Der 37. Verhandlungstag: „Tagebuch“-Notizen und abgehörte Telefongespräche

 

Im Mittelpunkt des mittlerweile 37. Verhandlungstages am 7. Juni 2018 standen neuerlich diverse Notizbucheintragungen des Walter Meischberger („Tagebuch“), die dritte Beschuldigteneinvernahme, sowie erstmals mehrere abgehörte (für die Zuhörer im Großen Schwurgerichtssaal akustisch äußerst schwer verständliche) Telefonate, die Meischberger Anfang 2010 u.a. mit Ernst Plech und Karl-Heinz Grasser geführt hatte.


Meischberger nutze den heutigen Tag auch als Gelegenheit, um einige frühere Aussagen etwa aus dem Vernehmungsprotokoll zu präzisieren, weil er damals den einen oder anderen Namen nicht nennen wollte, um die Personen, die „mit der Sache nichts zu tun hatten“ vor einer Schmutzkübelkampagne in der Öffentlichkeit zu schützen. Meischberger: „Ich musste damals davon ausgehen, dass alles was ich sage schon nach kürzester Zeit, oft schon am Tag nach der Vernehmung,  bei den Medien landete.“


Tatsächlich setzte im Oktober 2009 eine beispiellose mediale Vorverurteilung ein, die sich in rund 25.000 Beiträgen manifestierte und in einer umfassenden Studie penibel aufgearbeitet wurde.
Heftig war im Rahmen der heutigen Hauptverhandlung auch die öffentliche Präsentation von durchaus sehr privaten Eintragungen. Ebenso heftig geriet eine Auseinandersetzung Meischbergers mit dem Staatsanwalt Denk, den Meischbergers Ausführungen zeitweise zu amüsieren schien. „Wenn der Staatsanwalt dabei immer noch blöd lacht, kann ich ihm nicht helfen“, so der Zweitangeklagte, der übrigens im Rahmen der (über)langen Zeit der Erhebungen kein einziges Mal vom angesprochenen Staatsanwalt befragt wurde. Durchaus auch ein interessantes Detail, wie die Erhebungen zur Causa Buwog über viele Jahre liefen.


Tatsächlich ist für den Großteil der Medienberichterstattung symptomatisch, dass meist ausschließlich negativ interpretierbare Äußerungen veröffentlicht werden, Positivaussagen dagegen, die auf eine klare Entlastung etwa von Meischberger oder Grasser hinweisen, werden negiert.


Ein  Beispiel von heute: Schon in seinem so genannten Tagebuch, aus dem ansonsten alles mögliche zitiert wurde, notierte Walter Meischberger am 26. Jänner 2010, dass er aus dem Umfeld des früher zuständigen Staatsanwalts gehörte habe, dass „sich Hochegger durch eine Kronzeugenregelung aus der Affäre ziehen wolle“. Ein Gerücht, dass im Rahmen der laufenden Hauptverhandlung durch eine mögliche verbotene Absprache erneut großes Gewicht erhalten hat.


An folgenden Tagen im Juni sind weitere Verhandlungstage angesetzt: 12./13./14./19./20./21.Juni