TAG 130: WENIG ÜBERRASCHEND: BANKEN MACHEN KEINE FEHLER…

 

Es ist der 130. Verhandlungstag. Nunmehr sind also zwei Jahre Hauptverhandlung absolviert, und wie es aussieht, dauert es nochmals etwa vier Monate, bis es zu einem Urteil kommt. Und diesen zwei Jahren gingen, das darf man nicht vergessen, Erhebungen seit dem Herbst 2019 voraus. Also ist das Leben der Hauptangeklagten seit bereits mehr als zehn Jahren massiv vom Buwog-Verfahren beeinträchtigt. 

 

Zurück zum Tag 130 also: Es geht zunächst wieder um das damalige geschäftliche Umfeld des ebenfalls Angeklagten Norbert Wicki, und somit um Mandarin und PAPs. Die Zeugin Sybille R. soll schildern, woran sie sich rund um Mandarin, PAPs und Kontoeröffnung erinnern kann. Sie zählt zu den „Hoffnungs-Zeugen“ all jener, die den Erstangeklagten nicht so gut gesinnt sind; also vor allem auch der Ankläger. 

 

Doch die Hoffnung weicht rasch der Realität: Sybille R. war etwa 15 Jahre bei der Vermögensverwaltungsgesellschaft PAPs beschäftigt und ist 2015 ausgeschieden. „Erinnerungen allgemein aus dieser Zeit?“, wird sie gefragt. „Wenig bis nichts mehr“, ihre Antwort. Und ob sie aus dieser Zeit Grasser und Meischberger kenne. „Nein!“

 

Was sie zu einem Kreditvertrag Meischberger-Mandarin, datiert mit 5. Dezember 2997, sagen könne? „Ich weiß nichts mehr zu diesem Vertrag.“

 

Es geht auch um sehr private Dinge, hier im Berichtssaal, beispielsweise ob sie damals ein Verhältnis mit Herrn Wicki hatte. „Ja“, sagt sie, aber den genauen Zeitraum wisse sie nicht mehr, sie habe darüber nicht Buch geführt…

 

Die Mandarin nimmt eine ganz wichtige Rolle in der Anklageschrift ein. 500.000 Euro wurden 2007 beispielsweise auf dieses Konto von einem mittlerweile ebenso berühmten Konto, dessen Namen die halbe Nation kennt, überwiesen. Und ebenso ein Jahr später mehr als 138.000 Aktien der Meinl International Power: Es ist das Konto „400.815“, auch „Walter“ genannt. Die Anklage ordnet dieses Konto Karl-Heinz Grasser zu, der bestreitet das ebenso wie Walter Meischberger, der sagt, dass das immer sein Konto war – und er führte im Rahmen der Hauptverhandlung gute Gründe an, warum das seine Richtigkeit hat.  Und auf das Mandarin Konto sind auch mehr als 780.000 Euro überwiesen worden – das „Schwiegermuttergeld“. Wicki argumentiert, dass Gelder mehrerer Kunden auf einem Konto geparkt wurden, sei nichts Ungewöhnliches gewesen. Und Wicki Betreutet eine Vielzahl prominenter bzw. finanziell potenter Kunden, unter anderem auch Grassers Schwiegermutter, aber auch dessen Gattin.

 

Wir sind wieder bei der Zeugin, die betont, dass sie in all den Gesellschaften Wickis im Verwaltungsrat gesessen sei. Ansonsten weist sie darauf hin, wie zahlreiche andere Zeugen vor ihr auch, dass 2007 schon lange her sei, sie sich nicht mehr erinnere. Etwa wenn sie Aktnotizen aus dieser Zeit erläutern soll…

Der zweite Zeuge Gerhard L., ein ehemaliger Direktor der Hypo Investment Bank Liechtenstein, erinnert sich an mehr. Bei seiner Befragung geht es neuerlich um den Bankfehler, der der Hypo laut Walter Meischberger bei der Gründung des Kontos Karin passiert sei. Für die Bank sei das Konto ein Plech-Konto gewesen, der ja als Kontoinhaber eingetragen war, sagte der Zeuge wenig überraschend. Die Bank habe das aber - nach einer Bestätigung durch Plech - geändert. Ob der Bank da ein Fehler unterlaufen sei? „Nein!“

 

Beim klärenden Gespräch in der Bank im Oktober 2009, knapp nachdem Meischberger und Hochegger ihre Selbstanzeigen erstellt hatten, sei es „drunter und drüber“ gegangen und es hätte ihn vom Hocker gehauen. Mit dieser Diktion sicherte sich der Zeuge jedenfalls viel Platz in der Medienberichterstattung.

 

Walter Meischberger sei mit seinem Anwalt gekommen und er habe erklärt, dass die Millionen auf seinen Konten aus Provision für den Verkauf der Bundeswohnbaugesellschaften stammten, und nicht wie ursprünglich angegeben aus Immobiliengeschäften in Osteuropa.

 

„Hätten wir das gewusst, hätten wir diese Geschäftsverbindung wahrscheinlich nicht gemacht“, sagt der Zeuge. Er sagt nicht, hätten wir nicht gemacht, sondern hätten wir wahrscheinlich nicht gemacht…