TAG 148: „WUNSCH NACH BESONDERER DISKRETION FÜR UNTERNEHMERFAMILIE NICHT UNGEWÖHNLICH.“

 

Das so genannte „Schwiegermuttergeld“, also die Einzahlung von insgesamt 500.000 Euro in der Meinl Bank auf das Treuhandkonto der Ferint ist von der Anklage gar nicht erfasst. Das Thema beanspruchte bei den Befragungen während des nunmehr bereits mehr als zweieinhalb Jahre andauernden Prozesses trotzdem eine ziemlich große Zeitspanne. Auch am 27. Juli 2020, am Verhandlungstag 148. Diesmal ist Heinrich Schwägler, zum damaligen Zeitpunkt auch bei der Ferint AG tätig und somit in die Transaktion involviert. Genau genommen war er Mitarbeiter der Interrevision AG, war aber auch für gewisse Transaktion der Ferint AG zeichnungsberechtigt.

 

Schwägler, der zunächst mit der Bemerkung aufhorchen lässt, er werde natürlich bereit sein auszusagen, „möchten“ tue er das aber nicht, weil er als Wirtschaftsprüfer ein Entschlagungsrecht habe (was vom Richtersenat abgelehnt wird), zur Frage der Richterin, warum denn überhaupt ein Treuhänder bzw. ein Treuhandvertrag notwendig gewesen sei (und nicht das Konto selbst bei der Meinl Bank genügt hätte): „Die Familie Swarovski wollte offensichtlich nicht, dass direkt ein Konto bei der Meinl Bank eröffnet wurde. Ich kann mir das damit erklären, dass eine gewisse Skepsis wegen der Diskretion vorhanden war. Die Familie wollte nicht aufscheinen, das ist für Unternehmerfamilien nicht ungewöhnlich!“

 

Wie es überhaupt zu den Transaktionen bei der Meinl Bank auf dem Ferint Konto gekommen sei?

 

Es habe im Frühsommer 2005 ein Gespräch mit Julius Meinl (ein ehemaliger Studienkollege vom heutigen Zeugen) gegeben, bei dem ihm Meinl eröffnet habe, dass eine österreichische Unternehmerfamilie (gemeint war Swarovski) Gelder veranlagen würden. Es sei um MEL Aktien (Meinl European Land) gegangen. Dies könne zunächst eine relativ kleine Summe sein, sagte Meinl. Daher wäre eine entsprechend aufwändige Struktur nicht sehr sinnvoll, sondern eben ein Treuhandvertrag, so die damaligen Schlussfolgerungen des heutigen Zeugen. 

 

Die Vermögensverwaltung selbst sei eindeutig bei der Meinl Bank gelegen. Der Zeuge: „Wir haben sozusagen den Parkplatz zur Verfügung gestellt, uns aber nicht darum gekümmert, welches Auto darauf steht.“ Die Einbindung von Ferint sei von ihm, Schwägler, vorgeschlagen worden.

 

Mit Karl-Heinz Grasser habe er erstmals im Oktober 2005 Kontakt gehabt. Er sei mit dem Treuhandvertrag bei ihm gewesen, man habe das ausgefüllt und er habe den unterschriebenen Vertrag wieder mitgenommen. 

Woher das eingezahlte Geld stammte? „Aus meiner Sicht waren es Gelder aus der Unternehmensfamilie Swarovski.“ Die Treffen zur Unterzeichnung des  Treuhandvertrages sei am Tag vor Grassers Hochzeit gewesen, dessen Frau zur Swarovski-Unternehmerfamilie gehörte: „Damit hat sich für mich auch der Kreis geschlossen mit der Unternehmerfamilie Swarovski…“

 

Später habe er dann auch entsprechende Identitätsnachweise von Mag. Grasser zu dessen Ehefrau sowie seiner Schwiegermutter erhalten.

 

Bei der Veranlagung der Gelder in den Hypo Genussschein sei die Ferint nicht einbezogen gewesen, nur informiert worden, dass andere Anlagen geplant seien.

 

Der Wunsch zur Beendigung der Treuhandschaft habe sich ergeben, als der „Sturm über die Meinl Bank und Meinl European Land losgegangen ist“.  Im Umfeld sei es dann auch zu verschärften Vorschriften der Behörden gekommen. 

 

Der Übertrag der Gelder zur Mandarin? „Man hat mir gesagt, das sei ein Vermögensverwaltungskonto der Familie Swarovski. Herrn Wicki (Anmerkung: Ein Mitangeklagter und in die Mandarin involviert) kenne ich nicht, habe ich nie gesehen!“

 

Wer eigentlich Eigentümer bzw. Wirtschaftlich Berechtigter der Ferint AG gewesen sei?

 

Das sei seine Mutter gewesen, so der Zeuge, der das bei einer Prüfung durch die Nationalbank allerdings nicht bekannt gab. Warum? „Ich habe nicht gewollt, dass der Name meiner Mutter in der Öffentlichkeit bekannt wird. Nachdem er dann doch bekannt wurde, sind die Damen und Herren der Presse bei meiner hochbetagten Mutter aufgetaucht, und haben versucht, sie zu bedrängen.“ Jedenfalls sei seine Mutter über alles bestens informiert gewesen.