TAG 149: „CA IMMO HÄTTE AUCH 970 MILLIONEN EURO BIETEN KÖNNEN…“

 

Ein weiteres Mal war der frühere CA Immo Vorstand Wolfhard Fromwald am 149. Verhandlungstag als Zeuge geladen. Kamen bei seinem ersten Auftritt, wohl ungeplant, unglaubliche neue Erkenntnisse zum Vorschein, nämlich dass die CA Immo nach der ersten verbindlichen Anbotsrunde offensichtlich bestens über die Mitbewerber „informell“ informiert war, so war der Zeuge diesmal sichtlich bestrebt, dieses Faktum klein zu reden.

 

Kurzer Rückblick auf den 22. Juni 2020, den 144. Hauptverhandlungstag, als Zeuge Wolfhard Fromwald in seinen Unterlagen unter anderem Vorstands- und Aufsichtsratsprotokolle aus Juni 2004 mithatte, die das Gericht bislang nicht kannte. Und da war durchaus Bemerkenswertes zu lesen, wie:

 

„Übereinstimmend wird festgehalten, dass eine signifikante Annäherung des Anbotspreises nicht notwendig erscheint, nachdem laut informellen Informationen das Anbot der CA Immo AG deutlich über dem Anbot des österreichischen Konsortiums und dort auch zumindest knapp 3% über dem Anbot des Zweitbieters liegen dürfte…“

 

Oder: „Aufgrund einer zwischenzeitig eingelangten informellen Information dürfte die CA Immo das beste Angebot abgegeben haben. Weitere Anbote kamen von den Mitbewerbern Conwert/Blackstone und dem Österreich-Konsortium. … Es folgt eine weitere Diskussion über das mögliche Verhalten der Mitbewerber und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat kommen zu einhelligen Auffassung, dass ein erhöhtes Gesamtanbot … in Höhe von rund EUR 960 Mio. die Chance bietet, auch in der nunmehr letzten Runde Bestbieter zu sein.“

Fromwald damals: „Definitiv hatten wir erfahren, dass wir vorne gelegen sind. Von wem genau weiß ich nicht mehr, aber es gab damals eine Menge an Rumors (Anmerkung: Gerüchte)! Warum es gerade 960 Millionen wurden, weiß ich auch nicht mehr, es hätten genauso 970 sein können. Wir hätten weiter gehen können!“

In einer Zeugenvernehmung 2011 sagte der frühere CA Immo Manager sogar: „Auch das Österreich-Konsortium war über unsere Anbotshöhe in etwa informiert. Zum Teil sind glaublich auch Summen genannt worden.“

Fromwald heute: „Das war eine Information aus irgendeiner Quelle heraus, wir wussten, dass wir gut gelegen sind…“

 

Aber der Zeuge bestätigt auch: „Die 960 Millionen sind meiner Ansicht nach reinzufällig entstanden. Es gab viele Varianten, eine davon waren die 960. Wenn man sich das wirklich aus den Zahlen zusammengereimt hat, kann ich nur sagen: good luck! Aus heutiger Sicht mit dem Wissen, dass Herr Ettenauer ein Pouvoir von 1% hatte, hätten wir auch 970 Millionen bieten können, das wäre sich dann ausgegangen. Für mich waren die 960 definitiv nicht das Ende der Fahnenstange…“

 

Schon am 88. Hauptverhandlungstag hatte sich der frühere Lehman Manager Thomas Marsoner überrascht gezeigt über Pricing der CA Immo beim so genannten Last and Final Offer: „Uns ist das vor allem seltsam erschienen, dass man bei zur Verfügung stehenden 960 Millionen nur 922 Millionen geboten hat und der Rest Nebenkosten waren. Das erschien mir etwas viel, so hohe Nebenkosten sind nicht plausibel, und ein Indiz mehr, dass Upside vorhanden ist. Jeder Bieter legt in einer finalen Runde üblicherweise was drauf, dass die nicht mehr geboten haben, war eine Enttäuschung. Die CA Immo war ja in der zweiten Runde nicht auf diese 960 Mio. limitiert. Warum die ihre Möglichkeiten nicht ausgeschöpft haben, weiß ich bis heute nicht!“

 

RAIFFEISEN MANAGER ERHIELT INFORMATIONEN VON DER WIENER SZENE…

 

Am Vormittag war ein Mitarbeiter der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ), die damals Teil des  „Österreich-Konsortium“ war, im Zeugenstand. Der Zeuge war damals mit der Strukturierung der Projekt-Finanzierung befasst. Im Mittelpunkt der Befragung stand u.a. ein E-Mail, in dem ihm sein „Kontakt aus der Wiener Szene“ mitgeteilt hatte, dass die CA Immo es ernst meine, und insbesondere, dass die CA Immo von der Bank Austria getrieben werde (Anmerkung: Was im Übrigen in den letzten Zeugenaussagen von mehreren damaligen Insidern bestätigt wurde)

 

Wie hoch die mit dem Österreich-Konsortium konkurrierende CA Immo bieten würde, war aus dem E-Mail allerdings nicht ersichtlich. Der Zeuge selber habe damals auch nichts von der Höhe des Angebots der konkurrierenden CA Immo gewusst.