TAG 145: ZEUGE SIEHT WIEN „ALS BEMERKENSWERTEN PLATZ, WAS VERTRAULICHKEIT UNTER BANKEN BETRIFFT…“

Ehemalige leitende Bankmanager aus der damaligen Bank Austria sind heute am Wort. Den Anfang macht Michael Mendel, ehemals Aufsichtsrat der BA und Leiter des Risikoausschusses (und im Hauptberuf Vorstand der Bank Austria Mutter HypoVereinsbank in München). Für den Erwerb der Bundeswohnbaugesellschaften sei aus Vertraulichkeitsgründen ein untypisches Kleingremium gebildet worden, sagt Mendel, der erst kurz vor Abgabetermin in der ersten Runde den Preis erfahren haben und den Kreditantrag unterschrieben haben will.

 

Ob es darüber Protokolle gebe? „Müsste es eigentlich geben“, sagt der Zeuge, der betont, über Details der Transaktion nicht Bescheid gewusst zu haben. Und der sich auch an konkrete Zahlen nicht mehr erinnert. Ob es eine Zusatzermächtigung für den CA Immo Vorstand in Höhe von 40 Millionen gegeben habe? „Daran habe ich keine Erinnerung!“

 

Ob man ihn nach der ersten Runde angerufen habe, dass das Angebot nachgebessert werden müsse? Keine Erinnerung… Mendel erinnert sich allerdings an eine „gewisse Aufregung, Unverständnis, Verärgerung im Haus“, dass man nicht gleich den Zuschlag erhalten habe.

 

Ob die mittlerweile berühmten 960 Millionen eine Obergrenze darstellten? „Ich gehe davon aus, weiß aber nicht mehr dazu!“, sagt der Zeuge, der Teil des kleinen Exekutivkomitees war…

 

Kürzlich hatte der ehemalige Immofinanz Chef Zehetner gemeint, seine Lebenserfahrung in 40 Jahren Management hätte ihn gelehrt, wie es in Banken zugeht, da „wird geredet, geredet, geredet. Banker leben auch vom Informationsaustausch…“

 

WAS BANKMANAGER BESPRACHEN WAR AM NÄCHSTEN TAG IN DEN MEDIEN…

 

Mendel war nicht so weit weg von Zehetners Eindrücken, sagt heute, er habe zwar keine Wahrnehmungen zu Informationsabflüssen gehabt, jedenfalls hätten die Vorstände über Jahrzehnte bewiesen, wie „dicht sie sind“. Er, der in Deutschland tätige Bankmanager, sei aber in Österreich immer wieder überrascht gewesen sei, dass etwas, das Bankmanager an einem Tag besprachen, am nächsten Tag in den Medien zu lesen war…

 

In früheren Aussagen vor dem Staatsanwalt sagte der Zeuge auch, dass Wien ein „bemerkenswerter Platz sei, was Transparenz von vertraulichen Informationen betrifft“. Man habe unter Banken  Vertraulichkeit vereinbart, aber man hätte immer wieder erlebt, dass die Informationen frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangten…

 

DER KREIS WAR DANN DOCH NICHT SO KLEIN…

 

Der Zeuge betont immer wieder, dass alles sehr kleingehalten wurde. „Wie viele Leute könnten bei dem Deal zugearbeitet haben?“, fragt dann Grasser-Verteidiger Norbert Wess. „Auf Seiten der Bank Austria zwischen zehn und 15 Leuten“, sagt der Zeuge und räumt damit ein, dass das doch nicht ein so kleiner vertrauter Kreis gewesen sei, dazu würden auch noch beispielsweise Sekretariate kommen – und auch noch Mitarbeiter bei der CA Immo…

 

„Wie sind Sie informiert worden, wenn das nicht per E-Mail geschehen ist?“, fragt der Verteidiger, „sie saßen ja in München!“ Mendel: „Das kann ich nicht mehr sagen!“

 

ZEUGE RANDA: „DAS VERFAHREN HAT MICH EIGENTLICH NICHT SO INTERESSIERT“

 

Gerhard Randa war auch eine große Nummer im österreichischen Bankwesen. 2004, als sich die Bank Austria um die Finanzierung des Kaufs der Bundeswohnbaugesellschaften bemühte, war Randa im HVB-Vorstand in München tätig und Bank Austria Aufsichtsrats-Chef. Randa war auch im Kreditausschuss. Bei der „Buwog“ (Anmerkung: nahezu alle sprechen immer von Buwog wenn es um die Bundeswohnbaugesellschaften geht) sei es wie bei den meisten Krediten gewesen – durchgewunken, unauffällig. Und der Kreditrahmen sei mit rund 1,3 Milliarden auch nicht überragend groß gewesen. Wobei der damalige Bank Austria Vorstand schon großes Interesse am Deal gehabt habe. Wichtig sei gewesen, dass es rasch gehen musste…

 

Seine, Randas, Rolle sei ausschließlich die Zustimmung zur Kreditpromesse im Aufsichtsrat gewesen. Und ob er auch verärgert gewesen sei wegen der zweiten Runde? Er habe damit nichts zu tun gehabt, habe eine solche Stimmung jedenfalls nicht wahrgenommen. Vom Ausgang habe er aus der Zeitung erfahren, vielleicht sei er auch angerufen worden – unspektakulär. Im Haus sei man wegen der Niederlage schon grantig gewesen, auch wegen des knappen Unterschieds…

 

Ob es Gerüchte wegen der 960 gegeben habe? Randa: „Das weiß ich nicht, ich war in München sehr, sehr weit weg!“. Ob ihn das Verfahren überhaupt interessiert hätte, fragt die Richterin. „Eigentlich nicht“, sagt der Zeuge cool.

 

Ein weitere Zeuge, der damals auf Seiten der Bank Austria die Finanzierung im Detail ausarbeitete,  wies am Tag 145 darauf hin, dass die 960 Millionen kein Finanzierungslimit waren. Personen, die den Letter of Comfort gesehen haben, hätten das einschätzen können…