Verhandlungstag, dass der Verdacht bestanden habe, er und Wicki steckten unter einer Decke, und dies sei durch ein mitgeschnittenes Telefonat entkräftet worden, kann sich die damalige Compliance Leiterin nicht erinnern, wie auch an andere Dinge nicht.

 

Nächster Zeuge (der relativ spät in die ganze Problematik bei Raiffeisen Liechtenstein eingestiegen war) zur Kontobeziehung zwischen Raiffeisen Bank und Mandarin und PAPs: „Jede Menge Ärger hat das gebracht!“ Mit Grasser und Co. habe er nie zu tun gehabt, nur mit Wicki. Er selbst sei relativ spät dazugekommen, als „das Kind schon in den Brunnen gefallen“ war und es um die Aufarbeitung gegangen sei…