TAG 49: GRASSERS SOUVERÄNER AUFTRITT

 

Karl-Heinz Grasser wurde am 49. Verhandlungstag zunächst mit Aussagen im parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Mai 2012 zum Thema Terminal Tower konfrontiert. Er präzisierte in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal,

  • dass man auch andere Möglichkeiten gewissenhaft geprüft hat, aber das Projekt Terminal Tower aus verschiedensten Gründen klar am besten war; dies kam auch dadurch zum Ausdruck, dass die Beamten immer positiv dem Projekt Terminal Tower eingestellt waren und es breiten Konsens gab,
  • dass der Terminal Tower nahezu ausschließlich ein Thema für die zuständigen Beamten und der Finanzminister nur am Rande damit befasst war,
  • dass man durch diverse harte Verhandlungen bis zum Schluss insbesondere den Mietpreis auf ein sehr attraktives Niveau senken konnte.

All die Aktivitäten, so Grasser, beweisen, dass alles korrekt abgelaufen sei: „Die Behauptungen der Anklage zum Thema Terminal Tower sind Science Fiction. Es handelt sich um eine Vielzahl an Ungereimtheiten bei den Vorwürfen, die alle nicht zusammen passen!“

 

Es dauerte auch am 49. Verhandlungstag nicht lange, und man landete nach dem Terminal Tower erneut beim „Schiegermuttergeld“, das ja – und da sind sich mittlerweile alle Beteiligten, also Ankläger, Richterin und Grasser sowieso einig – mit Sicherheit nicht aus den Buwog-Provisionen stammen kann, wie ursprünglich unterstellt.

 

Karl-Heinz Grasser gab erneut eine „Kostprobe“, wie voreingenommen und mit falschen Vorhalten agierend die Beamten anlässlich von Beschuldigtenvernehmungen auftraten: „Mir gegenüber wurde beispielsweise behauptet, meine Schwiegermutter wäre kein einziges Wochenende in der in Frage kommenden Zeit für die Geldübergabe in Zug gewesen. Tatsächlich ergaben meine Nachforschungen, dass sie mindestens zehn von 26 Wochenenden dort war“, deckte Grasser ein weiteres Beispiel eines eklatant falschen Vorhalts auf.

 

Selbstredend kam dieser (falsche) Vorhalt auf wundersame Weise auch an die Medien. Der sattsam bekannte Ashwien Sankholkar berichtete im Format vom 25. Juli 2013: „Im Polizeibericht steht klipp und klar: Bis auf ein einziges Mal hielt sich Marina Giori-Lhota an keinem Wochenende, das für ein Treffen mit Grasser bzw. für eine Geldübergabe in der Schweiz in Frage kommt, in Zug auf“.

 

Auf den Redakteur war jedenfalls Verlass, auch wenn die Angaben nicht den Tatsachen entsprachen. Aber das zieht ja durch die nunmehr neunjährige Buwog-Story wie ein roter Faden…

 

Dasselbe Spiel ortet Grasser bei der Zuordnung des mittlerweile ebenfalls berühmten Mandarin Kontos: „Wenn die Staatsanwaltschaft mir die Mandarin zuordnet, und mir diverse Einzahlungen unterstellt, so ist das willkürlich und beweisbar falsch!“

 

Auch die Unterstellung, dass mehrfach diverse hohe Bar-Einzahlungen auf das Mandarin Konto seitens Grassers erfolgt wären, konnte dieser heute alleine schon durch die Tatsache entkräften, dass er an allen Einzahltagen nachweislich nicht in Liechtenstein war.

 

Die immer wieder seitens der Anklage monierte „Vermengung“ bzw. „Vermischung“ verschiedener Gelder, unter anderem aus Grassers Familie und von Meischberger, sei einfach falsch. Diese Vermengung habe es nie gegeben, weil es sich offensichtlich um verschiedene Vermögensmassen handelt. Wäre er, Grasser, tatsächlich der wirtschaftlich Berechtigte dieses Kontos gewesen, so wäre es völlig widersinnig, dass sämtliche Gelder, die von Meischberger kamen auch tatsächlich und nachweislich an diesen zurückgeflossen sind. Grasser: „Wie kann man mir trotzdem neun Jahre lang dieses Konto andichten?“

 

Zum Thema Voreingenommenheit der Staatsanwaltschaft wiederholte Karl-Heinz Grasser auch ein Erlebnis von Karl Petrikovics, das dieser bei seiner ersten Beschuldigteneinvernahme hatte. Ein früherer Staatsanwalt in der Causa Buwog hatte Petrikovics aufgefordert: „Liefern Sie mir den Magister Grasser, es wird Ihr Schaden nicht sein."