Der 36. Verhandlungstag: Fragen über die „Tagebuch“-Eintragungen

 

Am 2. August 2010 war es soweit. Stolz verkündete der „Falter“, dass er das „beschlagnahmte Meischberger-Tagebuch veröffentlicht“. Kennt man die Aufarbeitung der Umstände um den Verkauf der Bundeswohnungen, die im Herbst 2009 begonnen hatte, so ist es direkt verwunderlich, dass dieses seit Februar 2010 bei der Korruptionsstaatsanwaltschaft liegende Notizbuch etwa sechs Monate für den Weg von der Behörde zu den Medien brauchte.


Sei es wie es sei. Obwohl sogar ein Sprecher der Korruptionsstaatsanwaltschaft in der Presse zitiert wurde, dass das Tagebuch bloß „Eintragungen vom Hörensagen“ enthalte und der Staatsanwaltschaft konkrete Beweise nicht bekannt seien“ machte es schnell die mediale Runde und wurde in bewährter Manier bis zum äußersten breitgetreten.

Aus dem Zusammenhang gerissen konnten diverse Einträge dann durchaus medial als hinterfragenswert „verkauft“ werden. Es folgte eine Sensationsgeschichte nach der anderen. Man kann bis zum heutigen Tag sogar diverse Abschriften im Internet downloaden. Einzig der Verfasser, Walter Meischberger, hatte selbst keinen Zugang. Erste im Rahmen der Buwog Hauptverhandlung wurde es ihm in den letzten Wochen als Kopie zurückgegeben.

Erstmals stand dieses „Tagebuch“, eigentlich ein lapidares Notizbuch, das mittlerweile ganz Österreich kennt, nunmehr im Mittelpunkt der Hauptverhandlung.

Am 36. Verhandlungstag wurde Walter Meischberger dazu den ganzen Tag befragt. Und hat sich darüber sehr erfreut gezeigt: „Mehr als sieben Jahre kursieren diese Eintragungen in der Öffentlichkeit, dienten den Medien vielfältigst als Sensationsgeschichten, wurden von Kabarettisten in der Öffentlichkeit durch den Dreck gezogen. Vermutlich sind Hunderte Seiten darüber geschrieben worden und jetzt habe ich nach so vielen Jahren erstmals in der Öffentlichkeit Gelegenheit, zu erzählen, was wirklich hinter den einzelnen Eintragungen steht. Ich kann erstmalig Stellung nehmen und bin sehr froh darüber.“

„Genau deswegen gehen wir die Eintragungen in diesem Notizbuch in epischer Breite durch“, betonte auch die vorsitzende Richterin Mag. Marion Hohenecker.