TAG 150: „INFORMELLE INFORMATIONEN“ ÜBER KONKURRENZ WURDEN AUCH IM CA IMMO AUFSICHTSRAT UND INNERHALB DER BANK AUSTRIA ERÖRTERT…

 

150. Verhandlungstag und der im fraglichen Zeitraum, also Mai/Juni 2004, als Bank Austria Creditanstalt Manager, sowie als Aufsichtsrat der CA Immo tätige Bruno Ettenauer erlebt ein da capo im Zeugensessel. Ettenauer, der intensiv in die Anbotserstellung für den Ankauf der Bundeswohnbaugesellschaften involviert war, war später auch CA Immo Vorstand, und bereits am Tag 114 geladen gewesen. Diesmal stellte er sich der Befragung durch Grasser Anwalt Norbert Wess.

 

Nach einer ersten Phase, bei der mehr Mitarbeiter mit dem Thema befasst gewesen seien, sei das Kernteam für die Erstellung der Finanzierungsunterlagen eng gehalten worden, um auch „das Wissen eng zu halten“ betont der Zeuge. Bejaht aber dann doch, dass etwa eine „Handvoll“ Personen plus Vorstand mit dem Thema in der Bank im Detail vertraut waren. Er sei auch ziemlich sicher, dass damals intern per E-Mail kommuniziert wurde. Mit der CA Immo habe primär er, Ettenauer, kommuniziert. Der frühere CA Immo Vorstand Fromwald hat dagegen kürzlich ausgesagt, dass ein Bank Austria Mitarbeiter aus dem Finanzierungsbereich quasi auch als „externer CA Immo Mitarbeiter“ agiert habe.

 

Auch was einen 15-seitigen Vorstandsantrag mit einem umfassenden Finanzierungsmodell an den Aufsichtsrat betrifft, so kam es zu deutlichen Widersprüchen. Ettenauer sagt heute, die CA Immo habe derartige Anträge immer selbst verfasst, Fromwald wiederum sagte kürzlich aus, eben dieser „externe CA Immo Mitarbeiter“ hätte den Vorstandsantrag geschrieben und man habe ihn eventuell ergänzt.

 

UNTERLAGE AUS MAI 2004: SUMME ERGIBT EXAKT 960 MILLIONEN…

 

Verteidiger Wess verweist dann auch auf dieses Papier aus Mai (!) 2004, aus dem schon relativ einfach die Gesamtsumme von 960 Millionen zu errechnen gewesen wäre: Man habe nur drei signifikante Bulletpoints zusammenzählen müssen, nämlich den maximalen Eigenkapitaleinsatz (40 Mio.), die Fremdkapitalaufnahme zur Kaufpreisfinanzierung (800 Mio.) sowie die Zwischenfinanzierung des Eigenkapitals (max. 120 Mio.): Ergibt exakt 960 Millionen. 

 

Jene magische Zahl, um die es im gesamten Prozess geht, und wo die Staatsanwaltschaft dem früheren Finanzminister unterstellt, er hätte diese Zahl nach Anbotslegung der ersten verbindlichen Runde weitergegeben. Abgesehen davon, dass zahlreiche Zeugen unter Wahrheitspflicht bereits ausgesagt haben, dass diese Zahl schon länger durch die Branche geisterte. Der Zeuge sieht das nicht so…

 

Und was sagt die damals zentrale Figur bei der Finanzierungsaufstellung zum Thema „informelle Informationen“? „Für mich nicht relevant!“

 

Bekanntlich waren diese „informellen Informationen“ intern offensichtlich so wichtig und bedeutend, dass man diese sowohl im einschlägigen Vorstandsprotokoll, als auch im Aufsichtsratsprotokoll (nach der ersten verbindlichen Bieterrunde) ausführlich vermerkt hat. Es wäre wohl ziemlich lebensfremd, derartige Infos in einer Aufsichtsratssitzung zu verkünden, wenn diese nicht fundiert und detailliert sind.

 

Dabei wurde der Aufsichtsrat (inklusive Bruno Ettenauer) sehr genau informiert, dass die CA Immo „aufgrund einer zwischenzeitig eingelangten informellen Information das beste Angebot abgegeben haben dürfte und dass weitere Anbote von den Mitbewerbern Conwert/Blackstone und dem Österreich-Konsortium gekommen“ seien. Durchaus streng vertrauliche Informationen zu diesem Zeitpunkt. Und durchaus valide…

 

MINDESTENS DREIMAL SCHRIFTLICH AUF „INFORMELLE INFORMATIONEN“ VERWIESEN…

 

Und dass diese Informationen wohl keinesfalls „nicht relevant waren“, wie Ettenauer als Zeuge heute sagt, zeigt ein weiterer Eintrag: „Es folgt eine weitere Diskussion über das mögliche Verhalten der Mitbewerber und sowohl Vorstand als auch Aufsichtsrat kommen zu einhelligen Auffassung, dass ein erhöhtes Gesamtanbot … in Höhe von rund EUR 960 Mio. die Chance bietet, auch in der nunmehr letzten Runde Bestbieter zu sein.“

 

Apropos „nicht relevante Gerüchte“: Schon drei Tage vorher, am 9. Juni 2004, informiert der laut Ex CA Immo Vorstand „externe Mitarbeiter der CA Immo“ in seiner Eigenschaft als Fachreferent in der Bank Austria (gemeinsam mit Bereichsleiter Bruno Ettenauer), intern nochmals, dass es diese „informellen Informationen“ gebe, dass man als Bestbieter ermittelt wurde... Diese Information trägt die Unterschrift Ettenauers…