TAG 52: BEFRAGUNG VON NORBERT WICKI

 

Am 52. Verhandlungstag des Buwog-Prozesses stand der frühere Schweizer Vermögensverwalter Norbert Wicki, ebenfalls Angeklagter, im Mittelpunkt der Befragungen. Wicki konnte sich zwar an so manche Transaktion – nach mehr als einem Jahrzehnt nicht ganz unverständlich – nicht mehr erinnern bzw. zuordnen, stärkte aber mit seiner Darstellung massiv die früheren Aussagen sowohl von Karl-Heinz Grasser als auch Walter Meischberger.

 

Wicki bestätigte jedenfalls die Version Meischbergers, den Auftrag gehabt zu haben, mit dem von Walter Meischberger im Rahmen eines Kreditvertrages auf das Mandarin Konto überwiesenen Geld (500.000 Euro) MIP Aktien (Meinl International Power) zu kaufen. Während von der Anklage in den Raum gestellt wird, dass es sich dabei um Geld von Karl-Heinz Grasser handeln würde, betonte Wicki mehrmals, dass das Geld völlig offiziell mit Namensnennung Meischbergers überwiesen wurde. „Für uns war immer klar und selbstverständlich, dass Walter Meischberger der wirtschaftlich Berechtigte, also Eigentümer, war“, so Wicki.

Auch dass im Rahmen eines so genannten Security Lending Vertrag versucht wurde, vorübergehend das Stimmrecht auf die Mandarin zu übertragen, um im Sinne Meischbergers das Stimmrecht bei einer MIP-Hauptversammlung auszuüben – was aber letztendlich an den rechtlichen Bestimmungen scheiterte – wurde von Wiki erörtert, der damit die Behauptungen Meischbergers im Rahmen der Hauptverhandlung vollinhaltlich bestätigte.

 

Wicki auf die Frage der Richterin, warum man nicht einfach jemanden anderen als wirtschaftlich Berechtigten nannte: „Weil dies nicht der Wahrheit entsprochen hätte, daher haben wir das nicht gemacht!“

 

Letztendlich wurde der Security Lending Vertrag (und somit die treuhändig übernommenen Aktien) in zwei Tranchen an Meischberger rückgeführt. Genauso wurde der Kreditvertrag vollinhaltlich rückgeführt und die 500.000 Euro inklusive der vereinbarten 3,5%-igen Verzinsung nachweislich an Meischberger rückgeführt.

Dem stehen die Behauptungen der Anklage gegenüber, Gelder Meischbergers und Grassers wäre auf diesem Mandarin Konto „vermengt“ worden, wobei die Staatsanwaltschaft ja vorwirft, dass Gelder Meischbergers aus der Buwog Provision auf das Mandarin Konto für Grasser transferiert worden wären bzw. Grasser sogar selbst wirtschaftlich Berechtigter des Mandarin Kontos (gewesen) wäre. „Dass ein Konto für mehrere treuhändige Kunden verwendet wird, ist für Treuhänder gang und gäbe“, stellte Norbert Wicki dagegen heute fest.

Wie gesagt, die heutigen Aussagen Wickis untermauern, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist: „Ursprüngliche wirtschaftlich Berechtigte des Mandarin Kontos war zunächst Wickis Mutter, später Wicki selbst.“

 

Wie kam Norbert Wicki eigentlich zu Walter Meischberger? Auch hier gab es eine klare Bestätigung der bisher von Grasser und Meischberger getätigten Aussagen: Wicki war langjähriger Vermögensberater von Grassers Schwiegermutter sowie auch dessen Frau Fiona gewesen, und wurde in dieser Rolle auch mit Karl-Heinz Grasser selbst bekannt. Und Grasser wiederum hatte Meischberger auf dessen Frage nach einem guten Vermögensverwalter den Namen Wicki weitergegeben, und somit den Kontakt geebnet.

 

Zurück zur „Vermengung“: Neben den Geldern Meischbergers, die wiederum komplett auf Meischberger-Konten rückgeführt wurden, war auch Kapital aus dem Einflussbereich Karl-Heinz Grasser bzw. seiner Familie eine Zeit lang auf diesem Mandarin-Konto. Es handelte sich dabei – kurz zusammengefasst - ursprünglich um eine Schenkung der Schwiegermutter Grassers in drei Tranchen in Höhe von insgesamt 500.000 Euro an Grasser und Fiona, das mittlerweile berühmte „Schwiegermuttergeld“- wobei Karl-Heinz Grasser die Geschenkannahme ablehnte. Das Geld war zunächst auf einem Konto auf der Meinl Bank veranlagt, wurde dann in Hypo Genussscheine investiert - und deutlich vermehrt - und am Höhepunkt der Finanzkrise auf das Mandarin Konto transferiert. Schlussendlich landete das Geld also wieder bei der Schwiegermutter Marina Giori-Lhota, die das Geld dann für ihre Enkelkinder verwenden wollte.

 

„Ich habe Frau Giori-Lhiota angerufen, bestätigen lassen, dass das ihr Geld ist, und besprochen, wie über das Geld verfügt werden sollte. Ihr Wunsch war zu dem Zeitpunkt eine sichere Bank, und so wurde das Geld auf dem Mandarin Konto quasi zwischengeparkt. Grassers Schwiegermutter war für mich ganz klar die wirtschaftlich Berechtigte des Kontos“, stellte Wicki heute klar. Über das Telefonat würde es auch eine Aktennotiz geben, so der Vermögensverwalter.

 

Wicki hatte von Grassers Schwiegermutter, für die er viele Jahre tätig gewesen war, und wo es ein entsprechendes Vertrauensverhältnis gab, auch den Auftrag, das Geld zu veranlagen, „falls er eine gute Idee habe, daher habe er auch teilweise das Kapital in Aktien veranlagt.“

 

Jedenfalls wurde das Geld schließlich auf die Cathrin Participation Corp., eine ursprünglich für Fiona Grasser gegründete aber nicht genutzte Gesellschaft, transferiert, wo wiederum Frau Giori-Lhota als wirtschaftlich Berechtigte agiert, so Wicki. Auf das Konto dieser Catherine Participation bei der St. Gallener Kantonalbank wurde also schließlich der Erlös des „Schwiegermuttergeldes“ übertragen, wobei nicht nur die ursprünglich 500.000 Euro, die Grasser in bar bei der Meinl Bank in Wien eingezahlt hatte, und die sich durch den Ertrag aus dem Hypo-Genussschein auf 784.000 Euro vermehrt hatten, in bar bzw. teilweise in Aktien überwiesen wurden, sondern auch noch weitere Wertpapiere, womit  Wicki auch gleich einen Kredit, den ihm Frau Giori-Lhota im Jahr 2000 gegeben hatte, plus Zinsen zurückgezahlt hat. Mit 5. Juni 2009 war für Wicki der Übertrag des Geldes („Schwiegermuttergeld“) auf die Catherine Participation finalisiert.

 

Im September 2009 hatte Meischberger dann den Kreditvertrag – aufgrund seines Geldbedarfs durch die Steuernachzahlungen – gekündigt, die 500.000 Euro wurden wir vereinbart plus 3,5%-Verzinsung an Meischberger rückgeführt. Auch die Aktien aus dem Security Lendung Vertrag wurden rückgeführt.

 

„Grasser wollte im Dezember 2009 von mir wissen, was eigentlich auf dem Mandarin Konto gelaufen ist, was ich tatsächlich über Mandarin abgewickelt habe. Ich glaube nicht, dass er von Meischbergers Geschäften über das Mandarin Konto was gewusst hat. Grasser wusste außer dem Treuhandgeschäft für die Schwiegermutter offensichtlich nichts von Mandarin“, so Wicki am 52. Verhandlungstag. 

 

Was aufgrund der Verdächtigungen blieb, so das traurige Resümee Wickis heute, „dass das Mandarin Konto mit meinem Geld bis heute gesperrt ist und ich hier heute als Angeklagter sitze“.