EINBLICKE IN DIE DAMALIGE IMMOFINANZ UND GANZ PERSÖNLICHE SCHLUSSFOLGERUNGEN…

 

Den 142. Verhandlungstag „eröffnete“ ein ehemaliger Immofinanz Mitarbeiter mit seinen Antworten auf die richterlichen Fragen. 

 

Er selber habe die Transaktion nicht betreut, das wäre Frau Postl gewesen (die bereits mehrmals als Zeugin im Buwog Verfahren aufgetreten ist), quasi im „stillen Kämmerlein ohne zu sagen, woran sie arbeite“. Postl selbst hat sich bei ihrem ersten Zeugentermin am 98. Verhandlungstag selbst als „One-Woman-Show“ bezeichnet.

 

Kurzer Rückblick: Die ursprünglich belastenden Aussagen von Martina Postl, die nach eigener Aussage nach dem Deal gerne Geschäftsführerin der Buwog geworden wäre, aber „ausgelacht“ worden sei, stehen argumentativ im Fokus der Anklage. Sie entpuppten sich dann aber nach intensiver Nachfrage der Richterin am 99. Verhandlungstag sukzessive als Zeitungswissen (und somit unbrauchbar)

 

Konkret hinterfragt wurde da am 99. Verhandlungstag die Kernaussage (die für die Ermittler Goldes wert schien): „Ich bin davon ausgegangen, dass Hochegger mit jemandem vom Finanzministerium teilen musste…“ 

 

„Hatten Sie dazu konkret eine Wahrnehmung?“, hakte die Richterin ein. Martina Postl: „Es war eher eine Vermischung, was dann in den Zeitungen stand…“

 

Richterin Hohenecker gab sich damit nicht zufrieden, wollte es ganz konkret wissen: „Woher stammt die Information, hat Ihnen das jemand erzählt?“

 

Martina Postl: „Es war reines Zeitungswissen! Ich hatte diese Wahrnehmung nicht aus dem Gespräch mit Mag. Thornton!“

 

„ZEHETNER MEINTE, ER WERDE MICH WOHL VERWECHSELT HABEN…“

 

Zurück zum 142. Verhandlungstag: Postl hätte das (Finanzierung des Buwog Deals) laut dem heutigen Zeugen jedenfalls komplett alleine gemacht. Irgendwann („sie ist wohl nicht im Frieden geschieden…“) habe sie dann ein paar Ordner auf den Tisch gestellt mit der Bemerkung „das gehört euch!“. Ab da habe man vom Engagement gewusst…

 

Nachdem der Zeuge seinen damaligen Chef Karl Petrikovics charakterisieren durfte („fachlich eine Koryphäe, menschlich schwierig…“) kommt die Richterin auf die Aussagen Eduard Zehetners vom Vortag, der den heutigen Zeugen ja als einen seiner Informanten für die gestrigen Aussagen genannt hatte (und der wiederum von Teilen der Medien, insbesondere der APA, als „belastend für mehrere Angeklagte“ abgefeiert wurde), zurück.

 

Der Zeuge dazu: „Ich habe Zehetner nichts gesagt, und Zehetner hat dann gemeint, er werde mich wohl verwechselt haben.“ Er selber kenne niemanden, der das Angebot der CA Immo gekannt habe, von einer Provisionsvereinbarung habe er Zehetner auch nichts gesagt…

 

Womit man wieder auf der Ebene gelandet ist, die für den ganzen Prozess nahezu typisch erscheint: Mutmaßungen, Behauptungen, Vermischungen, Zeitungswissen…

 

„DAS WAR MEINE GANZ PERSÖNLICHE SCHLUSSFOLGERUNG!“

 

Am Nachmittag wurde ein weiterer ehemaliger Immofinanz-Mitarbeiter befragt. Ihm ist die mittlerweile berühmte 9,9 Mio. Euro Rechnung aufgefallen. Er war (nur) für die Buwog zuständig, die Frage der Richterin, ob ein Teil der Provision gegenverrechnet wurde (also an das OÖ Konsortium) kann er nicht beantworten. 

 

Sehr wohl weiß er, dass die ESG (das ist jene Gesellschaft, auf die das Land Kärnten ein Vorkaufsrecht hatte, dieses aber nicht zog) ein „Geschäft“ gewesen sei; ausgerechnet das „ungeliebte Kind“, das zu Beginn keiner der Bieter wollte…

 

Und wieder die Frage, wie Karl Petrikovics, damals Immofinanz CEO, und nunmehr auch Angeklagter, als Chef so gewesen sei. Der Zeuge spricht von einer „anspruchsvollen Arbeitsbeziehung“. Der Chef habe hohe Ansprüche gestellt, sei aber auch großzügig gewesen in Form hoher Vergütungen, wenn die Leistung gepasst hat. Der andere Vorstand, Christian Thornton, damals CFO, heute auch Angeklagter, habe ihm später einmal gesagt, dass der Vorsprung von einer Million kein Zufall gewesen sei. Sagt der Zeuge. Die Richterin hakt nach: „Hat Ihnen Thornton das so gesagt, dass der Zuschlag ans Österreich-Konsortium kein Zufall war?“

 

Der Zeuge: „Ich kann mich an die konkrete Formulierung nicht mehr erinnern, auch nicht an den konkreten Moment…“ Er sieht seine Schlüsse im Zusammenhang mit der Rechnung, aber „nix Konkretes weiß er nicht“, wie es so schön heißt. Und dass die einzig relevante Information, die jemand von außen der Immofinanz beschaffen hätte können, die Höhe des Bestanbots gewesen wäre, wie er früher den Ermittlern erzählt hatte, sei seine ganz persönliche Schlussfolgerung gewesen. Also wir sind wieder mal auf der Ebene der Mutmaßungen gelandet…