DREHBUCH MIT KLEINEN FEHLERN UND GROSSER WIRKUNG

 

Man wird unweigerlich an die kleinen Hoppalas erinnert, die bei vielen berühmten Filmen passiert sind. Tolles Drehbuch, überzeugende Handlung, aber dann schlägt eine kleine Schlamperei unbarmherzig zu, obwohl vermeintlich alles bis ins kleineste Detail durchdacht wurde. 

 

Bei „Braveheart“ war es der Kilt von William Wallace, der erst etwa 200 Jahre später erfunden wurde. Bei „Catch me if you can“ stört die Zahnspange, die erst ein Jahrzehnt später auf den Markt kam. In „Dirty Dancing“ sind es die Jeans-Shorts, die es erst Jahre später gab. Bei „Robin Hood: König der Diebe“ verwendet nämlicher im 12. oder 13. Jahrhundert ein Teleskop, das erst 1608 in den Niederlanden erfunden wurde. So könnte man das beliebig fortsetzen, man braucht nur googeln…

 

Was das mit dem laufenden Buwog-Prozess zu tun hat?

 

Nun, auch da gab es ein vermeintlich perfektes Drehbuch, um den Prozess schon frühzeitig in eine bestimmte Richtung zu steuern, ganz im Sinne der Anklage, indem Peter Hochegger gleich am Anfang die Öffentlichkeit mit einem so genannten Teilgeständnis „überraschte“. 

 

JOURNALIST WAR OFFENSICHTLICH ÜBER PROZESS-REGIE EINGEWEIHT…

 

Glaubt man dem üblicherweise sehr gut informierten Falter Journalisten Florian Klenk, was die Vorgänge in der Justiz bzw. in der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft betrifft, dann war es wirklich nur die Öffentlichkeit, die davon überrascht war. Denn dass Hochegger „auspacken“ werde, das sei in höchsten Justizkreisen des Landes schon im Dezember 2016, also ein Jahr vor Beginn des Prozesses, längst klar gewesen, wie Klenk auf Twitter wissen ließ. Zumindest habe er, Klenk, es damals im Dezember 2016, „streng vertraulich“ erfahren.

 

Möglicherweise wusste man es in Justizkreisen auch schon ein paar Wochen oder Monate früher. Denn schon am 24. Oktober 2016 war es ja zu einem Treffen zwischen der WKStA-Chefin Vrabl-Sanda und dem damaligen Hochegger-Anwalt gekommen, um „Möglichkeiten“ zu besprechen. Ein Treffen, das von Hochegger selbst nach anfänglichem Leugnen auch zugegeben wurde.

 

PARLAMENTARISCHE ANFRAGE: „WURDE DEAL ANGEBOTEN?“

 

„Vermutungen werden darüber angestellt, dass in diesem Gespräch Herr Hochegger einen Deal angeboten hat, um mit einem Geständnis und der Belastung des Hauptangeklagten selbst mit einer geringeren Strafe auszusteigen“, ist in einer kürzlich veröffentlichten parlamentarischen Anfrage an die Justizministerin zu lesen.

 

Vielleicht wurde bei diesem Treffen das Drehbuch für den Buwog-Prozess geschrieben, wie die nun aufgedeckten zeitlichen Abläufe vermuten lassen, vielleicht auch nicht (natürlich gilt diesbezüglich die Unschuldsvermutung). Eigenartig ist jedenfalls, dass das alles unter dem Mantel der Verschwiegenheit durchgezogen wurde, ohne einen gebotenen Hinweis im Gerichtsakt.

 

Jedenfalls ist es dann auch so gelaufen, wie Klenk es getwittert hat, und Hochegger hat „ausgepackt“, zumindest ein bisschen. Hat das vor Gericht erzählt, was höchsten Justizkreisen laut Klenk offensichtlich schon ein Jahr zuvor zugänglich gewesen ist. 

 

Jeder kann entsprechende Schlüsse daraus ziehen.

 

WESENTLICHES „DETAIL“ WURDE ÜBERSEHEN…

 

Wie es bei der Umsetzung eines Drehbuches halt dann oft so passiert, wurde ein kleines Detail nicht beachtet. So wie oben beschrieben gewisse Requisiten in Filmen Fremdkörper waren, so schlichen sich bei Hochegger gravierende Fehler bei den zeitlichen Abläufen ein. 

 

Das berühmte Treffen mit dem Bankberater musste ja zwingend bis zum Absenden eines gewissen E-Mails stattgefunden haben, sonst hätte der Zweck des Meetings keinen Sinn ergeben. So wurde es dann auch dargestellt, und bei eben diesem Treffen sei es dann zur Offenbarung des Bankberaters gekommen, habe dieser Hochegger den Zettel mit den drei Namen und drei Kontonummern gezeigt. Und damit den offensichtlichen Beweis – schwarz auf weiß – geliefert, dass der damalige Finanzminister Grasser „mitgeschnitten“ hätte. Ganz im Sinne der Anklage.

 

Nur: War es bei Robin Hood das Teleskop, das viel später erfunden worden war, so waren es bei Hochegger die tatsächlichen Kontoeröffnungstermine, die man scheinbar nicht bedacht oder übersehen hatte. Zwei der drei von Hochegger zitierten Konten waren nämlich erst deutlich, zum Teil Monate, später, nach dem Termin mit dem Bankberater, eröffnet worden. 

 

Im Klartext: Die Konten, die Hochegger auf dem Blatt Papier gesehen haben will, existierten zu diesem Zeitpunkt schlicht und einfach noch gar nicht!

 

OFFENBARUNG VON KONTEN, DIE GAR NICHT EXISTIERTEN…

 

Der Bankberater dazu im Originalwortlaut und unter Wahrheitspflicht vor Gericht: „Das einzige was an Hocheggers Erzählung stimmt: Es gab dieses Treffen im Spätsommer 2005 bei Hochegger zuhause und es ging um den Transfer der Gelder von Zypern nach Liechtenstein. Ich kann absolut ausschließen, dass ich Hochegger diesen Zettel mit Konten gezeigt habe, wie er behauptet. Das gab es mit Sicherheit nicht. Abgesehen davon, dass dieser Zettel und diese Kontenaufteilung darauf nie existiert haben, hat es zwei dieser angeblich notierten Konten zum Zeitpunkt des Treffens ja noch gar nicht gegeben“.  

 

Damit ist das ganze Konstrukt, auf das offensichtlich höchste Justizkreise bereits ein Jahr vor Prozessbeginn, und nach Vorliegen der Anklage, gesetzt hatten, in sich zusammengebrochen. Spätestens zum Zeitpunkt, als nämlicher Bankberater unter Wahrheitspflicht ausgesagt hatte, dass Hocheggers Behauptungen nicht den Tatsachen entsprechen, ist ohnehin klar, dass es ein so genannter „nice try“ war – von wem auch immer ausgedacht…

 

Doch sogar dann versuchte Hochegger nochmals krampfhaft und mehrfach, eine Filmsequenz neu zu drehen, eine weitere Version aufzutischen: Der Bankberater habe ihm auf dem Zettel eben nicht die Kontennummern gezeigt, sondern die Zahlen wären in Wirklichkeit die jeweiligen Provisionsanteile gewesen; die Gesamtzahl von über einer Million durch drei dividiert hätte auch eine jeweils sechsstellige Summe ergeben, gleich lang wie die Kontennummern. 

 

Wie eine so fundamentale Verwechslung möglich ist (Kontonummern statt Geldsummen), noch dazu, wo Hochegger bei seiner ursprünglichen Darstellung den Inhalt des angeblichen Zettels ja selbst vor Gericht aufgezeichnet hat, und das Ganze ja ebenso offensichtlich wohl überlegt und entsprechend „vorbereitet“ war, ist halt eine andere Frage. Aber vielleicht war es ja auch nicht die letzte Version…