TAG 163: ENGER JUGENDFREUND BEZEICHNET TATPLAN-ERFINDER BERNER ALS „SCHWÄTZER“

 

Sie war einstmals stellvertretende Kabinettschefin im Infrastrukturministerium („neun oder zehn Monate lang…“) und hatte gehofft, „der Kelch möge an ihr vorübergehen“, sprich sie, die noch immer engsten Kontakt mit Berner, ihren Ex-Kollegen pflegt, würde hoffentlich nicht als Zeugin im Buwog Prozess geladen werden.

 

In der zentralen Frage, ob sie vom „Tatplan“, konkret von der „Skizze“ Kenntnis erlangt habe, sagt die Zeugin, Berner habe ihr einmal davon erzählt. Ob er ihr auch eine Skizze gezeigt habe, wisse sie aber nicht mehr. An Details könne sie sich nicht mehr erinnern, sie habe das aufgrund der bevorstehenden Zeugenaussage jetzt gegoogelt. Sie habe das Ganze damals eher als „Idee“ in Erinnerung, jedenfalls sei mit Sicherheit von einer Bezeichnung „Tatplan“ keine Rede gewesen.

 

„Wieviele Gespräche über diese Skizze hatten sie mit Herrn Berner?“, fragt die Richterin.

 

Die Zeugin: „Ein einziges, ich habe das dann nicht weiterverfolgt.“

 

Was weitere Wahrnehmungen zum Thema „Tatplan“ betrifft, so liegt die damalige stellvertretende Kabinettchefin mit dem damaligen Kabinettchef (Berner) ja nicht sehr weit auseinander. Auch Berner meint am Tag 102 auf die Frage der Richterin, ob er Wahrnehmungen in Richtung Umsetzung des Tatplans habe: Es habe gelegentlich Gerüchte und Vermutungen gegeben, aber er habe mit Sicherheit keine realen Wahrnehmungen.

 

Und ob er das Konstrukt, das Hochegger angeblich aufgezeichnet hat, bei Herrn Grasser auch wahrnehmen habe können? Berner: „Nein!“. Grasser habe ich als professionellsten unter den damaligen FP-Ministern wahrgenommen. Zum Verhältnis anderer genannter Personen, insbesondere Grasser/Plech, Grasser/Meischberger, Ramprecht/Plech habe er, Berner, „keine persönlichen Wahrnehmungen!“ 

 

Und was die Existenz der Skizze betrifft, sprich wer aus eigener Wahrnehmung über die Skizze berichten könne, wie die Richterin am Tag 116 gefragt hat, so musste selbst Berner die lapidare Antwort geben: „De facto niemand!“

 

Mit Berner (die Zeugin bezeichnet ihn im Laufe ihrer Befragung einmal als „guten Bekannten“, einmal als „sehr guten Freund“ mit dem sie sich häufig telefonisch oder auch bei einem Kaffee austauscht…) habe sie einen recht häufigen WhatsApp Austausch, sie habe ihm auch die Vorladung für heute weitergeleitet, und er habe ihr diesbezüglich ein paar Mal zurückgeschrieben.

 

Und: „Über seine beiden Auftritte bei der Hauptverhandlung hier im Juli und Oktober 2019 hat er mir sicher erzählt. Er redet ja recht viel, ich habe mir immer wieder erste Reihe fußfrei angehört, was er erzählt hat! Oft habe ich auch nur mit einem Ohr hingehört, er redet wirklich sehr viel“.

 

Ob Berner sie in ihrer weiteren Berufslaufbahn nach dem Ministerium unterstützt habe? Er habe sie immer unterstützt in ihrer Berufslaufbahn, „wenn er konnte, dann hat er mir eine Rutsche gelegt, etwa bei der Energie Steiermark“

 

Hat Berner den Minister (Michael Schmid) über die Skizze informiert habe? Davon gehe sie aus, so die Zeugin, die meint, „der Michl hat sicherlich gesagt, lass mich in Frieden mit dem Scheiß, red mit dem Haider“. Dies habe Berner vermutlich auch gemacht: „Genaueres weiß ich aber nicht, ich glaube, Berner hat mir das einmal später erzählt, mehr weiß ich dazu nicht“.

 

Bei der Befragung durch die Verteidiger fasst die Zeugin nochmals das Thema „Tatplan“ zusammen: „Das war möglicherweise eine Idee Hocheggers, die man so oder so machen kann. Ich habe das eher als Idee aufgefasst, von einem Tatplan war keine Rede. Ich habe sowohl Haider als auch Grasser kennengelernt und als ordentliche Menschen erlebt…“

 

EINSTMALS ANGEBLICH DIE „BLAUE EMINENZ“

 

Ernst Hofmann hatte in den 2000er Jahren ein beachtliches Firmenkonglomerat rund um den börsennotierten Handelskonzern Pankl & Hofmann aufgebaut. Laut Medienberichten machte Hofmanns Unternehmensgruppe etwa 500 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Hofmann galt auch als einflussreich innerhalb der FPÖ (seine „blaue Eminenz“) und als persönlicher Freund von Jörg Haider, zumindest bis es zu einem Riesenkrach anlässlich der Bestellung eines neuen ORF-Chefs im Jahr 2002, als Hofmann nicht Haiders Kandidaten wählte.

 

„Heute geht es im Wesentlichen bei Ihrer Befragung um die Herren Berner und Hochegger, und es geht um eine Skizze“ leitet die Richterin ein.

 

Hofmann und Berner sind in der steirischen Ortschaft Kammern aufgewachsen und quasi seit dem Sandkasten Freunde. Wobei Hofmann heute die innige Freundschaft etwas differenziert sieht: „Berner ist ein Freund, ob er aber ein guter Freund ist, ist eine andere Frage“, so Hofmann heute.

 

Die Richterin: „Berner bezeichnet Sie als engen Freund!“ 

 

Hofmann („das mag seine Sicht sein…“) gibt dann einen Einblick in die Redekünste des - offensichtlich doch nicht so engen – ‚Freundes‘ Berner: 

 

„Er hat mir das mit der Skizze zu einem Zeitpunkt erklärt, als das längst in der Zeitung war. Warum so lange nachher weiß ich nicht, aber ich hatte ohnehin wichtigeres zu tun, als dem Herrn Berner zuzuhören, was er gerade erzählt, zuzuhören, wann was gerade wo war. Berner erzählt sehr, sehr viel. Er redet über so viele Sachen. Er redet oft viel daher, dass man nicht mehr weiß, was stimmt, und was nicht!“. Hofmann wird dann auf Nachfrage noch direkter: „Berner ist zum Teil ein Schwätzer, reimt sich Sachen zusammen, was ihm passt…“

 

„BERNER HAT IMMER AUF SEINEN PERSÖNLICHEN VORTEIL GESCHAUT!“

 

„Herr Hochegger hat Herrn Berner einmal einen politischen Fallensteller genannt, was sagen Sie zu dieser Bezeichnung?“, fragt die Richterin. Hofmann: „Berner hat immer auf seinen persönlichen Vorteil geschaut…“

Die Richterin hakt nochmals nach: „Warum glauben Sie hat er mit Ihnen nicht darüber gesprochen, hat Sie davon erst viel später informiert, obwohl Sie auf der Skizze aufscheinen, und obwohl er Ihnen so viel erzählt?“

 

„Das habe ich nicht nachgefragt“, so Hofmann, aber „es hätte mich auch nicht interessiert“. Bei einer Befragung durch die Polizei betonte Hofmann früher auch einmal: „Die Skizze ist für mich nicht nachvollziehbar!“

 

„Können Sie sich erklären, warum Sie Teil dieser Liste bzw. Skizze sind?“, fragt die Richterin den heutigen Zeugen, der mit „nein“ antwortet, und dann ergänzt: „Was glauben Sie, wo ich überall schon oben gestanden bin“.

 

Die Richterin: „Haben Sie den Wahrheitsgehalt der Skizze bei Berner jemals hinterfragt?“

 

Hofmann: „Nein, habe ich nicht!“

 

Berners Darstellung, er, Hofmann, sei in kleinen Gruppen in der FPÖ sehr einflussreich gewesen, mit denen zusammengesessen, verneint er ebenso, wie die damalige Bezeichnung, er sei die „blaue Eminenz“. Er wisse nicht warum, aber er sei eine Zeit mit Haider sehr gut befreundet gewesen, mit Sicherheit viel enger als mit Berner.