Der 38. Verhandlungstag: VON „Wo wor mei Leistung“ bis „supernackt“.

 

Eine Reihe von Telefonaten Walter Meischbergers, vor allem mit Karl-Heinz Grasser und Ernst Plech, standen erneut im Mittelpunkt des 38. Verhandlungstages am 12. Juni. Telefonate, die mittlerweile ganz Österreich kennt, weil sie auf illegale Weise an die Öffentlichkeit gelangt und von Kabarettisten und anderen Möchtegern-Künstlern in ihr „Programm“ aufgenommen wurden. Höhepunkt diesbezüglich war ja das skandalöse Kabarett, das vom damaligen Dekan der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Heinz Mayer, auf Hochschulboden abgespult und mit einem medialen Doppelpass perfekt „verwertet“ wurde.


Und aus diesen zahlreichen Telefonaten wurde besonders ein Satz – natürlich aus dem Zusammenhang gerissen, und wohl absichtlich verfälscht – legendär: „Wos wor mei Leistung?“


Um diesen Sager hatte sich eine regelrechte Industrie aufgebaut: Medien und Kabarettisten profitierten ebenso davon wie Politiker, insbesondere die Grünen, die wahre Happenings rund um den Satz veranstalteten – damals noch als Parlamentspartei, zuletzt sind sie ja bekanntlich aus dem Parlament geflogen.


Von massenweisen Events über das „KHG“-Spiel bis hin zu einer Unzahl an diversen Postern und T-Shirts: „Wos wor mei Leistung“ war für alle ein einträgliches Geschäft - und offensichtlich von den Urhebern und Protagonisten absichtlich manipuliert, um das Ganze so richtig zuzuspitzen. Denn die Originalfrage war ja in Wirklichkeit: „Wo wor mein Leistung?“ – und das ist halt in der Bedeutung ein gewaltiger Unterschied. Endlich hatte der Direktbetroffene von dem dieser vermeintliche Sager stammt, am 38. Verhandlungstag Gelegenheit, vor Gericht Stellung zu nehmen, und die Aussage zu kommentieren.


Walter Meischberger: „Tatsächlich hatte es ja innerhalb mehrerer Jahre eine Fülle von Leistungen gegeben, die zum fraglichen Zeitpunkt Anfang 2010 schon Jahre zurücklagen. Ich sollte bei Beschuldigtenvernehmungen zu diesen Projekten durchaus auch im Detail Stellung nehmen, wollte jedenfalls auch für Detailfragen gewappnet sein. Man hat mir aber vorher bei Hausdurchsuchungen auch vorhandene Unterlagen weggenommen. In diesem Umfeld werden wohl viele meine Fragen wie  jene damals an Ernst Plech verstehen, der viele dieser Projekte kannte bzw. noch wesentlich besser als ich im Gedächtnis hatte“.


So lustig es für das halbe Land auch war, diverse abgehörte Telefonate schenkelklopfend zu „genießen“, so anders hört sich das dann im Gerichtssaal an, etwa bei Gesprächen zwischen Österreich und Australien, mit dauernden Unterbrechungen und oft kaum verständlichen Stimmen auf der anderen Seite. „Natürlich war das Grundwissen da, aber ich habe beispielsweise bei den Telefonaten mit Ernst Plech durch Hinterfragen versucht, Erinnerungslücken zu füllen, Erinnerungen noch einmal abzuklopfen und aufzufrischen“, betonte Meischberger bei der heutigen Befragung durch die vorsitzende Richterin, die wie schon in den letzten Verhandlungstagen durch parallele Kommentierung und Hinterfragung etwa der so genannten Tagebuch Eintragungen sehr geschickt eine ganz andere Gesamtsicht herausarbeitete, als bisher bekannt.


Ähnlich beim zweiten Sager, der die Nation jahrelang unterhalten hat: „Da bin ich jetzt supernackt!“ Eine Aussage, die einem Telefonat Meischbergers mit Karl-Heinz Grasser entstammt. Ein Gespräch der beiden unmittelbar am Tag vor einer Einvernahme, als Meischberger den Rat Grassers sucht, weil er entweder aufgrund der Hausdurchsuchungen über keine Informationen mehr verfügte und darüber hinaus das eine oder andere nach Jahren schon vergessen hatte. Das Ganze in extremer Stresssituation, weil er das Damoklesschwert einer riesigen Steuernachzahlung, die ihm seine Existenz kosten würde, über sich schweben sah.
Du siehe da: In der ZiB 2 vom 12. Juni war dann unter anderem zu hören: „So sind die Gespräche durchaus entlastend, vor allem wenn Meischberger mit Grasser spricht…“


Wenn man die Zusammenhänge kennt, tut man sich plötzlich viel leichter, Sager wie „da bin ich jetzt supernackt“, oder „wo wor mei Leistung“ zu verstehen - vor allem auch den Direktbetroffenen (richtig) zu verstehen, wenn man will. Nachdem jahrelang, eigentlich bis zum heutigen Tag, Medienvertreter genüsslich über ihn den Stab brechen oder ihn taxfrei zum Deppen der Nation abstempeln.


Dass natürlich viele Medien von ihrem Weg der Vorverurteilung nicht abgehen können, und weiterhin ausschließlich Negativsager wiedergeben, steht auf einem anderen Blatt. Umso wertvoller ist es, wenn Teile der Medienwelt aufgrund der zusammenhängenden Darstellung und Kommentierung vor Gericht, man muss es so sagen, den Mut aufbringen, und die bisherige Linie der einseitigen Vorverurteilung verlassen.


Und übrigens, weil immer wieder gewitzelt und gelacht wird, über die politische Dimension des Falles Buwog. Bereits Anfang 2010 wurde in einem Aktenvermerk betont, dass niemand geringerer als der spätere Justizminister der Republik Österreich, Wolfgang Brandstetter, anmerkte: „Es handelt sich hier um einer Grasser-Jagd, auch wenn sie versuchen, das zu verstecken!“