44. Verhandlungstag: Die Nebel lichten sich auch beim so genannten Schwiegermuttergeld

 

Das so genannte „Schwiegermuttergeld“ stand auch am 44. Verhandlungstag über weite Strecken im Mittelpunkt der Befragung Karl-Heinz Grassers durch die vorsitzende Richterin Marion Hohenecker. Der Erstangeklagte im Buwog-Prozess lieferte dabei eine lückenlose Er- und Aufklärung aller ihn selbst betreffenden offenen Fragen. Die Veranlagung dieser „hochemotionalen“ 500.000 Euro, ursprünglich Stoff für quadratmeterweise mediale Schauergeschichten ist einer mittlerweile sehr sachlichen und schlüssigen Darstellung gewichen. Das Argument, dass das Geld aus Buwog-Provisionsquellen stammen würde, hat selbst die Staatsanwaltschaft bereits aufgegeben…

 

„Karl-Heinz Grasser und das Schwiegermutter-Märchen“ schrieb am 25. Juli 2013 der sattsam bekannte Ashwien Sankholkar im FORMAT, und bezeichnete Grassers Aussagen vor der Ermittlern als „Schwiegermutter-G’schichterl“ – und machte daraus eine Raubersg‘schicht: „Grasser damals Finanzminister der Republik Österreich nahm die Moneten, stopfte sie ins Kuvert, sprang ins Auto und düste ab nach Wien. Zwei, drei Geldtransporte waren notwendig. … Im FORMAT exklusiv vorliegenden Anlassbericht vom 24. Jänner 2013 Bareinzahlungen auf das Konto Ferint AG“wird nüchtern festgestellt: Das Erhebungsergebnis erhärtet den Verdacht, dass Karl-Heinz Grasser am Geld, welches in bar am Ferint-Konto bei der Meinl Bank eingezahlt wurde, persönlich wirtschaftlich berechtigt ist und nicht, wie von ihm behauptet, von seiner Schwiegermutter Marina Giori-Lhota stammt. Es sei Buwog-Geld, vermuten die Ermittler. … Die Polizei hat Grassers Schwiemu-Story auf Herz und Nieren geprüft. So wurde ein lückenloses Bewegungsprofil von KHG und Familie erstellt. … Das Polizeipapier entlarvt Grasser: Die Geldübergaben der Schwiegermutter seien so„gar nicht möglich gewesen und auch seine Angaben diesbezüglich falsch.“

 

Auf den „Aufdecker der Nation“ war Verlass. Er wurde bestens mit Informationen gefüttert und schüttete so richtig genüsslich seinen Schmutzkübel aus. Ohne Rücksicht auf Verluste…

 

Die Anwälte haben sich dieses von den braven Beamten erstellte Bewegungsprofil nun im Detail angesehen und siehe da: Das „exklusiv“ von Herrn Sankholkar aufgedeckte und vielen anderen als tolle Geschichte übernommenen Bewegungsprofil hält einer exakten Überprüfung nicht stand, weist schwerste Mängel und eine Fülle von Fehlern auf. Unbrauchbar! mehr

 

Die laut FORMAT „notwendigen zwei, drei Geldtransporte“ waren in Wirklichkeit teilweise auch ganz banale Überweisungen. Die Unterstellung, dass der damalige Finanzminister quasi illegal und wider besseren Wissens Gelder über die Grenze brachte, erwies sich als ebensolche Falschmeldung. Es war alles absolut gesetzeskonform. Und auch dass „es Buwog-Geld sei, wie die Ermittler vermuten“ schmolz in der Zwischenzeit zum Leidwesen der Ankläger wie Schnee in der Sonne. Das Geld hat nichts mit der Buwog-Provision zu tun, sind sich mittlerweile alle einig! Ist eigentlich gar nicht mehr Verfahrens-relevant!

 

Was blieb durch die Weitergabe diverser Unterlagen und Vernehmungsprotokolle und den medialen Vernichtungsfeldzug durch einige Journalisten ist verbrannte Erde auf Seiten des Beschuldigten. Aber dafür muss man sich in Österreich ja nicht verantworten…

 

Wie die Genesis des von der Schwiegermutter an Karl-Heinz Grasser bzw. dessen Frau übergebenen Geldes – vereinfacht ausgedrückt - wirklich war?

 

Es wurde in Tranchen zunächst auf ein Konto bei der Meinl Bank gelegt, und im Anschluss teilweise veranlagt. Als sich die Gelegenheit eines Investments in so genannte Hypo Genussscheine ergab, wurde diverse Veranlagungen rückgeführt und das Kapital in eben diese Genussscheine investiert. Im Endeffekt eine hervorragende Investition mit einer in etwa 50%-igen Verzinsung in relativ kurzer Zeit. Das Geld wurde schließlich – nach Ausbruch der internationalen Bankenkrise – über eine Gesellschaft wieder in die Swarovski-Familiensphäre rückgeführt, um als Vorsorge für die gemeinsamen Kinder zu dienen.

 

Abgesehen von den vor Gericht durchgearbeiteten Fakten sind es eigentlich ein paar ganz logische Überlegungen, die Grassers Version auf Punkt und Beistrich bestätigen:

  • Gesetzt dem Fall, die 500.000 Euro wären tatsächlich aus Buwog-Quellen gewesen: Warum hätte Grasser dann dieses Kapital inklusive tollem Veranlagungserfolg, also in Summe 784.000 Euro, in den Einflussbereich der Swarovski-Familie rückführen sollen, also quasi einer sehr wohlhabenden Familie schenken sollen, obwohl es „sein Geld“ gewesen war. Wohl auch eine absurde Idee. Tatsache und nachvollziehbar ist: Grasser hatte nach der Überweisung der 784.000 Euro keinen Zugriff und daraus auch nie einen Cent erhalten.
  • Warum hätte Grasser auf dem 500.000 Euro Konto die bereits getätigten Wertpapierkäufe wieder rückführen sollen, um das Investment bei den Hypo Genussscheinen tätigen zu können, wäre er gleichzeitig wirklich Besitzer bzw. wirtschaftlich Berechtigter des berühmten „400.815“ Kontos gewesen (wie die Anklage behauptet), wo genug Kapital zum Investieren vorhanden war? Antwort: Das Konto „400.815“ wurde aus Buwog Provisionen gespeist und gehörte jederzeit Walter Meischberger. Grasser hatte damit nichts zu tun.