TAG 139: DER ZEUGE HANNES ANDROSCH UND DAS FEHLENDE PROTOKOLL

 

Ein großer Name, der stets gerne von den Medien kontaktiert wird, wenn man einen „Sager“ braucht, war am 139. Verhandlungstag im Zeugenstand: Dr. Hannes Androsch. Musste er zunächst lange auf seinen Auftritt warten, so gestaltete sich seine Aussage relativ kurz und bündig. Und war wohl die nächste Enttäuschung für die Ankläger.

 

Es habe vor etwa drei Jahren eine Einvernahme bei der Staatsanwaltschaft gegeben, wovon er aber kein Protokoll erhalten habe. Diese Aussage sei die valideste zum Thema Buwog, dieser habe er nichts hinzuzufügen. Diese Aussage solle das Gericht als Grundlage nehmen, zumal seine Erinnerung an das Ganze nicht dichter geworden sei in den letzten Jahren.

 

Das Problem: Niemand hat beim heutigen Verhandlungstermin Kenntnis von dieser Einvernahme bzw. von dem von Androsch angeführten Protokoll: Die Richterin nicht, die Staatsanwaltschaft nicht, die Verteidiger nicht. Es ist zwar laut Androsch die „valideste Aussage“, aber nicht existent…

 

Die Richterin versucht es mit der Befragung zu Aussagen aus älteren Einvernahmen, u.a. dass er die Privatisierung der Bundeswohnbaugesellschaften durch Grasser nicht goutiert habe. „Das war keine Zeugenaussage, sondern eine Beurteilung. Ich kann keine zeugenschaftliche Wahrnehmung wiedergeben. Ich sitze hier als Zeuge und nicht als jemand, der seine Meinung wiedergeben soll, ich bin kein Meinungsverbreiter“, antwortet Androsch, einer der Vorgänger von Karl-Heinz Grasser Androsch war Finanzminister von 1970 bis 1981).

 

Worum geht es im Kern? Der frühere Generaldirektor der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Ludwig Scharinger, mit dem Androsch „ein gutes Verhältnis hatte“, soll ihm, Androsch, im Zuge eines Meetings, bei dem es inhaltlich um ganz andere Themen ging, einmal eröffnet haben, dass die Raiffeisenbank OÖ beim Buwog-Deal keine Zahlungen getätigt hätte, und dass Plech ein „Angebot“ gemacht hätte. 

 

Androsch: „Das mit Plech kann ich nicht bestätigen, und dass keine Zahlungen getätigt wurden, hat Scharinger erwähnt. Wirst ja wieder gelesen haben, aber wir haben damit nichts zu tun, haben nichts geboten, um zum Zuschlag zu kommen, hat er mir gesagt.“

 

Ob etwas gefordert wurde, fragt die Richterin. „Das weiß ich nicht, ich war ja nicht beteiligt an diesem Deal“, so Androsch. Jedenfalls sei dieses kurze Gespräch mit Scharinger bei diesem Treffen eine Randerscheinung gewesen.

 

Die Richterin kommt nochmals auf die ominöse Aussage bei der Staatsanwaltschaft zurück, laut Androsch die „valideste“ von insgesamt drei bis vier, die aber keiner kennt: „Haben Sie bei dieser Aussage was anderes gesagt als bei früheren Aussagen?“

 

Androsch: „Daran kann ich mich nicht mehr erinnern!“