EX CA IMMO-VORSTAND ZÜNDET BOMBE: VORSTANDSPROTOKOLL BEWEIST, DASS CA IMMO NACH ERSTER RUNDE ÜBER KONKURRENZOFFERTE INFORMIERT WAR

 

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Dieser alte Spruch bewahrheitet sich ausgerechnet am 144. Hauptverhandlungstag in ganz besonderer Art und Weise. Waren Vertreter der CA Immo als Zeugen geladen, und somit vermeintlich eine sichere Bank für die Anklage, so legte der frühere CA Immo Finanzvorstand Wolfhard Fromwald ein Vorstandsprotokoll vom 8. Juni 2004 vor (nach der ersten Anbotsrunde und vor dem Last and Final Offer), in dem sich ein höchst bemerkenswerter Absatz findet:

 

„Übereinstimmend wird festgehalten, dass eine signifikante Annäherung des Anbotspreises nicht notwendig erscheint, nachdem laut informellen Informationen das Anbot der CA Immo AG deutlich über dem Anbot des österreichischen Konsortiums und dort auch zumindest knapp 3% über dem Anbot des Zweitbieters liegen dürfte…“

 

 

Und in einem darauf folgenden Aufsichtsratssitzungs-Protokoll steht schwarz auf weiß: „Aufgrund einer zwischenzeitig eingelangten informellen Information dürfte die CA Immo das beste Angebot abgegeben haben. Weitere Anbote kamen von den Mitbewerbern Conwert/Blackstone und dem Österreich-Konsortium.“ 

 

 

Und weiters: „Es folgt eine weitere Diskussion über das mögliche Verhalten der Mitbewerber und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat kommen zu einhelligen Auffassung, dass ein erhöhtes Gesamtanbot … in Höhe von rund EUR 960 Mio. die Chance bietet, auch in der nunmehr letzten Runde Bestbieter zu sein.“

 

Die Vorsitzende Richterin Mag. Hohenecker konfrontiert den unter Wahrheitspflicht stehenden Zeugen damit. Der spricht von einer Zahl, die es damals gegeben hätte, nämlich was die Immofinanz geboten habe. Die sei ‚nicht ganz unglaubwürdig‘ gewesen, so der damalige CA Immo Finanzchef. Es sei seiner Erinnerung nach um 870 Millionen Euro gegangen…

 

„DEFINITIV HABEN WIR ERFAHREN, DASS WIR VORNE GELEGEN SIND!“

 

In einer früheren Zeugenaussage ergänzt er, dass seines Wissens nach auch das Österreich-Konsortium ‚in etwa von unserer Anbotshöhe informiert‘ gewesen sei. Aber das könnte auch aus einer Vermischung mit Medienberichten entstanden sein. Fromwald: „Definitiv hatten wir erfahren, dass wir vorne gelegen sind. Von wem genau weiß ich nicht mehr, aber es gab damals eine Menge an Rumors (Anmerkung: Gerüchte)!“

 

Die CA Immo hatte sich beim Last and Final Offer für 922 Mio. Euro entschieden, dazu kamen noch die Transaktionskosten. Ergab ein Gesamtinvestitionsvolumen von 960,65 Mio. Euro. 

 

Zeuge Wolfhard Fromwald: „Warum es gerade 960 Millionen wurden, weiß ich auch nicht mehr, es hätten genauso 970 sein können. Dass man angeblich seitens Lehman Brothers daraus geschlossen hatte, dass die CA Immo nicht weiter gehen hätte können, ist falsch, wir hätten weiter gehen können!“

 

INFORMELLE INFORMATIONEN ÜBER DIE KONKURRENZ: WAR SICH CA IMMO ZU SICHER?

 

Das Ganze gibt dem Prozess doch eine deutliche Wende. Die ganze Anklage bezieht sich darauf, dass dem Österreich-Konsortium der Anbotspreis der CA Immo „verraten“ worden sein soll.

 

Anmerkung: wobei noch immer die bis dato nicht beantwortete Frage blieb, warum die CA Immo in der zweiten Runde nicht mehr geboten hat. Aus verschiedensten neuesten Aussagen von Zeugen, beispielsweise auch am heutigen Tag, wurde klar herausgearbeitet, dass die letztendlich gebotenen 960,1 Millionen nicht die maximale Obergrenze gewesen sind, durchaus auch ein höherer Betrag finanzierbar gewesen wäre.

 

Die Frage, die sich seit heute, nach Auftauchen der bisher geheimen CA Immo Protokolle, stellt: War sich die CA Immo aufgrund „informeller Informationen“, welche die CA Immo nach der ersten deutlich vor der Konkurrenz sahen, zu sicher, den Vorsprung auch locker nach dem Last and Final Offer ins Ziel zu bringen?“

 

Aussagen des damaligen Finanzvorstandes („Wir hätten durchaus auch mehr bieten können, 960 waren mehr oder weniger zufällig!“) lassen durchaus darauf schließen…

 

Jedenfalls gab es damals eine Menge „Rumors“, wie der damalige CA Immo Chef heute betonte, und diese CA Immo hatte offensichtlich beste Zugänge zu Informationen (auch) über die Konkurrenz und deren Offerte. Es gab Informationsflüsse, die man in Unternehmensprotokollen erst gar nicht verheimlichte. Zahlen waren im Umlauf - und das in einem nicht-öffentlichen Verfahren! 

 

DIE WKSTA-SCHLUSSFOLGERUNGEN GEHEN AN DER REALITÄT VORBEI…

 

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft hat diese Tatsachen zur Seite geschoben. Sie müsste eigentlich die heute von einem Zeugen aus der direkten Quelle präsentierten Protokolle und Aussagen schon längst kennen. Alles andere ist unrealistisch. Aber diese Papiere und diese Zitate finden sich nicht in den Prozess-Unterlagen.

 

Für Prozessbeobachter ist dieses Faktum alles andere als überraschend, denn sie passen nicht ins Drehbuch, sie sind quasi heute passiert. Sie stehen diametral gegen die Kernaussage in der Anklageschrift, dass nur Karl-Heinz Grasser diese Informationen weitergegeben haben könne. 

 

Die Einträge im Protokoll des Vorstandes der CA Immo vom 8. Juni 2004 sowie des Aufsichtsrates der CA Immo vom 11. Juni 2004 werfen nun ein völlig neues Licht auf die Geschichte. Die Kernaussage der Anklage ist nicht mehr haltbar. 

 

Am Tag 144 wurde bestätigt, was mehrere Zeugen schon an früheren Verhandlungstagen ausgesagt haben, nämlich dass so manche Zahl schon frühzeitig am Markt bekannt gewesen sei. Zeuge Fromwald nannte es „Rumors“ oder eben informelle Informationen. Tatsächlich dürfte es im Sinne der Aussage Zehetners durchaus viel Gerede im Markt gegeben haben. Und den Umlauf ganz konkreter Zahlen…

 

BANK AUSTRIA CREDITANSTALT WAR HOCHGRADIG AM DEAL INTERESSIERT UND SEHR ENGAGIERT

 

Im Jahr 2002 war die frühere Creditanstalt (ehemals größte Bank des Landes) mit der Bank Austria fusioniert worden und firmierte fortan unter dem neuen Namen Bank Austria Creditanstalt (später wurde das Creditanstalt eliminiert). Die CA Immo war 1987 gegründet worden (aufgrund der Geschäftsidee von Karl Petrikovics, wie im Internet zu lesen ist). Was die CA IB (CA Investmentbank) betrifft, so wurde diese 2007 von der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) zur „UniCredit Markets & Investment Banking“ umgestaltet.

 

Zu Beginn des Prozesses wurde immer wieder peinlichst betont, dass die Rolle der Bank Austria im Rahmen des Kaufprozesses der Bundeswohnbaugesellschaften eine klar abgegrenzte gewesen sei. Mit klaren Entscheidungsbefugnissen beim CA Immo Vorstand bzw. dem CA Immo Aufsichtsrat.

 

Auch dieses Bild kam in den letzten Tagen zusehends ins Wanken. Die Bank Austria sei der Treiber des Deals gewesen, hat erst vor wenigen Tagen ein damaliger Insider vor Gericht als Zeuge ausgesagt. Und auch der heutige Zeuge und damalige Finanzvorstand Fromwald gab recht ähnliche Signale:

 

„Wir hatten ursprünglich große Bedenken, ob wir das stemmen können. Es war aber sehr bald klar, dass die Bank Austria großes Interesse an der Finanzierung hatte, das war doch ein großes Kreditvolumen. Und es gab auch seitens der Bank Austria keine Vorgaben eines maximalen Finanzierungsbetrages. Wo deren effektive Grenze gewesen wäre, weiß ich nicht!“

 

VERNETZTE AUFGABENVERTEILUNG 

 

Dieses doch sehr deutliche Bild zeichnet also der ehemalige Finanzchef der CA Immo aus dieser Zeit, und zeigt auch wie vernetzt tatsächlich die Aufgabenverteilung war. So kam es schon einmal vor, dass ein Finanzierungsexperte der Bank Austria auch gleich einen 15-seitigen Aufsichtsratsantrag der CA Immo formulierte. 

 

Zahlreiche Bank Austria Mitarbeiter waren ohnehin an der Aufbereitung der Finanzierungsvariante beschäftigt, erklärten durchaus dann auch Details im Rahmen der CA Immo Vorstandssitzungen, wie ein anderer Ex CA Immo Vorstand erläuterte. Und mit mindestens drei Entscheidungsträgern war man im CA Immo Aufsichtsrat auch bei Entscheidungen sehr stark vertreten.

 

Dementsprechend war es logisch, dass auch ein gewisser Anteil an Bank Austria Mitarbeitern durchaus über Details des geplanten Ankaufs der Bundeswohnbaugesellschaften informiert war.

 

Erst vor wenigen Tagen, am 141. Hauptverhandlungstag hatte der frühere Immofinanz-Chef Eduard Zehetner als Zeuge betont, wie es aus seiner Erfahrung in Banken zugehe: „Da wird geredet, geredet, geredet. Banker leben auch vom Informationsaustausch…“

 

ES GAB DIE BANK AUSTRIA CREDITANSTALT, DIE CA IMMO UND DIE CA IB

 

Eine bis dato offene Frage ist und war, wie weit die Rolle der CA IB bei diesem Deal ging. Offiziell war hier immer von absoluten Chinese Walls die Rede. Die CA IB hatte sich als Investmentbank um das Mandat für die Privatisierung der Bundeswohnbaugesellschaften beworben, war dann zwar unterlegen, war aber dann anschließend doch als Subauftragnehmer von Lehman involviert – und somit auch bestens informiert.

 

Heute kam dann bei der zweiten Zeugenbefragung (des Gründungsvorstands der CA Immo) ein bemerkenswertes Detail zur Sprache. Der Zeuge war sich zwar nicht ganz sicher, aber hat jedenfalls angenommen, dass die CA IB in der Angebotsphase auch seitens der CA Immo ein Mandat zur Beratung erhalten habe. Ob mit oder ohne entsprechenden Vertrag wisse er nicht mehr.